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Sonntag, 16.09.2018

Streit um Ende der Kohleverstromung

Die Braunkohlegegner im Hambacher Forst halten die Polizei auf Trab. Doch die Räumung kommt voran. Nun ist eine Debatte über den Zeitplan für den Kohleausstieg entbrannt. Wird der Wald von Hambach am Ende gar nicht mehr gebraucht?

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Demonstranten versuchen, über einen Wall in den Wald zu entkommen.
Demonstranten versuchen, über einen Wall in den Wald zu entkommen.

© dpa/Christophe Gateau

Einige der Demonstranten trugen junge Bäume mit sich, die sie in bereits gerodetem Gebiet anpflanzen wollten.
Einige der Demonstranten trugen junge Bäume mit sich, die sie in bereits gerodetem Gebiet anpflanzen wollten.

© dpa/Henning Kaiser

Dem „Spiegel“ zufolge legte Ronald Pofalla ein Konzept vor, wonach zwischen 2035 und 2038 die letzten Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen.
Dem „Spiegel“ zufolge legte Ronald Pofalla ein Konzept vor, wonach zwischen 2035 und 2038 die letzten Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen.

© dpa

Berlin. Demonstrationen von mehreren tausend Braunkohlegegnern haben die weitere Räumung des Hambacher Forstes am Wochenende nicht stoppen können. Umweltschützer protestierten gegen die geplante Rodung des uralten Waldes westlich von Köln und forderten einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die Polizei sprach von mehr als 4000 Demonstranten. Die verschiedenen Aktivistengruppen zählten 5000 bis zu 9000 Teilnehmer.

Unterdessen hat ein Bericht über einen Zeitplan für den Kohleausstieg heftigen Streit ausgelöst. Dem „Spiegel“ zufolge legte der Co-Vorsitzende der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission, Ronald Pofalla, ein Konzept vor, wonach zwischen 2035 und 2038 die letzten Kohlekraftwerke geschlossen werden sollen.

Die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ soll bis Jahresende eine Strategie zum Ausstieg aus der Kohleverstromung ausarbeiten. Derzeit belastet vor allem der Streit um die Räumung des Hambacher Forstes die Arbeit der Kommission, auf die sich nun auch die Hoffnungen der Hambach-Aktivisten richten.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte den sofortigen Stopp der Räumungsaktion. Die Landesregierung solle zunächst die Ergebnisse der Kohlekommission abwarten. „Vielleicht muss der Hambacher Forst dann gar nicht mehr gerodet werden“, sagte Martin Kaiser, Greenpeace-Geschäftsführer und Mitglied der Kohlekommission, in Kerpen der Deutschen Presse-Agentur. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Hambacher Forstes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können.

Breite Kritik an Pofallas Zeitplan zum Kohleausstieg kommt aus der Kommission selbst, aber auch aus den betroffenen Ländern. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sagte am Sonntag der dpa, das Gremium habe noch viel Arbeit vor sich; wichtige Grundlagen seien ungeklärt. „Umso unverständlicher ist es, dass zu so einem frühen Zeitpunkt Ausstiegsdaten genannt werden.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte der dpa, die Kohlekommission sei obsolet, wenn es solche Vorfestlegungen gebe.

Michael Vassiliadis, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und Mitglied der Kohlekommission, mahnte: Wenn Pofalla mit irgendwelchen Ausstiegsdaten jongliere, „dann kappt er fahrlässig das zarte Pflänzchen des Vertrauens, das sich in dem Gremium gerade erst gebildet hatte“.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte: „Vorfestlegungen und Geheimabsprachen erschweren die Arbeit der Kohlekommission unnötig.“ Zudem sei der Vorschlag viel zu ambitionslos, die Pariser Klimaziele würden damit verfehlt.

RWE bezeichnete einen Ausstieg bis 2038 als „nicht akzeptabel“. Das Ende der Kohleverstromung hänge auch vom schnellen und konsequenten Ausbau der Netze und der erneuerbaren Energien ab. Die Kohlekommission müsse dafür ein schlüssiges Gesamtkonzept vorlegen. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Mal eine Anmerkung

    Wenn der Herr Pofalla dies für 2038 festlegt ,dann ist das so Gesetz .Das hat er doch bei der NSA Spionageattacke auf Frau Merkel auch festgelegt ,das diese Attacke" beendet ist. Der Mann denkt vermutlich er ist Gott und steht über den Dingen.Ja so isser der Herr Pofalla einfach fehl am Platz egal wo er sich produziert.

  2. Müller

    1. Wer Polizisten angreift, ist kein "Aktivisten", das ist ein Verbrecher! 2. Wie kann man vor den Verhandlungen schon ein Ergebnis bringen? Bin 2038 wird Deutschland kaum in der Lage sein, genügend Energie ohne Kohle- und Atomstrom zu produzieren.

  3. Manfred Hengst

    Wenn ich dazu höre, die Kommission schlägt vor , als Ausgleich für die wegfallen Arbeitsplätze sollen Bundesbehörden dahin angesiedelt werden. kann ich vor lachen nicht mehr. Vom Baggerführer zum Beamten und die Leitung übernehmen die Wessis. Hat schon jemand solche Prodeste wie am Hambacher Forst in den Dörfern erlebt die weggebaggert werde sollen ?

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