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Dienstag, 05.06.2018

Sogar Italiener vom Zittauer Boxturnier begeistert

Von reiner Seifert

Taslim Gurmaliyev wurde in Tschetschenien geboren. Der 13-Jährige kam mit seien Eltern vor 18 Monaten nach Zittau, spricht inzwischen gut deutsch – und boxt recht erfolgreich für den BC Dreilaändereck. Foto: Thomas Eichler
Taslim Gurmaliyev wurde in Tschetschenien geboren. Der 13-Jährige kam mit seien Eltern vor 18 Monaten nach Zittau, spricht inzwischen gut deutsch – und boxt recht erfolgreich für den BC Dreilaändereck. Foto: Thomas Eichler

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Der 41-jährige italienische Profiboxer Alessio Furlan mit dem Spitznamen „Der Krieger von Rocca Canavese“ bestritt bis 2013 insgesamt 50 Kämpfe, von denen er 27 gewinnen konnte. Furlans hochrangigster Kampf endete 2007 beim WBA Inter-Continental Titelkampf gegen den deutschen Mittelgewichts-Titelverteidiger Sebastian Sylvester mit einer Niederlage. Gemeinsam mit Matteo Tancredi betreut er heute das Team Box-Chirie-Italy, zu dem auch sein Sohn Samuele gehört. Der 16-Jährige machte mit dem Bautzener Angelo Campo kurzen Prozess und gewann durch RSC in der 1. Rd. „Nach den beeindruckenden Erlebnissen im Vorjahr haben wir auch diesmal nicht die 1 300 Kilometer lange Anreise gescheut, um erneut am Turnier teilzunehmen. Wir kommen auch im nächsten Jahr gern wieder“, versprach Matteo Tancredi.

Für einen furiosen Turnierauftakt aus Sicht des gastgebenden BC Dreiländereck sorgte David Gänge. Der elfjährige Zittauer Nachwuchsboxer und damit jüngste Dreiländereck-Boxer bezwang in der Schülerklasse den gleichaltrigen Levi Witte vom BC Schwarzheide. „Ein hart erkämpfter, knapper Punktsieg, den sich David seit längerer Zeit endlich mal verdient hat“, fanden nicht nur seine Trainer Stefan Brussig und Cindy Petereit. Für den Vereinskameraden Taslim Gurmaliyev hingegen nahm das Turnier einen unglücklichen Verlauf. „Heute, genau vor zwei Jahren sind wir nach Deutschland gekommen. Ausgerechnet an diesem Tag musste ich im Boxring eine Niederlage einstecken“, machte der 13-jährige Tschetschene aus Pervomayskaya, nahe der Hauptstadt Grosny gelegen, aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Taslim Gurmaliyev musste sich dem tschechischen Vizemeister der Kadettenklasse bis 32,5 kg Adam Fedorowicz (Bojan Boks Luban) nach Punkten geschlagen geben. „Kämpferisch bot Taslim eine tadelsfreie Leistung. Im Schlussgang ging ihm etwas die Puste aus, und sein Gegner erzielte die klareren Treffer“, zog Trainerin Cindy Petereit ein erstes Fazit.

Taslim wohnt mit seinen Eltern und den drei Schwestern seit 18 Monaten in Zittau und besucht die sechste Klasse der Schlieben-Oberschule. „Ich gehe gern in die Schule. Es macht Spaß, mit meinen deutschen Freunden zu lernen“, erzählte Taslim, der schon gut deutsch spricht. Beim BC Dreiländereck trainiert er seit einem Jahr wöchentlich dreimal und avancierte in diesem Jahr zum erfolgreichsten Boxer seines Vereins. Taslim gewann den Sachsenmeistertitel und bei den deutschen U15-Meisterschaften den Vizetitel in der Gewichtsklasse bis 32,5 kg. „Im nächsten Jahr möchte ich den Sachsentitel verteidigen und bei den deutschen Meisterschaften den Titel erkämpfen“, setzt sich Taslim, der bisher 13 Kämpfe bestritt und davon sieben gewinnen konnte, klare Ziele.

Margomed Arsaev bestritt für den BC Dreiländereck seinen ersten Kampf. Der 20-jährige Görlitzer schlug sich trotz der Niederlage gegen den schon mehrmals in der Bundesliga eingesetzten Hamburger Hesmath Karimi mehr als wacker. „Margomed setzte mit Kampfeswillen und Geschick die vorgegebene Marschroute um“, lobte Trainer Brussig. Jugend-Landesmeister Abdulla Nabizada konnte nicht an die zuletzt gezeigten Leistungen beim sächsischen Titelkampf anknüpfen. Der 18-jährige Zittauer zog gegen Hariz Fedale (Traktor Schwerin/TH Eilbeck) ebenfalls nach Punkten den Kürzeren. Um eine knappe Punktniederlage kam auch der sächsiche Vizemeister Ibragim Zhamaldinow in seinem 15. Kampf nicht herum. Der 14-Jährige musste sich nach einem Sparringskampf am Sonnabend am Tag darauf dem starken Alikan Bazlaev (Spandauer BC) geschlagen geben. „Ibragim steigerte sich zwar von Runde zu Runde, was aber am Ende nicht zum Sieg reichte. Schade!“, bedauerte Trainer Brussig

Das internationale Boxturnier um die Pokale der Stadt Zittau gehört zu den größten seiner Art in Sachsen. Zur dritten Auflage konnte der Schirmherr des Turniers, Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker, insgesamt 115 Faustkämpfer von 23 Vereinen aus Italien, Tschechien, Polen und Deutschland im Westparkcenter begrüßen. Die zahlreichen Zuschauer, die für tolle Stimmung in der Halle sorgten, bekamen in 37 Halbfinal- und 15 Finalkämpfen gutklassigen Boxsport geboten. Die Palette der Aktiven reichte vom zehnjährigen Nachwuchsboxer, der seinen ersten Kampf bestritt, bis zu Titelträgern und Medaillengewinnern bei deutschen und tschechischen Meisterschaften der verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen.

Zu den Höhepunkten des Turniers zählten die Kämpfe der Pokalsieger „Bester Boxer“ Vladislaw Hitlin (TH Eilbeck), „Beste Boxerin“ Alise Bergantin (Italien) und „Bester Nachwuchsboxer“ Heitham Kahlaf (ISK Halle). Für die beste kämpferische Leistung wurde Danils Travilofs (Spandauer BC) und als erfolgreichste Mannschaft der TH Eilbeck-Hamburg ausgezeichnet. „Eine perfekt organisierte, zweitägige Veranstaltung, wo Betreuung, Unterbringung und das ganze Drumherum stimmten. Wir kommen im nächsten Jahr wieder“, lautete der einhellige Tenor der Aktiven, Trainer und Betreuer. „Die wochenlangen Vorbereitungen und der Einsatz unserer 20 Helfer haben sich also gelohnt“, freute sich Stefan Brussig, Abteilungsleiter Boxen der HSG Turbine Zittau und Organisationschef des Turniers über eine gelungene Veranstaltung. (rs)