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Freitag, 10.08.2018

„So unsichtbar wie möglich“

Heike Drechsler war der Star in der Weitsprung-Grube. Bei der EM erfüllt sie mit Freude eine schweißtreibende Nebenrolle.

Von Ulrike John

Heike Drechsler ist zurück in der Weitsprung-Grube – aber als Kampfrichterin. Dabei hat sie sichtlich Spaß.
Heike Drechsler ist zurück in der Weitsprung-Grube – aber als Kampfrichterin. Dabei hat sie sichtlich Spaß.

© action press

Die weiße Schirmmütze tief ins Gesicht gezogen, die Hosen ungewohnt lang und dann noch diese Handschuhe, damit’s keine Blasen gibt. Heike Drechsler ist zurück an der Weitsprung-Grube – aber quasi inkognito und für die Zuschauer im Berliner Olympiastadion kaum zu erkennen. Für die Olympiasiegerin von 1992 und 2000 sind es die vierten internationalen Leichtathletik-Titelkämpfe in Deutschland, dennoch betritt sie Neuland: Die 53-Jährige ist bei der EM als Kampfrichterin dabei. Da ebnet sie nach den Weitsprüngen mit einem Schieber die Oberfläche. „Das ist richtig Gartenarbeit. Wie wenn man einen Fußballplatz umgräbt“, sagt Drechsler. Hauptsache mittendrin, statt nur dabei: „Ich würde auch den Diskusring trocken reiben.“

Für die gebürtige Thüringerin ist es ein ganz besonderes Heimspiel, da sie seit zwei Jahren auch in Berlin lebt. Bei der EM 1986 holte Drechsler Weitsprung- und 200-Meter-Gold, bei der WM 1993 ebenfalls in Stuttgart erneut den Titel in ihrer Spezialdisziplin. Zwei Jahre vor ihrem Karriereende kam sie bei der EM 2002 in München nach Achillessehnenproblemen noch auf Rang sechs. Heute arbeitet die fünfmalige Europameisterin für die Initiative einer Krankenkasse („Deutschland bewegt sich“) und in ihrer Freizeit steht sie öfter wieder an der Weitsprung-Anlage.

Im vergangenen Jahr machte Drechsler als Mitglied des LAC Olympia 88 Berlin ihren Schein als Kampfrichterin und war auch bei den deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm im Einsatz. „Sie hat sich fantastisch gut ins Team eingefügt und war unheimlich umgänglich“, sagte ihr Team-Chef Frank-Martin Schunack damals. „Es ist einfach schön, wenn man sich an der Basis nützlich machen kann. Ich wollte mich mit meiner Erfahrung einbringen“, so Drechsler zu ihren Beweggründen.

Aus Erfahrung weiß sie auch: „Die Kampfrichter bekommen immer alles ab, wenn es beim Athleten nicht läuft.“ Probleme gab es auch beim Weitsprung-Finale am Mittwoch. Drechsler nimmt die Kampfrichter dabei ausdrücklich in Schutz: „Unser Kampfrichterteam hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Wir haben unsere Arbeit gemacht. Das war alles korrekt.“

Mehrere Athleten hatten beklagt, dass aus ihrer Sicht zu kurze Weiten gemessen worden seien. Der vierte Versuch des späteren Silbermedaillengewinners Fabian Heinle aus Stuttgart war zunächst nur mit 7,77 Metern gemessen worden. Nach einem Protest wurde die Weite später auf 8,02 Meter korrigiert. Es habe sich um technische Probleme gehandelt, betonte Drechsler. Die Weiten werden inzwischen nicht mehr von Hand, sondern elektronisch gemessen.

(dpa)

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