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Mittwoch, 07.11.2018

Sicherheitstechnik schreckt Diebe ab

Tipps geben die Polizei und Fachleute. Einen hundertprozentigen Schutz vor einem Wohnungseinbruch gibt es nicht.

Von Verena toth und Sylvia Jentzsch

Netzwerk „Zuhause sicher“

Vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr, Opfer von Einbrechern zu werden. Davor können sich Mieter und Hauseigentümer laut Fachleuten und der Polizei schützen.
Vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr, Opfer von Einbrechern zu werden. Davor können sich Mieter und Hauseigentümer laut Fachleuten und der Polizei schützen.

© dpa

Döbeln. Es ist ein Albtraum, der tagtäglich passiert: Unbekannte haben sich Zutritt in die Wohnung oder das Haus verschafft, ein Fenster ausgehebelt oder die Tür aufgebrochen. Die Wohnung ist verwüstet, Schränke ausgeräumt, Schmuck, Bargeld und persönliche Wertgegenstände sind verschwunden. Dabei machen den Betroffenen die Verletzung der Privatsphäre und das verloren gegangene Sicherheitsgefühl häufig mehr zu schaffen als der rein materielle Schaden. Vor allem jetzt in der dunklen Jahreszeit steigt die Gefahr, Opfer von Einbrechern zu werden.

„Meist kommen die Leute immer erst zu mir, wenn schon was passiert ist“, sagte der Waldheimer Schlossermeister Reinhard Otto. Seit 40 Jahren ist der Experte in Sachen Sicherheitstechnik und Schlüsseldienst in der Region im Einsatz.

Schon mit einfachen Dingen, die nicht viel kosten, könnten etwa Fenster besser geschützt werden, sagt der Döbelner Markus Piechaczek. Er führt seit fast 28 Jahren den gleichnamigen Schlüsseldienst in Döbeln und berät Kunden, wie sie ihr Zuhause schützen können. „Mit abschließbaren Fenstergriffen zum Beispiel.“ Ebenfalls effektiv seien Fensterstangenschlösser. „Die sind in Döbeln am stärksten nachgefragt.“ Sie sorgen für die Verriegelung des geschlossenen Fensters nach oben und unten. Ankippen lassen diese sich trotzdem. Die Scharnierseite solle auch nicht außer Acht gelassen werden, so Piechaczek.

Beide Systeme können einfach auf die Fenster geschraubt werden. „Das sollte aber der Fachmann übernehmen, da es bestimmte Standards einzuhalten gibt. Wenn man da die falschen Schrauben oder den falschen Dübel nimmt, kann es sein, dass die Sicherheit nicht voll gewährleistet ist“, sagte er.

Vernünftige Schlösser helfen

Kein Wohnungsmieter oder Hausbesitzer sollte gänzlich ausschließen, dass er Opfer eines Einbruches werden kann. Selbst wenn man im Mehrfamilienhaus im vierten Stock unter dem Dach wohnt, ist das Risiko nicht geringer. „Im Gegenteil, überall dort, wo sich der Täter über eine längere Zeit möglichst unbemerkt an Fenster oder Türen zu schaffen machen kann, sollten Vorkehrungen getroffen werden. Das beginne schon mit vernünftigen Schlössern, bei denen sich es lohnt, den einen oder anderen Euro mehr auszugeben. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Man könne maximal eine zeitliche Verzögerung erreichen“, bestätigte Markus Piechaczek. Mit entsprechender Technik könne man es dem Einbrecher so schwer wie möglich machen. „Grundsätzlich gibt es aber keine allgemeingültige Grundausstattung für den besten Einbruchsschutz. Denn es kommt ganz individuell auf die örtlichen Gegebenheiten der Wohnung und des Hauses, aber auch auf das persönliche Sicherheitsbedürfnis an“, so der Fachmann.

Netzwerk „Zuhause sicher“

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Das Netzwerk „Zuhause sicher“ ist ein gemeinnütziger Verein, der Eigentümern und Mietern Einbruchschutz-Informationen bietet. Zweck des Vereins ist die Unterstützung von Polizei und Feuerwehr bei der Einbruchprävention und Brandvorbeugung.

Auf Initiative von Polizeibehörden ins Leben gerufen, setzt sich „Zuhause sicher“ seit 2005 bundesweit für die Sicherheit in Häusern und Wohnungen ein. In über 500 Partnerschaften nutzen öffentliche Institutionen und privatwirtschaftliche Unternehmen das „Zuhause sicher“-Konzept im Arbeitsalltag, zum interdisziplinären Fachaustausch sowie zur lokalen und überregionalen Zusammenarbeit.

