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Montag, 23.10.2017

So sieht es im Kornhaus aus

In dem Gebäude soll bald eine Ausstellung über die Gründerzeit zu sehen sein. Aus diesem Anlass durfte die SZ mal hineinschauen.

Von Stephan Hönigschmid

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Obwohl dieser Raum schon einige Jahre auf dem Buckel hat, versprüht er immer noch einen gewissen Charme. Auffällig ist vor allem das höher gelegene Séparée am Panorama-Fenster, das durch ein dekoratives Geländer aus Holz abgegrenzt wird. Das Tageslicht spiegelt sich auf dem ebenfalls aus Holz bestehenden Fußboden und hellt die ansonst im Düsteren liegenden Räume etwas auf
Obwohl dieser Raum schon einige Jahre auf dem Buckel hat, versprüht er immer noch einen gewissen Charme. Auffällig ist vor allem das höher gelegene Séparée am Panorama-Fenster, das durch ein dekoratives Geländer aus Holz abgegrenzt wird. Das Tageslicht spiegelt sich auf dem ebenfalls aus Holz bestehenden Fußboden und hellt die ansonst im Düsteren liegenden Räume etwas auf

© Claudia Hübschmann

Jens Mahlow (rechts) erläutert Schlossleiter Uwe Michel die Idee für die Ausstellung.
Jens Mahlow (rechts) erläutert Schlossleiter Uwe Michel die Idee für die Ausstellung.

© Claudia Hübschmann

Blick ins Treppenhaus des Kornhauses. Über unebene Stufen geht es in den Eingangsbereich.
Blick ins Treppenhaus des Kornhauses. Über unebene Stufen geht es in den Eingangsbereich.

© Claudia Hübschmann

In diesem Zimmer mit dem markanten Vorhangbogenfenster befand sich einmal die Küche.
In diesem Zimmer mit dem markanten Vorhangbogenfenster befand sich einmal die Küche.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Die großen, länglichen Stufen aus Beton sind schon ein wenig ausgetreten. Anstatt eine gerade Fläche zu bilden, hat sich eine halbrunde Ausbuchtung hineingefressen. Dennoch erfüllen sie ihren Zweck. Geschwind gelangt man als Besucher in die Etage, die im Grundriss als Mezzanin, also Zwischengeschoss, gekennzeichnet ist. Der Aufstieg lohnt sich, denn hinter den Türen wartet nichts Geringeres als eine Zeitreise in eine längt vergangene Epoche.

Erbaut wurde das Kornhaus Ende des 15. Jahrhunderts zeitgleich mit der Albrechtsburg, prägend ist heute aber vor allem die Zeit um 1891, als es grundlegend umgestaltet wurde. Knarrende Holzfußböden, alte Öfen, Vorhangbogenfenster und massive Holztüren erinnern daran. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich sowohl zu DDR-Zeiten als auch danach nicht viel getan hat.

Auch heute hängen in einigen der Zimmer noch Reste von grünlich geblümter Tapete an der Wand und warten auf bessere Tage. Allerdings sind diese nicht in Sicht. Seitdem die Stadtentwicklungsgesellschaft Seeg das Kornhaus 2008 für eine halbe Million Euro an italienische Investoren verkauft hat, steht es leer.

Unterbrochen wird dieser Dornröschenschlaf nur von gelegentlichen Veranstaltungen wie dem Festival „Mit Zahnrad und Zylinder“ im Juli oder der „Langen Nacht der Kunst, Kultur und Architektur“ im August.

In beiden Fällen ist es Jeannette und Jens Mahlow sowie ihren Mitstreitern vom Verein „Mit Zahnrad und Zylinder“ zu verdanken, dass das Haus in Absprache mit den italienischen Besitzern öffnen darf, um darin beispielsweise Führungen anzubieten. Dass sie damit einen Nerv treffen, merken die Mahlows jedes Mal aufs Neue am großen Interesse der Besucher. Sobald die Möglichkeit besteht, strömen die Menschen herbei.

Um diese positive Entwicklung fortzusetzen, hat sich Jens Mahlow jetzt ein neues Projekt überlegt. „Ich möchte gern im Kornhaus eine Ausstellung über die Gründerzeit organisieren“, sagt er. Diese biete sich nicht nur an, weil in dieser Zeit das Kornhaus eine Renaissance erlebt hat, sondern auch, weil in Meißen so unglaublich viel passiert sei.

„Unter den Bürgermeistern Albin Max Ay und Karl Richard Hirschberg gab es damals ein großes Schulbauprogramm. Außerdem wurden der Bau der Elbbrücke und der Kanalisation angestoßen und Meißen erhielt einen Anschluss an das Eisenbahnnetz“, weiß Mahlow, der seinem Projekt den Arbeitstitel „Monarchie und Moderne. Die Gründerzeit in Meißen“ gegeben hat.

Neben großformatigen Fotografien möchte er auch bewegte Bilder zeigen. „Ich habe mir da schon einen Raum ausgeguckt, der für Videoprojektionen ideal geeignet ist“, sagt Mahlow, der auch Alltagsgegenstände wie Wäschemangeln, Waschbretter sowie Öl- und Gaslampen präsentieren will, die um die Jahrhundertwende noch gang und gäbe waren, weil die Elektrifizierung nur langsam voranschritt.

Damit alles Hand und Fuß hat, möchte er gern auch den Schlossleiter der Albrechtsburg Uwe Michel mit ins Boot holen. Bei einem Rundgang durchs Kornhaus am Montag sagte der: „Wenn wir das Konzept kennen, können wir die Ausstellung gern unterstützen. Es ist gut, wenn der Domplatz belebt wird“, sagt Michel.

Trotz dieser Aussichten könnte das Projekt aber noch scheitern. „Vorigen Donnerstag haben sich die Besitzer aus Italien gemeldet und bis auf weiteres alle Veranstaltungen untersagt.“ Es habe ihnen jemand gesagt, dass das Haus einsturzgefährdet sei, was aber nicht stimme, so Mahlow. Bei einem Treffen am Mittwoch soll nun besprochen werden, wie es weitergeht.

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