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Montag, 25.06.2018

Siegtor in der Nachspielzeit

Von Jens Jahn

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Die Freude steht den Spielern des SSV Neustadt ins Gesicht geschrieben (großes Bild). Mit dem Gewinn des Kreispokals vor knapp 400 Zuschauern im Waldstadion, krönte das Team eine starke Saison.Die Pirnaer mit Yanick Scholze (kleines Bild, in Weiß) mussten sich im Finale mit 1:2 geschlagen geben. Fotos: Steffen Unger/
Die Freude steht den Spielern des SSV Neustadt ins Gesicht geschrieben (großes Bild). Mit dem Gewinn des Kreispokals vor knapp 400 Zuschauern im Waldstadion, krönte das Team eine starke Saison. Die Pirnaer mit Yanick Scholze (kleines Bild, in Weiß) mussten sich im Finale mit 1:2 geschlagen geben. Fotos: Steffen Unger/

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

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Der SSV Neustadt hat sich mit einem Last-Minute-Tor den Fußball-Kreispokal der Saison 2017/18 geholt. In der Nachspielzeit köpfte Kapitän Marcel Frenzel aus Nahdistanz zum 2:1 (1:1)-Endstand ein. Während beim Gegner 1. FC Pirna die Köpfe heruntergingen, kannte der Jubel bei den Neustädtern keine Grenzen.

„Wir haben in der zweiten Halbzeit besser gespielt, hatten mehr Struktur in unserem Spiel. Ich hatte zur Pause darauf hingewiesen, dass wir die Räume besser bespielen müssen. Das hat funktioniert“, freute sich SSV-Trainer Udo Schmuck. Für den 65-Jährigen war es quasi die Krönung einer langen Fußballkarriere. Vor zehn Jahren saß er auch beim BSV Sebnitz auf der Bank. An seiner ehemaligen Wirkungsstätte, dem Sebnitzer Waldstadion, gelang ihm nun mit dem Pokaltriumph ein erfolgreicher Abschluss seiner Fußballkarriere.

Auch zwei SSV-Spieler wurden mit dem Pokalsieg verabschiedet. Daniel Hille und Philip Henke kehren nach Sebnitz zurück. Der 34-jährige Hille war im Winter 2013 vom BSV nach Neustadt gewechselt und hatte in der zurückliegenden Saison oft die Position des Übungsleiters eingenommen. Schmuck musste nach einem Achillessehnenriss lange pausieren, Hille übernahm und ist damit ein Mitinitiator für dieses erfolgreiche Spieljahr mit Platz fünf in der Kreisoberliga und dem Gewinn des Kreispokals. „Es war eine tolle Zeit in Neustadt. Ein wirklich prima Kollektiv. Dieser Sieg ist nun der absolute Höhepunkt“, freute sich Hille und nahm einen tiefen Schluck aus dem mit Sekt gefüllten Pokalkelch.

Auch Philip Henke war 2013 vom BSV Sebnitz nach Neustadt gekommen. Der 24-Jährige kehrt ebenfalls zu seinem Heimatverein zurück. Auch beim 1. FC wurden Spieler verabschiedet. Maik Ritter wird in der kommenden Saison für Chemie Dohna auflaufen. Kapitän Daniel Rösner nimmt eine Auszeit, für ihn steht erst einmal die Familie im Vordergrund. Ronald Kretzschmar will seine Laufbahn beenden, das letzte Wort ist da aber noch nicht gesprochen.

Dagegen wird Pirnas Trainer Thomas Warschkow noch mindestens ein halbes Jahr dranhängen: „Ich wollte eigentlich im Sommer Schluss machen. Es ist doch auch aus beruflichen Gründen eine Belastung. Aber ich wurde zum Bleiben überredet.“ Der 51-Jährige bekam vor dem Spiel die DFB-Ehrenamtsuhr überreicht.

Während also die frischgebackenen Pokalsieger ihren Erfolg zelebrierten, schlichen die Spieler des 1. FC Pirna gesenkten Hauptes vom Platz. Trainer Thomas Warschkow war der Frust deutlich anzusehen: „Das war einfach zu wenig. Wir hatten ein paar gute Chancen, aber es hat nicht gereicht. Es wäre ein so guter Abschluss unter diese starke Rückrunde in der Kreisoberliga gewesen.“

Torhüter Effenberger steigert sich

Besonders Daniel Eichstädt hatte in der ersten Halbzeit eine Riesenchance auf dem Fuß. Doch der Schützenkönig der achten Liga patzte. Bei weiteren gute Tormöglichkeiten von Daniel Matouschek oder Freistößen von Nick Siegemund zeigte sich Neustadt-Keeper Carsten Buhl bestens auf dem Posten. Auf der Gegenseite vertrat Sven Effenberger den angeschlagenen Ringo Herczeg im Kasten. Er musste in der 18. Minute einen straff geschossenen Freistoß von Rico Hartwig abklatschen lassen, Dirk Winter stand goldrichtig und traf zum 1:0.

Nur zwei Minuten später nutzte Eichstädt einen Fauxpas in der SSV-Abwehr zum Ausgleich. In der zweiten Halbzeit machte Effenberger mit einigen tollen Paraden seinen Fehler wieder wett. Gegen Marlon Bergmann reagierte der etatmäßige Schlussmann der zweiten Mannschaft mit Bravour. Gegen Frenzels Kopfball in der 91. Minute hatte er aber keine Chance.

„Das ist für uns ein Riesenerfolg. Ich denke, wir waren heute bissiger und erfolgshungriger“, freute sich Neustadts Winter. Der 34-jährige Familienvater wurde nach dem Spiel von seinen drei Kindern umringt. Trotz des ungemütlichen Wetters hatten sie mit ihrer Mutter am Spielfeldrand ausgehalten. Immerhin trotzten die 353 zahlenden Zuschauer den kalten Temperaturen und dem teils heftigen Landregen. Dass ausgerechnet die „Schafskälte“ zur Begleiterscheinung dieses Pokaltages wurde, war für die Organisatoren des Kreisverbandes und dem BSV Sebnitz ärgerlich, aber halt nicht zu ändern. So hatte neben dem obligatorischen Bier- und Grillstand auch die Café-Bar mit heißen Getränken und köstlichem Kuchen Hochkonjunktur.

Der BSV Sebnitz feierte am Wochenende seinen 50. Vereinsgeburtstag. Der Pokalfinaltag war der sportliche Höhepunkt der Feierlichkeiten, die vom 22. bis 24. Juni am und im 2003 eingeweihten Waldstadion über die Bühne gingen. Viele Mitglieder des vom Vereinsvorsitzenden Tino Kayser geführten BSV und etliche Unterstützer feierten zünftig. Abends fand dann noch im Festzelt das Public Viewing mit dem Spiel der Deutschen gegen Schweden statt. Mit dem gleichen Ergebnisausgang wie wenige Stunden zuvor im Kreispokalfinale.