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Donnerstag, 02.08.2018

Sieben Fragen vor Dynamos Start

Sieben Neuzugänge und schon wieder ein Engpass: Was sich ändert und wie die Chancen auf eine bessere Saison stehen.

Von Sven Geisler

Vollständig angetreten zum Mannschaftsfoto - aber ist Dynamo auch bereit für den Start in die neue Zweitliga-Saison?
Vollständig angetreten zum Mannschaftsfoto - aber ist Dynamo auch bereit für den Start in die neue Zweitliga-Saison?

© Robert Michael

Dynamo muss geduldig sein. Erst am Montagabend, zum Abschluss des ersten Spieltages, starten die Schwarz-Gelben im DDV-Stadion gegen den MSV Duisburg in die neue Saison. Mal wieder meinen Experten, es sei die stärkste 2. Fußball-Bundesliga, die es jemals gab, was noch zu beweisen wäre. Was sich aber bereits vor dem Auftakt sagen lässt: Sie ist so prominent besetzt wie selten. Mit dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln kommen zwei Traditionsvereine von oben, mit dem 1. FC Magdeburg ein alter Ost-Rivale von unten.

Spannend wird es also allemal, auch wenn bei Dynamo keiner eine solch nervenaufreibende Serie wie die vorige will. Welches Ziel setzen sich die Dresdner eigentlich – das ist eine der Fragen vor dem scharfen Start. Die Antworten der SZ:

Welche Lehren wurden aus der vorigen Saison gezogen?

Zum Schluss konnte sich keiner wirklich freuen, obwohl Dynamo trotz des 0:1 gegen Union Berlin dringeblieben ist. Die Enttäuschung, auch das letzte Heimspiel vor gut 30 000 Zuschauern verloren zu haben, saß nicht nur bei den Fans tief. „Ich habe die Pfiffe gar nicht mitbekommen, weil ich sofort in der Kabine verschwunden bin. Ich war stinksauer“, erinnert sich Uwe Neuhaus in der Sendung „1953 – Der Dresdner Fußball-Talk“. Der Trainer sagt: „Wir mussten überlegen, was wir besser machen können, und haben uns für verschiedene Dinge entschieden. Ob es die richtigen sind, werden wir sehen.“

Dynamo hat erfahrenere Spieler verpflichtet und im Trainerstab die Stellen besetzt, die Sportgeschäftsführer Ralf Minge bereits 2014 geschaffen hatte: Der Schweizer Philippe Hasler arbeitet als Fitnesscoach, Sportpsychologe Sascha Lense ist zurückgekehrt. Zudem hat Neuhaus in der Sommerpause ein weiteres taktisches System einstudieren lassen. Die Dreierkette, die bei gegnerischem Ballbesitz zur Fünferkette wird, soll defensiv für Stabilität sorgen. „Wir haben mehr als 50 Tore kassiert. Das ist deutlich zu viel“, erklärt Neuhaus.

Mit welchem Ziel geht Dynamo in die neue Spielzeit?

Dynamo sollte um Platz drei mitspielen können und wollen. Das sagt der Fernsehreporter Heiko Mallwitz beim Talk – und Neuhaus bedankt sich ironisch: „Das wird mir noch helfen in den nächsten Wochen.“ Zum Trainingsstart hatte der Chefcoach jedoch selbst angekündigt, ein ambitioniertes Ziel auszugeben, verkünden möchte er es aber erst nach dem Gespräch mit der Mannschaft. „Es ist nicht so, dass ich als Trainer Diktator bin oder Alleinherrscher. Du musst die Jungs schon einbeziehen.“

Neuzugang Patrick Ebert prescht trotzdem schon mal vor, erklärt Dynamo zum Geheimfavoriten für den Aufstieg. Als Neuhaus fertig ist, seine Kandidaten aufzuzählen, meint er: „Es sind so viele gute Mannschaften dabei, da musst du schon gucken, dass du unter die ersten zehn kommst.“ Das könnte ein realistisches Ziel sein.

