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Dienstag, 12.06.2018

Soundtrack der WM

Die Zeiten, in denen Spieler noch selbst zum Mikro griffen, sind lange vorbei. „Ein Hoch auf uns“ hieß es vor vier Jahren. Und jetzt singen die Fantastischen Fünf.

Von Jenny Tobien

Andreas Bourani sang – und die Nation grölte das Hoch auf uns mit.
Andreas Bourani sang – und die Nation grölte das Hoch auf uns mit.

© picture alliance / Jens Wolf/dpa

Sie gehören inzwischen dazu wie Panini-Bilder und Maskottchen: die WM-Songs. Viele geraten direkt in Vergessenheit, manche haben das Potenzial zum Turnier-Hit. Und einige werden noch später am Ballermann oder auf dem Oktoberfest gegrölt. Für den Soundtrack der WM – und des gesamten Sommers 2014 – sorgte ein Lied, das gar nicht als Fußball-Song angedacht war: „Auf uns“ von Andreas Bourani.

Auch dieses Jahr gibt es diverse Anwärter auf den Turnier-Hit. Die offizielle Fifa-Hymne kommt von Hollywoodstar Will Smith. Gemeinsam mit US-Musiker Nicky Jam und der kosovarischen Sängerin Era Istrefi hat der Rapper die Nummer „Live It Up“ eingespielt. Okay, weder die USA noch der Kosovo sind für das Turnier qualifiziert. Ein Bezug zum Austragungsort Russland? Fehlanzeige. Und Sie haben Smith bislang nicht mit Fußball in Verbindung gebracht? All das scheint keine Rolle zu spielen. Ansonsten ist „Live It Up“ ein überproduziertes Stück mit viel „Oh-oh, oh-oh-oh-oh“, das international funktionieren soll.

Als Hit könnte wohl eher Jason Derulos „Colors“ taugen. Oder auch „Zusammen“ von den Fantastischen Vier mit dem Sänger Clueso. Das Stück beschwört die Freundschaft und kommt mit einem eingängigen Sound daher. Witzig ist das Video, in dem die vier Stuttgarter zur Rettung der Karriere gezwungenermaßen mit Clueso „Die Fantastischen Fünf“ gründen. Die ARD hat „Zusammen“ bereits zu ihrem offiziellen Turnier-Lied gekürt, das die WM-Übertragungen begleiten wird. Das ZDF setzt auf „The Bravest“ von Sir Rosevelt.

Was nicht verwundert: Austragungsort Russland macht in diesem Jahr kaum ein Künstler zum Thema. Eine Ausnahme ist Schlager-Urgestein Ralph Siegel, der seinen Gassenhauer „Moskau“ von Dschingis Khan wieder aufleben lässt – gleich in vier Sprachen. „Russland ist ein schönes Land, wir spielen alle an die Wand“, singt Popstar Jay Khan in der Neuauflage. Und: „Deutschland hey, Deutschland ho, Jogi go!“, lautet die Botschaft an die Nationalmannschaft.

Apropos Nationalmannschaft. Das waren noch Zeiten, als die Spieler selbst zum Mikrofon griffen – erstmals 1974. „Fußball ist unser Leben“ hieß das schmissige Lied. Auch 1994 betrat der damals recht konservative DFB musikalisches Neuland. Passend zu den USA sangen die Village People auf Englisch „Far Away in America“. Umringt von der Schwulen-Band aus der Disco-Zeit der 70er, in Indianer- und Polizisten-Kostüm, sahen beispielsweise Mario Basler und Berti Vogts etwas deplatziert aus. Danach hatte es sich ausmusiziert fürs Nationalteam. Die musikalische Begleitung wurde fortan ausschließlich jenen überlassen, die sich damit auskennen - mal mehr und mal weniger.

Für Deutschlands Sommermärchen 2006 hatte die Fifa eigentlich „The Time of Our Lives“ vom Klassik-Pop-Quartett Il Divo ausgesucht. Kaum jemand dürfte sich daran erinnern. Viele Menschen haben eher die ebenfalls von der Fifa in Auftrag gegebene WM-Hymne „Zeit, dass sich was dreht“ von Herbert Grönemeyer im Ohr. Das Nationalteam indes setzte vor jedem Spiel auf „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo. (dpa)

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