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Samstag, 11.08.2018

Senioren radeln für krebskranke Kinder

Sonst vergnügen sich die älteren Herrschaften aus Horka beim Tanzen. Im Nieskyer Fitnessclub nehmen sie jetzt an der „Tour der Hoffnung“ teil.

Von Frank-Uwe Michel

Monika Koch und Ingrid Werner (von links) überreichen Fitnessclub-Chef Andreas Wende eine zusätzliche Spende von 85Euro. Außerdem wird natürlich fleißig geradelt.
Monika Koch und Ingrid Werner (von links) überreichen Fitnessclub-Chef Andreas Wende eine zusätzliche Spende von 85 Euro. Außerdem wird natürlich fleißig geradelt.

© André Schulze

Niesky. Trotz des ernsten Themas kommt Freude auf bei den zwölf Tanzmäusen, die sich auf den Ergometern des Fitnessclubs Niesky abstrampeln an diesem Nachmittag. Eine Stunde haben sie sich zum Ziel gesetzt, obwohl die Temperaturen in den heiligen Hallen der Körperertüchtigung gefühlt fast genauso tropisch sind wie draußen. „Deshalb sind wir auch nur mit einer kleinen Abordnung hier. Den meisten war es zu warm. Immerhin sind wir sonst 45“, erzählt Monika Koch, die Chefin der Seniorentanzgruppe aus Horka, die selbst mit gutem Beispiel vorangeht und kräftig in die Pedalen tritt.

Die Truppe macht das erste Mal mit bei der „Tour der Hoffnung“, deren Erlös krebskranken Kindern zugute kommt. Für jeden geradelten Kilometer gibt es einen Cent. „Weil wir aber nur zu einem Teil hier sind und bei der Hitze auch nicht so schnell treten können, haben wir 85 Euro mitgebracht, die wir zusätzlich spenden“, berichtet Ingrid Werner stolz. Sie hatte von der Aktion erfahren und sich bei ihren Vereinsmitgliedern für die Teilnahme stark gemacht. Sicher, man hätte auch ins Nieskyer Waldbad gehen und sich dort abkühlen können, flachst die agile Rentnerin. „Aber wir radeln hier, bis wir runterfallen.“ Damit hat sie die Lacher in der Gruppe auf ihrer Seite.

Fitnesstrainer Jürgen Schönrich achtet darauf, dass sich keiner übernimmt. „Wir machen das hier in Intervallen. Mal schnell, mal langsamer. Immer gibt‘s die passende Musik dazu.“ Normalerweise gehöre die Radeleinheit zum Herz-Kreislauf-Training. Für den guten Zweck und natürlich die eigene Gesundheit könne sie nicht schaden. Ab und zu zieht ein Luftzug durch den Fitnessclub, die 28 Grad auf dem Thermometer macht er indes kaum erträglicher. Immerhin sind es acht Grad weniger, als die Quecksilbersäule im Schatten der Bäume außerhalb des Studios anzeigt, ganz zu schweigen von der Wärme in gleißender Sonne, die noch viel unerträglicher ist. Entsprechend stolz ist der Trainer auf die Horkaer Damen. „Sonst geht es sicher auch mal härter zur Sache. Aber sie sind gut drauf. Wir hatten in den vergangenen Tagen schon Gruppen, die sich wegen der Hitze abgemeldet haben“.

Club-Chef Andreas Wende gefällt das Engagement der Horkaer Seniorentanzgruppe natürlich ebenso. Denn im Moment sei es schwierig. Die Mitglieder, die sonst 80 Prozent des jährlichen Kilometeraufkommens radeln, bleiben bei der Hitze – verständlicherweise – häufiger fern. „Deshalb sind wir froh, dass sich immer wieder Gruppen finden, die sich für den guten Zweck abstrampeln wollen – in diesem Jahr sogar so viele wie noch nie.“

Seit vier Jahren sei die Spendensumme, die gemeinsam mit dem Görlitzer Fitnessclub Bodyfit erzielt wird, stetig nach oben gegangen, sagt Wende stolz. 2017 betrug die gespendete Summe beider Clubs satte 2789,50 Euro. Wenn die Serie hält, müssten 2018 bis zum Abschluss der „Tour der Hoffnung“ Ende August noch ein paar Euro oben drauf gepackt werden. Vielleicht lässt sich sogar an der 3000er Marke kratzen.

Dazu müssen sich in den nächsten drei Wochen jedoch noch etliche Mitstreiter finden. Immerhin lag der Gesamtkilometerstand am 9. August erst bei 10 329,9. Zum Vergleich: 2017 waren Nieskyer und Görlitzer im Rahmen der Aktion insgesamt 72407,8 Kilometer unterwegs.

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