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Samstag, 14.07.2018

Sein schwerster Rückschlag

Jonas Folger hat 2017 auf dem Sachsenring seine sportliche Sternstunde erlebt. Diesmal fehlt er allerdings beim Grand Prix.

Von Sebastian Siebertz

Jonas Folger feiert voriges Jahr Platz zwei am Sachsenring.
Jonas Folger feiert voriges Jahr Platz zwei am Sachsenring.

© Thomas Kretschel

Jonas Folger rast wieder über Grand-Prix--Kurse. „Ich war auf einer längeren Reise in Europa. In Aragon und Brünn habe ich Testfahrten absolviert“, berichtet der Bayer von den Runden, die er für den schwäbischen Motorradentwickler Kalex drehte. 2017 feierte der 24-Jährige am Sachsenring als Zweiter in der Königsklasse den größten Erfolg seiner Karriere. Kurze Zeit später erlebte er den schwersten Rückschlag seines Sportlerlebens. Folger fühlte sich schlapp, musste aussetzen. Im Herbst wurde das Gilbert-Syndrom diagnostiziert. Eine Stoffwechselerkrankung, aufgrund derer er die vergangene Saison abbrechen musste und 2018 nicht starten kann.

Wie glücklich Folger ist, jetzt wieder auf einem Motorrad zu sitzen, teilte er über die sozialen Netzwerke seinen Fans mit. Ihre Hoffnungen, dass Folger schon bald wieder Rennen fährt, bremst er jedoch. „Ich bin erst zweimal gefahren und brauche noch mehr Runden. Im Moment kann ich nicht sagen, ob ich noch einmal Rennen bestreite oder nicht“, erklärt Folger nun ausführlich, nachdem er sich lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. „Wenn ich mich fit genug fühle, um wieder mehrere WM-Jahre am Stück zu fahren, gebe ich mein Comeback“, sagt Folger und fügt an: „Ich weiß genau, dass ich wieder Motorrad fahre – entweder in Rennen oder bei Tests.“

Welche Variante ihm lieber wäre, lässt sich leicht daran ablesen, wenn er über den Sachsenring-Grand-Prix 2017 spricht: „Das Rennen war unglaublich!“ Mit dem späteren Sieger Marc Marquez, der seinen achten Erfolg auf der Traditionsstrecke bei Hohenstein-Ernstthal holte, lieferte Folger sich ein Duell an der Spitze. „Das Wichtigste auf dem Sachsenring ist, dass du ein gutes Gefühl für den Vorderreifen hast“, verrät Folger sein Erfolgsrezept von 2017. „Eigentlich war es ein stressiges Wochenende, weil ich beim Heim-Grand-Prix viele Termine hatte. Vielleicht war aber genau das der Schlüssel: Ich hatte keine Zeit, um mir viele Gedanken zu machen. Ich bin einfach völlig befreit Motorrad gefahren.“

Vor allem die Duelle mit den Weltmeistern machten den deutschen WM-Lauf zum Rennen seines Lebens. „Ich war vorher noch nie in meiner Karriere in der Position, Marc, Dani Pedrosa oder Jorge Lorenzo zu überholen. Das war ein unwirkliches Gefühl, aber ein schönes“, erinnert er sich. Dass Folger am Ende das Duell mit Marquez verlor, stört ihn nicht. „Ich war so glücklich, erstmals in der MotoGP auf dem Podium zu stehen – und dann auch noch im Heimrennen auf dem Sachsenring, auf dem ich mich viele Jahre schwergetan habe. Es hat sich wie ein Sieg angefühlt.“ (FP)

Eurosport überträgt live. Sa., Qualifikation, 12,35 Uhr; Sonntag, Rennen, 11 Uhr (MotoGP: 14 Uhr).

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