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Montag, 09.07.2018

Spitzensport, Defekthexe und Tourenrad

Von Frank Thümmler

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Der Sieger des Landskron-Cup-Rennens, Tom Streicher aus Darmstadt, jubelt im Ziel. Auch der Dresdner Anton Benedix auf Platz zwei ist zufrieden.
Der Sieger des Landskron-Cup-Rennens, Tom Streicher aus Darmstadt, jubelt im Ziel. Auch der Dresdner Anton Benedix auf Platz zwei ist zufrieden.

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Franziska Kranich fuhr zwar weit hinterher – aber für sie war es nur eine Trainingseinheit, für die es sich nicht lohnte, ein Rennrad anzuschaffen.
Franziska Kranich fuhr zwar weit hinterher – aber für sie war es nur eine Trainingseinheit, für die es sich nicht lohnte, ein Rennrad anzuschaffen.

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Das sind Senioren über 40 Jahre, die die Straße von Schlauroth aus Richtung Landeskrone hochjagen. Die Strecke ist mit mehreren Anstiegen selektiv, räumt aber auch den Sprintern Chancen ein. Das gefällt den Radsportlern immer wieder.Fotos: H.-E. Friedrich
Das sind Senioren über 40 Jahre, die die Straße von Schlauroth aus Richtung Landeskrone hochjagen. Die Strecke ist mit mehreren Anstiegen selektiv, räumt aber auch den Sprintern Chancen ein. Das gefällt den Radsportlern immer wieder.Fotos: H.-E. Friedrich

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Dieser Radklassiker am Sonntag war wie gemalt: ideales Wetter, toller Sport, keine Unfälle, gute Stimmung und natürlich jubelnde Sieger. Deutsche Seniorenmeister wurden der Berliner Michael Kopf (Senioren 2=Ü40, Jenatec-Lawi-Masters), Andreas Vach (Senioren 3=Ü50, TV Jahn Siegen) und Jochen Keiler (Senioren 4=Ü60, SG Athletico Büdelsdorf/Schleswig Holstein). Zu sehen, wie die teilweise ergrauten Herren den Anstieg auf der Promenadenstraße mit einer unglaublichen Geschwindigkeit empor sprinteten, und das nach bis zu 120 Kilometern.

Für die Görlitzer vom gastgebenden Post SV lief es diesmal nicht ganz so gut. Das zum Lausitzcup gehörende Jedermann-Rennen über vier Runden á 17,1 Kilometer ist als Heimrennen seit jeher ein Jahreshöhepunkt für die Görlitzer, ein Podestplatz, vielleicht der Sieg, der Traum der besten Görlitzer Radsportler. Diesmal kam Friedemann Lätsch diesem Traum am nächsten. Der 30-Jährige kam im Schlusssprint des geschlossenen Feldes auf den siebenten Platz. „Vielleicht war etwas mehr drin. Ich wollte im Hauptfeld Schwung holen und dann mit Geschwindigkeitsüberschuss auf die letzten Meter gehen. Am Ende kam mein Antritt etwas zu spät“, sagte der in Dresden lebende Lätsch nach dem Rennen, war als bester Görlitzer aber alles andere als enttäuscht. „Für mich ist dieses Rennen immer der Höhepunkt des Jahres, auch weil es das Einzige ist, bei dem meine Familie mit dabei ist. Und als Mannschaft waren wir auch heute eigentlich ganz gut dabei.“ Tatsächlich gehörte eingangs der letzten Runde der Görlitzer Marc Stübner zu einer vierköpfigen Spitzengruppe, die aber wieder eingeholt wurde. Ebenso erging es Alexander Angierski, der am Ende 14. wurde. Diesmal nicht in den Zielsprint eingreifen konnte der amtierende Görlitzer Sportler des Jahres, Philipp Schweichler. Die Defekthexe hatte in der dritten Runde gleich zweimal zugeschlagen, der Sprintspezialist verlor den Anschluss, hatte keine Chance mehr und fuhr abwinkend und enttäuscht als 31. mit sieben Minuten Rückstand über die Ziellinie. Diese Saison, in der der Görlitzer Kapitän nach seinem Studium erstmals Arbeit und Familie mit zwei kleinen Kindern unter einen Hut bekommen muss, erwies sich allerdings auch bislang als nicht so erfolgsträchtig wie in vergangenen Jahren. „Gut, dass jetzt eine Sommerpause kommt. Danach kann ich ja noch mal angreifen“, sagte er nach dem Rennen.

Eine Premiere gab es aus Görlitzer Sicht auch. Mit Steffen Bachran nahm ein Post-Sportler an den Deutschen Meisterschaften der Senioren 2 (Ü40) teil, bewältigte die knapp 120 Kilometer dann zwar in einer hinteren Gruppe, wurde aber von den Fans und auch den Streckensprechern immer besonders bejubelt. Seine rein sportliche Leistung (fast 40er Schnitt) war beachtenswert, auch wenn er in diesem Klassefeld chancenlos war. Für Schlagzeilen hatte der 44-jährige Siemens-Mitarbeiter Ende Januar gesorgt, als er mit Kollegen binnen fünf Tagen 770 Kilometer auf Landstraßen nach München zurückgelegt hatte, um dort dem Siemens-Chef Joe Kaeser ein Görlitzer Zukunftspapier zu übergeben mit dem Ziel, die Schließungspläne für das Görlitzer Werk zu verhindern. Damals hatte er die „Tortur bei Schnee, Wind und Regen“ als gutes Training bezeichnet. Jetzt konnte Bachran zeigen, dass er auch mit den besten deutschen Radsportlern seiner Altersgruppe gut mithalten kann. Ein öffentliches Training absolvierte übrigens auch Franziska Kranich, Die Europamarathonsiegerin absolvierte die 51 Kilometer des Damenrennens auf einem Tourenrad.

Insgesamt erhielten die Organisatoren vom Post SV erneut viel Lob. Abteilungsleiter und Cheforganisator Jürgen Schmidt verkündete, dass die Deutschen Seniorenmeisterschaften auch 2019 bei Rund um die Landeskrone stattfinden werden. Der Verein habe erneut den Zuschlag erhalten, zum nun schon 14. Mal (!) seit der Wende. „Wir haben das wieder zeitig beantragt, erhalten inzwischen auch viel Zuspruch von den Fahrern, die auf unserer Strecke, die allen Fahrertypen Chancen bietet, gern ihre Meister ermitteln. Und wir haben dadurch große Starterfelder“, sagt Schmidt.

Nach den vielen Jahren ist organisatorisch alles eingespielt. Kritikpunkte gibt es kaum – bis auf einen kleinen. Die Streckensprecher werden vom Renngeschehen genauso überrascht wie die Zuschauer, schaffen es bei den parallel stattfindenden Rennen nur schwer, den Überblick zu behalten und den Zuschauern das Renngeschehen (wer ist in der Spitzengruppe, wie groß sind die Abstände usw.) zu erklären. Ein Beobachter mit Kontakt zu den Stadionsprechern einen Kilometer vor dem Ziel oder noch besser ein Transponder könnten da helfen. Aber: Das ist Jammern auf wirklich hohem Niveau.