• Einstellungen
Donnerstag, 08.11.2018

Singen bringt Senioren in Schwung

Im Seniorenzentrum Pirna gibt es seit zehn Jahren einen Chor. Ohne den Enthusiasmus von Lehrerin Barbara Flade undenkbar.

Von Hannelore Angermann

Sorgen für gute Laune: Barbara Flade mit Gitarre (r.) und Helferin Renate Hartwig (l.) sowie ein Teil des Chores mit den Sängerinnen und Sängern (vorn v.l.) Simone Kellermann, Helmut Maier, Margot Stenzel, (hinten v.l.) Thomas Rachel, Brigitte Petzold, Anni Schramm und Christa Ulrich.
Sorgen für gute Laune: Barbara Flade mit Gitarre (r.) und Helferin Renate Hartwig (l.) sowie ein Teil des Chores mit den Sängerinnen und Sängern (vorn v.l.) Simone Kellermann, Helmut Maier, Margot Stenzel, (hinten v.l.) Thomas Rachel, Brigitte Petzold, Anni Schramm und Christa Ulrich.

© Hannelore Angermann

Pirna. Immer montags kommt Leben ins Seniorenzentrum Pirna auf der Einsteinstraße. Denn alle, die gut bei Stimme sind, streben im Rollstuhl oder mit Rollator in den dritten Stock. Dass dabei an den Fahrstühlen kein Chaos entsteht, dafür sorgen ehrenamtliche Helferinnnen umsichtig. Oben hat unterdessen Barbara Flade schon die Gitarre für ihre temperamentvolle Begleitung des Chores gestimmt. Diesmal sind es über 40, die mit der früheren Musiklehrerin singen wollen. Und dabei offensichtlich jede Menge Spaß haben.

„Das Singen macht einfach gute Laune, ja es befreit“, meint Thomas Rachel, der früher in Berggießhübel selbst Musik gemacht hat. Eine erstaunlich klare Stimme mit seinen 87 Lenzen hat noch Helmut Maier. „Mir wurde das Musizieren in die Wiege gelegt“, sagt er stolz. Er ist mal Dirigent in seiner früheren Heimat bei Karlsruhe gewesen. Nun lebt er in Pirna in der Nähe seiner Kinder. Das Repertoire der ehemaligen Gymnasial-Lehrerin Barbara Flade ist breit gefächert und populär. Für jeden ist etwas dabei. Sogar alte Schlager machen die Runde, etwa „Marina, dein Chic und dein Charme, der gefällt“. Wenn es volkstümlicher wird, sind unverwüstliche Gassenhauer an der Reihe. Etwa „Im Walde, da wachsen die Beer’n“ und „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n“.

Gisela Müller ist gerade 82 geworden, und nun bringt ihr der Chor das obligatorische Ständchen „Wir gratulieren Dir, Geburtstagskind“. Mit einem „Hoch soll sie leben“, lassen sich am Ende der befreienden Singestunde alle den spendierten Eierlikör im Schokowaffelbecher munden.

Barbara Flade bringt die Heimbewohner nicht nur stimmlich in Schwung. Auch körperlich, soweit es eben geht. „Wenn es passt, schunkeln wir auch. Viele Lieder sind wie geschaffen dafür“, weiß sie. Beim Schneewalzer zum Beispiel geht das wunderbar und auch beim Evergreen „Kornblumenblau ist der Himmel am herrlichen Rheine“. Es fasziniert, wie sich die betagten Sänger von den Melodien mitreißen lassen und alle Reserven mobilisieren, auch wenn Körper und Geist nicht mehr so mitspielen wie früher. Angefangen hat alles vor zehn Jahren. Barbara Flade hatte durch ihren Vater, der früher selbst Heimbewohner war, die Verbindung zum Haus. Sie stellte als passionierte Musiklehrerin fest, das ein Chor neuen Schwung in den oft eintönigen Alltag bringen könnte. Und so geschah es auch. Nach und nach kamen ehrenamtliche Helfer wie Renate Hartwig, Birgit Bandt oder das Ehepaar Hamann hinzu, die für die Organisation immens wichtig sind.

„Wir freuen uns, dass die betagten Menschen so gern bei uns mitsingen“, sagt Barbara Flade. „Wenn man spürt, wie sie hier aufblühen, dann ist das unser schönster Lohn.“

Desktopversion des Artikels