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Donnerstag, 14.06.2018

Sinfonien im Stahlbau

Das Freyler-Konzert findet diesen Juni zum letzten Mal statt. Die SZ zeigt Eindrücke aus 24 Jahren.

Von Stefan Lehmann

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Fast Aug in Aug mit dem Publikum: Die ersten Freyler-Konzerte fanden noch ohne Bühne statt, später half die städtische FVG in diesem Punkt mit. Das erste Konzert gab es im April 1995, da war die ehemalige Walzwerkhalle gerade erst von Freyler umgebaut worden.
Fast Aug in Aug mit dem Publikum: Die ersten Freyler-Konzerte fanden noch ohne Bühne statt, später half die städtische FVG in diesem Punkt mit. Das erste Konzert gab es im April 1995, da war die ehemalige Walzwerkhalle gerade erst von Freyler umgebaut worden.

© SZ-Archiv/Schröter

Werbung in XXL: Freyler-Chef Rainer Ohlrogge und Intendant Christoph Dittrich posierten 2005 am Riesen-Plakat vor der Halle.
Werbung in XXL: Freyler-Chef Rainer Ohlrogge und Intendant Christoph Dittrich posierten 2005 am Riesen-Plakat vor der Halle.

© SZ-Archiv/Schröter

Zu hören gab es nicht nur Klassik. Götz Bergmann und seine Gentlemen traten mehrfach zu Swing-Konzerten auf.
Zu hören gab es nicht nur Klassik. Götz Bergmann und seine Gentlemen traten mehrfach zu Swing-Konzerten auf.

© SZ-Archiv/Schröter

Die Konzerte lockten manche Berühmtheit nach Riesa. Theo Adam (l.) etwa, der in der DDR als der Bassbariton schlechthin galt.
Die Konzerte lockten manche Berühmtheit nach Riesa. Theo Adam (l.) etwa, der in der DDR als der Bassbariton schlechthin galt.

© Elbland-Philharmonie

Hammerschläge zu Wagners „Rheingold“: Die industrielle Umgebung wurde oft in die Konzerte einbezogen.
Hammerschläge zu Wagners „Rheingold“: Die industrielle Umgebung wurde oft in die Konzerte einbezogen.

© SZ-Archiv/Klaus-Dieter Brühl

Das Programm gestalteten die Musiker der Elbland-Philharmonie nicht im Alleingang. Zur Verabschiedung von Intendant Christoph Dittrich wurde 2013 Carmina Buarana „vertanzt“.
Das Programm gestalteten die Musiker der Elbland-Philharmonie nicht im Alleingang. Zur Verabschiedung von Intendant Christoph Dittrich wurde 2013 Carmina Buarana „vertanzt“.

© Elbland-Philharmonie

Riesa. Am Anfang gab es nicht einmal eine Bühne. Als die Elbland-Philharmonie ihr erstes Konzert in der Freyler-Halle in Gröba gab, musste das Orchester noch auf dem Boden spielen, sozusagen auf einer Ebene mit dem Publikum. 23 Jahre ist es mittlerweile her, dass in der Firmenhalle zum ersten Mal ein Konzert stattfand. Anlass war damals das „Konzert der Versöhnung“. Der Titel war doppeldeutig gemeint, so der Konzertplaner der Elbland-Philharmonie, Thomas Herm. „Versöhnung bezog sich zum einen auf den 50. Jahrestag des Weltkriegsendes, zum anderen auf die Versöhnung der Stadt mit ihrer umgestalteten Industrie.“

Danach bildeten die Freyler-Konzerte stets den Saison-Abschluss für das Orchester – und waren für Musiker und Publikum gleichermaßen etwas Besonderes. Schließlich wurde das Konzert meist ausschließlich für diesen Anlass geprobt. Festlich war das Konzert noch aus einem anderen Grund: „Im Vorfeld wurden oft Ehrentitel wie die Kammermusikerwürde an unsere Musiker verliehen“, so Thomas Herm. Kein Wunder also, dass jeder Musiker der Philharmonie von dem Konzert schwärmt.

Suche nach Alternativen läuft

Für die Konzertgäste wiederum bot sich auch eine Art Schlüsselloch-Effekt: Viele Riesaer hatten noch persönliche Verbindungen zu der ehemaligen Halle des Walzwerks. Auch die Neugier sorgte wohl mit dafür, dass nicht bloß das typische Konzertpublikum die Halle besuchte. Das zeigt sich auch an den guten Besucherzahlen: Laut Thomas Herm gehört das Freyler-Konzert zu den gefragtesten in Riesa. Wohl auch, weil das Konzert immer mehr war als der Auftritt des Orchesters. Da kam schon mal der Cadillac in die Halle gefahren, oder Tänzer und Cheerleader sorgten zur Musik für die passenden Choreografien. Kleine Anekdoten können die Beteiligten zuhauf erzählen. „Einmal war es so brütend heiß in der Halle, dass die Programmhefte besonders gefragt waren“, erinnert sich Thomas Herm. Die wurden nicht nur gelesen – sondern vom Publikum vor allem als Fächer verwendet.

Ein andermal konnte Tom Pauls alias Ilse Bähnert wegen des Hochwassers nicht wie geplant in Riesa auftreten. Kurzerhand wurde ein Einspieler produziert, der das Publikum trotzdem zum Toben brachte. Am 23. Juni findet das Freyler-Konzert zum letzten Mal unter diesem Namen statt, nachdem Freyler die Halle wohl verkaufen wird. „Es wäre wirklich bedauerlich, wenn es so etwas in Riesa nicht mehr geben würde“, sagt Thomas Herm. Bei der Elbland-Philharmonie hofft man nun, eine Alternative mit ähnlichem Flair zu finden. Industrie gäbe es ja genug in Riesa, vom Hafen bis zum Stahlwerk.