Wie gut ist die Mannschaft vor dem Saisonstart drauf?

Das ist schwierig einzuschätzen. Die Testspiele liefen besser als im vorigen Sommer, stabil war die Mannschaft jedoch nicht. Nicht erst bei den Niederlagen gegen Kaiserslautern und den englischen Zweitligisten Aston Villa wurde eine alte Schwäche offenkundig: die Chancenverwertung. Am neuen System, meint Neuhaus, liege das nicht. „Wir haben nach wie vor drei Stürmer, also müssen wir mehr Torgefahr entwickeln.“ Der Kader sei in der Offensive sehr gut besetzt. „Wenn einmal der Knoten platzt, bin ich optimistisch.“ Allerdings: Dynamo hat keinen torgefährlichen Spieler verpflichtet, obwohl die Abschlussschwäche der offensiven Mittelfeldspieler in der Vorsaison ein Problem war.

Was ist von den sieben Neuzugängen zu erwarten?

Mit ihrer Erfahrung sollten Patrick Ebert (31), Brian Hamalainen (29), Dario Dumic (26) das Team nicht nur fußballerisch verstärken, sondern auch für eine klare Hierarchie um Kapitän Marco Hartmann sorgen. Ebenfalls ein sehr interessanter Neuzugang ist der schwedische Nationalspieler Linus Wahlqvist (21). Baris Atik (23) muss nach mehreren Leihen beweisen, dass er sein Talent auf den Platz bringt, während die zweite Liga für Jannis Nikolaou (25) eine neue Herausforderung wird.

Das gilt auch für Tim Boss (25). Allerdings musste der Torwart, der von Fortuna Köln kam, den Konkurrenzkampf mit Markus Schubert zunächst wegen einer Muskelverletzung im Oberschenkel aufgeben.

Muss der Verein personell noch nachrüsten?

Neuhaus schließt das nicht aus, zumal in der Innenverteidigung schon wieder ein Engpass entstanden ist. Sören Gonther braucht nach dem zweiten Kreuzbandriss länger fürs Comeback, Florian Ballas musste sich an der Schulter operieren lassen. „Das sind zwei herbe Ausfälle. Wenn da noch etwas passiert, müssen wir reagieren“, sagt der Trainer. Von einem Stürmer redet er zwar nicht, aber wenn der Knoten doch nicht platzen sollte, könnte bis 31. August einer verpflichtet werden. Alex Meier (35) hält sich nach dem Ende seines Vertrags bei Eintracht Frankfurt beim österreichischen Erstligisten Admira Wacker Mödling fit. Verrückte Idee? Vermutlich.

Wer steht am Montagabend gegen Duisburg in der Startelf?

Das hängt auch vom System ab. Wenn Neuhaus mit Dreierkette beginnt, dürfte sie genauso aussehen wie gegen Aston Villa. Zwei Fragen sind offen: Hamalainen oder Philip Heise links defensiv, Lucas Röser oder Pascal Testroet im Sturmzentrum? Im bisher favorisierten 4:1:4:1 könnten dieselben Spieler auflaufen, einige würden andere Positionen einnehmen, beispielsweise Hartmann ins defensive und Ebert ins offensive Mittelfeld rücken.

Wird Trainer Uwe Neuhaus von Anfang an auf das neue System setzen?

Das ist wahrscheinlich, weil es in der Vorbereitung am meisten probiert wurde. Allerdings sollte es für die Mannschaft kein Problem sein, die andere taktische Variante abzurufen. „Wir können auch während des Spieles wechseln“, meint Neuhaus. Er verweist darauf, dass ein Spieler, der in der Dreierkette zur Absicherung zusätzlich hinten bleibt, im Mittelfeld fehlt. „Das müssen wir durch viel Laufarbeit, Verschieben und gute Organisation wettmachen.“

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