• Einstellungen
Mittwoch, 14.02.2018

Signal an Russland

Die Nato will weiter aufrüsten und zwei neue Kommandozentren aufbauen. Auch für die Bundeswehr wird das Konsequenzen haben. Fragen und Antworten zum Status quo:

Von Ansgar Haase

23

Eine Soldatin mit einer Nato-Flagge während der Abschluss-Zeremonie der multinationalen Übung „Iron Sword 16“ am 2. Dezember 2016 bei Vilnius in Litauen (Symbolfoto).
Eine Soldatin mit einer Nato-Flagge während der Abschluss-Zeremonie der multinationalen Übung „Iron Sword 16“ am 2. Dezember 2016 bei Vilnius in Litauen (Symbolfoto).

© Olivier Hoslet/EPA/dpa

Brüssel. Im Zuge der Aufrüstung gegen Russland will die Nato zwei neue Kommandozentren aufbauen. An diesem Mittwoch wollen die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten in Brüssel die Planungen weiter vorantreiben. Wird Deutschland wie schon zuletzt beim Aufbau einer schnellen Eingreiftruppe eine Führungsrolle spielen? Fragen und Antworten im Überblick:

Warum braucht die Nato zwei neue Kommandos?

Das Bündnis ist zuletzt zu der Erkenntnis gekommen, dass die derzeitigen Strukturen veraltet sind und nicht mehr der aktuellen Sicherheitslage entsprechen. In einem als geheim eingestuften Nato-Bericht äußern Militärs zum Beispiel Zweifel daran, ob die Allianz derzeit angemessen und schnell genug auf einen russischen Überraschungsangriff reagieren könnte. Vor allem östliche Bündnispartner halten ein solches Szenario nach den Ereignissen in der Ukraine nicht für völlig ausgeschlossen. Dort unterstützt Russland seit 2014 pro-russische Separatisten und hat sich die Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibt.

War die Nato nicht in Zeiten des Kalten Krieges perfekt auf ein solches Szenario vorbereitet?

Damals war das der Fall. Nach dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre sind die Verteidigungsstrukturen allerdings enorm reduziert worden. Von den zeitweise mehreren Dutzend Nato-Hauptquartieren sind heute nur noch sieben übrig. Die Personalstärke sank von deutlich mehr als 20 000 Soldaten auf 6 800.

Worum sollen sich die neuen Hauptquartiere kümmern?

Nach Angaben von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg geht es unter anderem darum, schnellere Truppen- und Materialtransporte innerhalb Europas zu ermöglichen. Deswegen soll eines der neuen Hauptquartiere als Koordinations- und Planungsstelle fungieren. Das andere wird aufgebaut, um die Transportwege zwischen Nordamerika und Europa über den Atlantik besser zu sichern. Dabei geht es auch um den Schutz sensibler Infrastruktur. Im Atlantik liegen zum Beispiel Datenkabel, über die Internet- und Kommunikationsverbindungen laufen.

Welche Rolle spielt Deutschland?

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur haben sich die Bündnisstaaten grundsätzlich darauf verständigt, dass die Bundeswehr das neue Logistik-Hauptquartier aufbauen soll. Das zweite neue Hauptquartier wird aller Voraussicht nach in den USA eingerichtet. Standort für das sogenannte Einsatzunterstützungskommando in Deutschland könnte nach dpa-Informationen die Region Köln-Bonn werden. Dort haben schon heute die Streitkräftebasis und das Streitkräfteamt der Bundeswehr ihren Sitz. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht gefallen.

Was wird das neue Kommando in Deutschland kosten und wer bezahlt es?

Da das Hauptquartier nach aktuellen Planungen nicht in die von allen Mitgliedstaaten finanzierte Nato-Kommandostruktur integriert wird, werden die Kosten bei der Bundesrepublik und vermutlich beteiligten Partnernationen liegen. Dies hat allerdings auch Vorteile: Das Personal und die Fähigkeiten könnten so auch für nationale Übungen und Einsätze außerhalb des Bündnisses genutzt werden. Über den voraussichtlichen Finanzbedarf wird bislang geschwiegen.

