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Freitag, 12.01.2018

Spielplatz und Rollator-Garage

Sachsens Wohnungsgenossenschaften wollen keinen Trend verpassen. Zuschüsse sollen die Mieten stabil halten.

Von Georg Moeritz

Neubau in Dresden-Briesnitz: mal für Familien, mal für Senioren.
Neubau in Dresden-Briesnitz: mal für Familien, mal für Senioren.

© Ronald Bonß

Dresden. Ein kleiner Dorfplatz mit Spielgeräten, Wohnungen vor allem für Familien mit Kindern – das ist das jüngste Bauprojekt der Eisenbahner-Wohnungsgenossenschaft in Dresden-Briesnitz. Rund 100 neue Genossenschaftswohnungen sind voriges Jahr alleine in Dresden entstanden, sagte am Donnerstag Axel Viehweger, Vorstand des Verbands Sächsischer Wohnungsgenossenschaften. In Döbeln wurde unterdessen eine alte Schule umgebaut – eine ehemalige Lehrerin wohnt jetzt wunschgemäß dort, wo früher ihr Klassenraum war.

Viehweger legt Wert darauf, dass auch in Mittelzentren und im ländlichen Raum Bauprojekte vorbereitet werden. Im Herbst hat er eine „Allianz für attraktive Städte“ gegründet, mit Verbänden und Ministerien. Das Ziel: Schrumpfende Orte sollen lebenswert bleiben. Es hilft auch den Wohnungsunternehmen, wenn gute Busverbindungen vom Dorf in die Kleinstadt und von dort zu großen Arbeitgebern bestehen. „Fünf Verkehrsverbünde in einem so kleinen Land sind Unsinn“, lautet eine der klaren Thesen des Verbandschefs.

Wandel: Ankerstädte müssen trotz Schrumpfens funktionieren

Viehweger kennt die Sachsen-Karte, auf der ein großer Teil der sächsischen Gemeinden mit roter Farbe als schrumpfend markiert ist. Aber die Orte „schrumpfen ja nicht auf null“, sagt der Verbandschef. In früheren Jahren hat er schon einzelne Städte wie Bischofswerda als „verstecke Perlen“ beworben. Nun spricht er lieber von „Ankerstädten“, die fürs Umland ein Krankenhaus behalten müssen – und auch das Gymnasium, weil sonst die Ärzte ihrer Kinder wegen fortziehen. Manche sächsische Stadt müsse auch mit nur 20 000 Einwohnern die gleiche Funktion erfüllen wie eine andere mit 60 000, sagt Viehweger, auch im Sinne der Wohnungswirtschaft. Große Städte müssten ihre schlechteren Gebiete aufwerten. Dresden-Prohlis habe zu Unrecht einen schlechten Ruf.

Mieten: Kaum Preissteigerungen, außer bei Neubauten

Von steigenden Immobilienpreisen liest Viehweger häufig, doch für ihn ist das vor allem ein Thema für Neubauten. In den rund 275 000 Wohnungen des Genossenschaftsverbandes seien die Mieten in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich um 1,1 Prozent pro Jahr gestiegen, sagte Verbandsreferent Sven Winkler. Jetzt liege der Durchschnitt bei 4,80 bis 4,89 Euro kalt. Das bedeute rund sieben Euro Warmmiete und damit 400 Euro für eine Durchschnittswohnung mit 58 Quadratmetern.

In Neubauten dagegen müsse je nach Ort mit 8,50 bis zehn Euro kalt gerechnet werden. Für solche Wohnungen in Dresden interessieren sich laut Viehweger zum Beispiel Sachsen, die in den 90er-Jahren in eine Eigentumswohnung im Grünen gezogen sind und nun im Alter lieber in die Landeshauptstadt wollen. Dort bekommen sie für den Erlös ihrer Landwohnung keine große Eigentumswohnung mehr und entscheiden sich für eine neue Mietwohnung mit Balkon und bodengleicher Dusche.

Trends: Mehr Aufzüge und Assistenzsysteme für den Notfall

Neue Balkone waren ein Trend der vergangenen Jahre, nun werden zunehmend mehr Aufzüge zu Preisen zwischen 150 000 und 250 000 Euro eingebaut. Die „alternde Gesellschaft“ braucht laut Viehweger Wohnungen ohne Schwellen, aber mit Rollator-Garagen. Assistenzsysteme mit Bewegungsmelder und Wasserstopp hat der Verband getestet: „Wir haben alles probiert und könnten viel mehr machen“, sagt Viehweger. Doch damit die Miete nicht unattraktiv hoch werde, wolle er Zuschüsse. Beim Land hat der Lobbyist durchgesetzt, dass seit diesem Jahr bis zu 10 000 Euro für barriefreien Umbau aus der Staatskasse bezahlt werden. Doch im Detail seien die Vorschriften zu eng. Viehweger wirft den Pflegekassen vor, ihr Geld festzuhalten – sie könnten je 4 000 Euro „für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ bereitstellen.

Aussichten: Strom vom eigenen Dach, Beratung in vielen Lebenslagen

Die Wohnungsgenossenschaften machen sich Gedanken über die künftigen Steckdosen für Elektroautos und über Solarstrom vom Dach. Vor allem in Chemnitz probieren sie derzeit viel aus. Die Stadt rücke auch zunehmend ins Blickfeld internationaler Immobilien-Investoren, sagte Viehweger. Der Verband beteiligt sich dort an einem Projekt mit Solarstrom für die eigenen Mieter und an einem Test- und Demonstrationszentrum für Handwerker und Sozialarbeiter – dort sollen auch die besten Bodenbeläge und Badezimmermaße fürs altengerechte Wohnen vorgeführt werden. Senioren-Leitfäden für Krankenhaus und für Mobilität sollen folgen.

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