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Montag, 17.09.2018

Sind die Feuerwehren für die Zukunft gerüstet?

Sachsen will in den Brandschutz investieren. Martina Weber vom Landkreis Görlitz sagt, wo Geld am dringendsten gebraucht wird.

Von Mario Sefrin

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Damit die Feuerwehr auch künftig ihren Aufgaben nachkommen kann, wie hier bei einem Wohnhausbrand auf der Görlitzer Pontestraße soll es mehr Geld vom Land Sachsen geben. Das Geld wird auch im Landkreis Görlitz benötigt.
Damit die Feuerwehr auch künftig ihren Aufgaben nachkommen kann, wie hier bei einem Wohnhausbrand auf der Görlitzer Pontestraße soll es mehr Geld vom Land Sachsen geben. Das Geld wird auch im Landkreis Görlitz benötigt.

© Danilo Dittrich

Martina Weber ist 2. Beigeordnete und Sozialdezernentin des Landkreises Görlitz.
Martina Weber ist 2. Beigeordnete und Sozialdezernentin des Landkreises Görlitz.

© Landkreis

Görlitz. Das angekündigte Regierungsprogramm „Zukunftspaket Sachsen“ schließt auch die Freiwilligen Feuerwehren mit ein. In den kommenden fünf Jahren sollen unter anderem 215 Millionen Euro in den Brandschutz fließen. Was davon bei den Feuerwehren im Landkreis Görlitz ankommt und wie die Lage bei den Wehren vor Ort ist, erklärt die 2. Beigeordnete des Landkreises Görlitz, Martina Weber.

Frau Weber, wie sind die Feuerwehren im Landkreis Görlitz aufgestellt?

Im Landkreis Görlitz wird der flächendeckende Brandschutz überwiegend durch Freiwillige Feuerwehren sichergestellt. 164 Feuerwehren mit insgesamt 3 617 Einsatzkräften üben ihren Dienst im Landkreis Görlitz aus. Darunter sind 368 Frauen. 1346 Einsatzkräfte verfügen über die Atemschutztauglichkeit. Einzig die Stadt Görlitz unterhält neben der Freiwilligen Feuerwehr zudem eine Berufsfeuerwehr. In den Städten Zittau und Weißwasser gibt es hauptamtliche Kräfte in den Freiwilligen Feuerwehren. Die Sicherung der Tageseinsatzbereitschaft stellt die Gemeinden vor große Herausforderungen. Da diese im Rahmen ihrer kommunalen Selbstverwaltung laut Sächsischem Brand-, Rettungsdienst- und Katastrophenschutzgesetz die Aufgabenträger des Brandschutzes sind, sind die Herangehensweisen zur Lösung dieser Probleme auch unterschiedlich.

Wie könnten aus Ihrer Sicht Probleme gelöst werden?

Um die Tageseinsatzbereitschaft sicherzustellen, bedarf es großer Anstrengungen aller Beteiligten. Die Mitgliederwerbung ist ebenfalls ein Thema, welches ständig bearbeitet werden muss. Viele Feuerwehren sind in der Öffentlichkeitsarbeit bereits sehr aktiv. Neben den Feuerwehren selbst sind zudem die Bürgermeister und die Gemeinderäte an dieser Stelle gefordert. Auch über die Feuerwehrverbände wird aktiv Werbung für eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr betrieben. Jüngstes Beispiel ist der 6. Landesfeuerwehrtag, den der sächsische Landesfeuerwehrverband vor Kurzem in der Stadt Görlitz durchgeführt hat.

Wie ist es derzeit um den Feuerwehrnachwuchs im Landkreis bestellt?

Derzeit sind 1129 Jungen und Mädchen in 67 Jugendfeuerwehren im Landkreis Görlitz organisiert. Die Jugendfeuerwehren haben in den letzten Jahren eine positive Entwicklung genommen.

Das Land will mehr in Brandschutz und Feuerwehren investieren. Wie viel zusätzliches Geld steht den Feuerwehren im Kreis Görlitz damit in diesem Jahr und den Folgejahren zur Verfügung?

Für das ganze Jahr 2018 stehen dem Landkreis Görlitz zur Förderung im Brandschutz rund 1,974 Millionen Euro zur Verfügung. Ergänzt wird diese Summe durch rund 1,743 Millionen Euro sogenannter Verstärkungsmittel. Die sind im Jahr 2018 erstmals ausgereicht worden. Der Landkreis Görlitz geht davon aus, dass sich die Bereitstellung der Fördermittel auch in den kommenden vier Jahren auf diesem Niveau bewegt.

Wo wird das Geld am dringendsten gebraucht?

Der Bedarf an Fördermitteln verteilt sich über den ganzen Landkreis. Investiert wird unter anderem in neue Gerätehäuser und Fahrzeuge, aber auch in Einsatzbekleidung, Ausrüstung, Atemschutz- oder Alarmierungstechnik.

Das Investitionspaket sieht vor, den Kommunen jährlich 50 Euro Pauschale pro aktives Feuerwehrmitglied zu zahlen. Wie bewerten Sie das?

Das ist ein positiver Ansatz und zielt in die richtige Richtung. Der Zuschuss ist zweckgebunden für die Feuerwehren zu verwenden und kann die Motivation der ehrenamtlichen Mitglieder stärken, wenn er richtig eingesetzt wird.

Wie ist die Aufwandsentschädigung für Feuerwehrleute im Kreis geregelt?

Aufwandsentschädigungen regeln die Gemeinden im Rahmen ihrer kommunalen Selbstverwaltung über die Feuerwehrsatzungen.

Wie hat sich das Einsatzspektrum auf Kreisebene verändert? Hat sich die Zahl der Einsätze im Jahr bei den Feuerwehren im Landkreis verändert, gibt es neue Schwerpunkte?

Die Einsatzzahlen bewegen sich in den letzten Jahren zwischen 4 500 und 6 500 Einsätzen pro Jahr für den Landkreis. Die Schwankungen hängen überwiegend mit den technischen Hilfeleistungen zusammen. Hier spielen Wetterphänomene eine wesentliche Rolle. Sturmschäden, Starkregen oder Trockenperioden beeinflussen das Einsatzgeschehen der Feuerwehren.

Was wünschen Sie sich neben der besseren finanziellen Ausstattung der Feuerwehren noch von der Politik?

Die finanzielle Förderung sollte neben dem Brandschutz auch auf den Katastrophenschutz ausgeweitet werden.

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