Das Netzwerk vereint Partner aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereiche, wie Polizeibehörden, Handwerksbetriebe, Handwerksorganisation, Architekturbüros sowie Unternehmen aus Industrie, Versicherungswirtschaft, und Finanzwesen.

www.zuhause-sicher.de

Was nötig und möglich ist, um das eigene Heim bestmöglich zu schützen, sollten am besten die Fachleute der Polizei einschätzen und raten. „Eine Fachfirma wie meine ist als erster Berater nicht geeignet. Wir werden erst im letzten Schritt aktiv, wenn die richtigen Maßnahmen umgesetzt werden sollen“, sagt Otto.

Dass man sich vor Einbruch wirkungsvoll schützen kann, zeigt die Erfahrung der Polizei: Über ein Drittel der Einbrüche bleibt im Versuch stecken, weil Sicherungstechnik eingesetzt wurde. Fachgerecht gesicherte Grundstücke, Gebäude, Türen und Fenster sind Grundlage für einen soliden Einbruchschutz.

Anzahl der Einbrüche geht zurück

Die Pressestelle der Polizeidirektion Chemnitz verweist auf die Kriminalstatistik für das Jahr 2017. Laut dieser ist die Zahl der Wohnungseinbrüche im Landkreis Mittelsachsen um 53,4 Prozent gesunken. Das sind 151 Fälle weniger als 2016. Die Aufklärungsquote aller rund 7700 Strafdelikte liegt bei 65,1 Prozent. „Im Zusammenhang mit Einbrüchen ist unser Fachberater-Team der polizeilichen Beratungsstelle an dem Wochenende vom 10. und 11. November auf der Chemnitzer Einbruchschutzmesse vertreten“, sagte Doreen Göhler, Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit. Ratsuchende würden zum Einbruchschutz in Haus und Gewerbe informiert. Außerdem können sich Wohnungs- und Hausbesitzer an die polizeiliche Beratungsstelle unter www.polizei.sachsen.de/de/beratungsstellen_pdc.htm wenden. „Die Kollegen bieten zum Beispiel eine kostenfreie Vor-Ort-Beratung an mit Tipps zum Thema Einbruchsschutz“, so Doreen Göhler. Sollte es doch zu einem Einbruch kommen, sei die Polizei unverzüglich zu informieren. „Die Wohnung beziehungsweise der Tatort sollte zum einen aus Sicherheitsgründen, falls der Täter noch vor Ort ist, und zum anderen zum Zwecke der späteren Spurensicherung nicht betreten werden“, so die Sachbearbeiterin Öffentlichkeitsarbeit. Sie rät, keine Gegenstände anzufassen und zu verändern. Für eine spätere Fahndungsausschreibung der entwendeten Gegenstände sei es ratsam, wenn von Wertgegenständen im Vorfeld die Individualnummern notiert wurde, sagte Doreen Göhler.

Förderung für ein sicheres Heim

Über das Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen Investitionszuschuss)“ der KfW-Bankengruppe können Mieter und Hausbesitzer für Einzelmaßnahmen zum Schutz gegen Wohnungseinbruch Zuschüsse beantragen. Bis zu 1 600 Euro Fördermittel für Maßnahmen in Bestandsgebäuden sind dabei möglich. Dafür muss zuerst der Antrag im KfW-Zuschussportal gestellt werden , bevor mit dem Vorhaben begonnen wird. Das ist online auf der Homepage der KfW-Bank möglich. In der Regel erfährt der Antragsteller auch sofort die Zuschusshöhe.

Eine Förderung beantragen können Eigentümer von selbst genutzten oder vermieteten Ein- und Zweifamilienhäusern mit maximal zwei Wohneinheiten, Ersterwerber von neu sanierten Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Eigentumswohnungen, Eigentümer von selbst genutzten oder vermieteten Eigentumswohnungen in Wohnungseigentümergemeinschaften und Mieter. Den Zuschuss gibt es für den Einbau von einbruchhemmenden Haus- und Wohnungseingangstüren und Fenstern, beziehungsweise für den Einbau von Nachrüstsystemen, für den Einbau einbruchhemmender Gitter und Rollläden, für die Installation von Einbruch- und Überfallmeldeanlagen sowie für weitere Maßnahmen wie Türspione, (Video-)Gegensprechanlagen. Der Einbau und der Austausch einbruchhemmender Fenster, Balkon- und Terrassentüren wird im Programm „Energieeffizient Sanieren – Kredit/Zuschuss)“ gefördert. Die Maßnahmen zum Einbruchschutz müssen durch Fachunternehmen ausgeführt werden. Dieses Förderprogramm gilt jedoch nicht für Ferienhäuser und -wohnungen oder gewerblich genutzte Flächen und Gebäude. (DA/vt)

Informationen zu den verschiedenen Fördermöglichkeiten gibt es unter www.kfw.de.

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