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Mittwoch, 07.11.2018

Stadthalle hat Fans bis an die Schweizer Grenze

Helga Staake hat Görlitz vor über 60 Jahren verlassen. Als Fördervereinsmitglied ist sie wieder näher an der Heimat dran.

Von Ines Eifler

Die 81-jährige Helga Staake erinnert sich noch an die Stadthalle vor 60 Jahren. Die gebürtige Görlitzerin hat ihre Heimat nie vergessen und trat deshalb in den Förderverein der Stadthalle ein. Zur Jahresvollversammlung reiste sie aus Süddeutschland fast 900 Kilometer mit dem Zug an.
Die 81-jährige Helga Staake erinnert sich noch an die Stadthalle vor 60 Jahren. Die gebürtige Görlitzerin hat ihre Heimat nie vergessen und trat deshalb in den Förderverein der Stadthalle ein. Zur Jahresvollversammlung reiste sie aus Süddeutschland fast 900 Kilometer mit dem Zug an.

© nikolaischmidt.de

Oh ja, das kenne sie alles noch sehr gut, sagt Helga Staake. Sie schaut zu den Emporen der Stadthalle hinauf, zur Bühne, wo früher die langen Samtvorhänge hingen, auf den Boden, der früher mit seinem glänzendem Parkett zum Tanz einlud und heute eine Betonschicht ist. „Aber schön ist es nicht gerade.“ Sie hoffe sehr, die Stadthalle noch einmal sehen zu können, wenn sie saniert sei. „Aber wer weiß, ob ich das noch erlebe.“

Helga Staake ist Jahrgang 1937 und gerade anlässlich der Jahresversammlung des Stadthallenvereins für ein paar Tage nach Görlitz gereist. Dafür hat die 81-Jährige eine Zugfahrt von fast 900 Kilometern auf sich genommen. „Der Kontakt zu Görlitz und auch zur Stadthalle ist eben nie abgerissen.“ Geboren als Helga Lange in Görlitz, hat sie ihre ersten Lebensjahre in der Rosenstraße in der Altstadt verbracht, ihre spätere Kindheit im damaligen Lowa- und späteren Karl-Marx-Clubhaus, das an der Stelle des heutigen City-Centers stand. „Mein Vater war dort Hausmeister“, erinnert sie sich, „deshalb wohnten wir auch darin.“ Ihre Mutter jedoch arbeitete als Garderobiere in der Stadthalle. „Wenn ich nicht allein zu Hause sein wollte, ging ich meine Mutter dort besuchen.“ Deshalb kenne sie die Stadthalle gut. Auch ihr Vater und ihr Bruder seien als Darsteller einer Laienschauspielgruppe eng mit dem Gebäude verbunden gewesen.

20 Jahre lange lebte Helga Staake in Görlitz. Ihr Mann war Handwerker in einer Fensterfirma gewesen und hatte sich am Aufstand des 17. Juni 1953 beteiligt. Am Tag darauf war er verhaftet worden und hatte knapp vier Jahre in Bautzen im Gefängnis gesessen. Als er im März 1957 nach Görlitz entlassen wurde, blieb das junge Paar nur noch wenige Wochen in der Stadt. „Im April sind wir über Berlin abgehauen, die Mauer war ja noch nicht gebaut“, erzählt Helga Staake.

Im Westen Deutschlands sei es jedoch schwer gewesen, Fuß zu fassen. In Hamburg und in Westfalen hätten sie es versucht, in Rheinfelden in Baden-Württemberg, direkt an der Schweizer Grenze, seien sie schließlich geblieben. „Mein Mann wollte immer nach Hause zurück und hoffte, dass sich die Lage in der DDR änderte“, sagt Helga Staake. „Aber als die Kinder kamen, das erste 1959, wollte ich dableiben.“

Kontakt hielt sie jedoch immer: „Die Heimat vergisst man nicht.“ Mit ihrer Mutter, die in Görlitz geblieben war, konnte sie Briefe austauschen, auch ihre Pakete seien angekommen. Mit ihrem Bruder, der bei der Feuerwehr arbeitete, habe sie allerdings nicht kommunizieren dürfen. In den 1970er Jahren war sie zum ersten Mal wieder in der DDR, bei der Jugendweihe ihres Pflegebruders in der Stadthalle. Dann erst wieder nach 1989. „Ich bedaure, dass so viele Häuser leer stehen“, sagt Helga Staake, „eigentlich würde ich gern wieder nach Görlitz ziehen, aber meine Kinder wohnen in meiner Nähe, unterstützen mich und ich möchte sie auch nicht im Stich lassen.“

Eine Beziehung zu Görlitz hätten aber auch sie, obwohl sie nicht hier geboren sind. „Denn wir haben zu Hause immer sehr viel von unserer Heimat gesprochen.“ So war es ihre Tochter, die vor einigen Jahren einen Aufruf des Stadthallenfördervereins entdeckte. „Wir haben uns sofort entschlossen, Mitglieder zu werden“, sagt Helga Staake und ist froh, nun wieder ein Stück mehr mit Görlitz verbunden zu sein.

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