Sind die Planungen unumstritten?

Nein. Die Linke forderte die Bundesregierung bereits in der vergangenen Woche auf, das Vorhaben nicht umzusetzen. Statt Entspannungspolitik mit Russland zu betreiben, setze sich Deutschland an die Spitze der Säbelrassler und Scharfmacher, kritisierte der Bundestagsabgeordnete Alexander Neu. Das geplante neue Hauptquartier sei „das absolut falsche Signal an die russische Seite“. (dpa)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 5

Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. f.weber

    wir wollen krieg - gegen den schrecklichen ivan. was für eine indoktrination der eliten. das keine volk will in frieden mit den nachbarländern leben. die nato hat 1990 seine daseinsberechtigung verloren. es ist ein kriegsbündnis.Koalitionsvertrag zeigt: GroKo beugt sich Rüstungsaufruf der NATO seite 8zweile 6866) und was steht im koalitionsvertrag-schwammig spd-cdu-csu- sind kriegspartein mit unterstützung des militärisch-industriellen komplexes. sh. eisenhower 1960.

  2. Steinhardt

    Hier soll wieder sehr viel Geld in den Sand gesetzt werden. Wer glaubt, Russland wird mit Panzern bis zum Ärmelkanal vorstoßen, spielt immer noch im Sandkasten. Sogar Militärschläge mit konventionellen Waffen gegen die Infrastruktur (Kraftwerke, Wasserversorgung) würden Europa sofort ins Chaos stürzen und handlungsunfähig machen. Ein NATO-Zentrum mehr oder weniger spielt da absolut keine Rolle. Im übrigen, ohne Strom auch kein Internet.

  3. Exil-Sachse

    Herr Putin hat uns 2001 in einer Rede im Bundestag seine Verbundenheit und Sympathie zu unserem Land dargelegt. Ein Zeichen unserer Größe wäre es uns bei den Russen für unsere Russlandpolitik seit dieser Zeit zu entschuldigen, die Handelsbeschränkungen aufzuheben und die Russen im Sommer zum gemeinsamen Wodkatrinken an die Ostsee einzuladen.

  4. nettosteuerzahler

    „Wenn du mal nicht weiter weist Grunde eine Arbeitskreis“ …. Das Vaterunser der Bürokraten! Und was machen die Militärbürokraten der NATO …. Richtig sie gründen neue „Hauptquartiere“! Ich bin sicher die Russen sind jetzt schon verzweifelt und frustriert …… weil sie das Elend in der gegnerischen Spielfeldhälfte mit ansehen müssen ohne humanitäre Hilfe leisteten zu können. Ach übrigens bei „uns“ spricht man von eine industrielle-militärisch Komplex weil die Industrie das Sagen hat. Die Russen haben aber einen militärisch-industriellen Komplex weil das Militär das Sagen hat! Als Bonus haben „wir“ dann noch besagte Militär- Bürokraten und Politiker mit diversen „umfassenden“ Komplexen …….und die Russen haben Kaviar und Wodka …..na toll…

  5. Nato-Fan

    Sehr gut. Auf die Nato ist Verlass. Seit Putins Russland seine Nachbarstaaten als seine Einfluss-Sphäre betrachtet und dies auch mit kriegerischen Mitteln durchsetzt, ist nichts mehr wie vorher. Die Souveränität von Völkern darf nicht eingeschränkt werden, nur weil sie eine Grenze mit Russland haben. Dem Kriegstreiber Putin muss ein klarer Stopp gesetzt werden. Nur eine Politik der Stärke wird von Diktatoren verstanden. Diplomatie erreicht nur etwas, wenn Drohmittel vorhanden sind. Das wusste schon der alte Fritz. Und analog wurde auch die Sowjetunion 1.0 in die Knie gezwungen. Nicht durch das Märchen Entspannungspolitik, sondern durch das Totrüsten der SU durch Reagan. Der eiserne Vorhang fiel, als die SU bankrott war. Putin braucht auch diese Niederlage. Besser zweimal in einem kalten Krieg als zweimal wie Deutschland in einem heißen Krieg.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 5

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.