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Dienstag, 30.01.2018

Streit ums Cannabis-Gesetz

Seit März 2017 ist medizinisches Cannabis auf Rezept in der Apotheke legal. Seitdem gab es über 16.000 Anträge an die Krankenkassen.

Bildautor: succo
Bildautor: succo

Aber wie hilft medizinisches Cannabis wirklich?

Cannabis erlebt derzeit auf der Welt eine Renaissance. Die Pflanze gilt als neues Superfood, Lifestyle-Produkt, gigantischer Wirtschaftszweig und Heilbringer gegen Schmerzen und Krankheiten. Immer mehr Länder auf der Welt lockern ihre Hanf- Gesetze, sogar in großen Teilen der USA ist Cannabis mittlerweile legal. Im letzten Jahr kam mit Kalifornien ein weiterer US-Bundesstaat dazu, der ab jetzt mit Cannabis handeln darf.

In Deutschland bleibt die Cannabis Pflanze auch 2018 illegal. Hierzulande kommt man nur über Umwege an die Pflanze und das auch nur in Form von Hanfsamen. Samenbanken aus europäischen Ländern haben sich darauf spezialisiert ihre Ware in sämtliche EU-Länder zu verschicken. Bestellt man diese über zertifizierte Online Shops, macht man sich nicht strafbar, da das Handelsgesetz der EU über dem deutschen Betäubungsmittelschutzgesetz steht. Trotzdem hat sich 2017 auch in Deutschland etwas getan: Cannabis wurde verschreibungspflichtig und kann mit Rezept in Apotheken erworben werden. Aber welchen Patienten nutzt die Pflanze wirklich was?

Nachdem Mitte des 20. Jahrhunderts Cannabis, allen voran von der katholischen Kirche, kriminalisiert wurde, erleben wir gerade einen gegenteiligen Diskurs mit der Pflanze. Cannabis soll bei Schmerzen aller Art, Appetitlosigkeit, Rheuma und sogar Nervenschäden helfen. Diese Informationen sind genauso gefährlich wie das pauschale verteufeln der Hanfpflanze. Denn die Cannabisforschung steckt noch in den Kinderschuhen. Um wirklich zu wissen, wie genau Marihuana kranken Menschen hilft, braucht es Langzeitstudien. Diese laufen derzeit, sind aber noch weit von einem konkreten Ergebnis entfernt. Schmerzmediziner streiten nach aktuellem Forschungsstand die Wirkung bei Kopfschmerzen ab. Sie weisen außerdem daraufhin, dass viele Schmerzpatienten die Behandlung mit Cannabis nach einer Zeit abgebrochen haben, da sie unter Konzentrationsstörungen und verminderter Leistungsfähigkeit litten. Möglichen Nutzen hingegen könnte Cannabis bei Schlafstörungen, Epilepsie, entzündeten Schmerzsyndromen wie etwa Arthritis haben. Die genaue medizinische Anwendung von Cannabis wird weiterhin erforscht. Darüber hinaus wirkt Cannabis nicht bei allen Patienten und wird auch längst nicht von jedem vertragen. Die Verschreibung bleibt eine Einzelfallentscheidung, die der Arzt und die Krankenkasse fällen.

Der Streit um Cannabis ist seit Jahrzehnten vor allem ein emotional geführter Streit. Befürworter und Gegner verhärten sich dabei in ihren Positionen. Zumindest bei der Debatte um den medizinischen Nutzen von Cannabis sollten beide Seiten versuchen bei den Fakten zu bleiben.

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