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Freitag, 15.06.2018

Schwurgericht reduziert Freiheitsstrafe für Zittauer Altenpflegerin

Im neu aufgerollten Fall des versuchten Mordes an einer Seniorin wurde die Täterin zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Von Jens-Rüdiger Schubert

Das Gerichtsgebäude in Bautzen
Das Gerichtsgebäude in Bautzen

© Uwe Soeder

Eine Freiheitsstrafe von 72 Monaten wegen schweren Raubs mit gefährlicher Körperverletzung: So lautete gestern das Urteil der Schwurgerichtskammer in Bautzen im Fall der Zittauer Altenpflegerin, die im Oktober 2016 bei einem Raub in Görlitz eine 85-Jährige beinahe erdrosselt hätte. Damit reduzierte sich die ursprünglich im März vergangenen Jahres ausgesprochene Strafe durch das Landgericht Görlitz um zwei Jahre. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil aufgehoben, da ein falscher Bewertungsmaßstab angelegt wurde.

Jetzt musste sich die Bautzner Kammer unter anderem mit der Frage auseinandersetzen, ob es sich bei dem versuchten Mord um einen beendeten oder unbeendeten Versuch handelte. Diese Wertung ist entscheidend für das mögliche Strafmaß. Außerdem gab der Bundesgerichtshof noch den rechtlichen Hinweis, dass auch ein versuchter Raub mit Todesfolge in Betracht kommen kann.

Das Görlitzer Landgericht sah es damals als erwiesen an, dass die 34-jährige Angeklagte am 19. Oktober 2016 eine damals 85-jährige Seniorin in der Görlitzer Julius-Motteler-Straße mit einer Textilschnur drosselte, um an ihr Geld zu kommen. Um in die Wohnung zu kommen, täuschte sie der alten Dame vor, eine Mitarbeiterin des ASB zu sein. Die dafür notwendige Kleidung hatte sie noch aus der Ausbildung, welche sie nicht zurückgegeben hatte, obwohl sie aus privaten Gründen einen Arbeitsvertrag abgelehnt hatte. Um die Tat zu verschleiern, entschloss sie sich, einen Brand zu legen, löschte ihn aber wieder, weil sie nicht wollte, dass das ganze Haus in Flammen aufgeht.

Die Gründe, die die junge Frau zu dieser Tat drängten, sind vielfältig und ihren Lebensumständen geschuldet. Die bei Adoptiveltern aufgewachsene Zittauerin hatte bereits mehrere gescheiterte Beziehungen hinter sich. Nachdem eine Beziehung zu einem beim ASB arbeitenden Görlitzer in die Brüche gegangen war, lernte sie einen Zeitsoldaten aus der Nähe von Zittau kennen. Sie spielte ihm vor, beim ASB zu arbeiten. Um ihr Lügengebäude weiter aufrecht zu erhalten und über finanzielle Mittel zu verfügen, hob sie 2016 vom Sparbuch der pflegebedürftigen Mutter ihres Freundes insgesamt 1 600 Euro ab. Nachdem die Sache aufflog, entschuldigte sie sich und versprach das Geld in Raten zurückzuzahlen. Da ihr dazu jedoch die Mittel fehlten, traf sie sich mit ihrem Görlitzer Exfreund, wobei sie diesem die Kontokarte stahl und mit dieser 930 Euro abhob. Damit wollte sie einen Teil der gestohlenen 1 600 Euro abzahlen. Nachdem der Zeitsoldat September 2016 eine KFZ-Reparatur nicht bezahlen konnte, stellte er fest, dass irgendetwas nicht stimmte. Am 13. Oktober 2016 sagte sie ihrem Freund, dass sie einen Bausparvertrag auflösen würde. Aber den gab es nicht. So kam es, dass sie am 18. Oktober wieder in Arbeitskleidung nach Görlitz fuhr, um der Seniorin ihr Geld zu stehlen. Mit den bekannten Folgen. Am 26. Oktober wurde die junge Frau verhaftet und am 20. März 2017 vom Landgericht Görlitz zu acht Jahren Haft verurteilt.

Die Umstände und Abläufe sind soweit festgestellt worden. Bei dem Bautzner Verfahren musste nun jedoch geklärt werden, ob die ehemalige Altenpflegerin vom versuchten Mord zurückgetreten ist, als sie den Brand wieder löschte, den Puls ihres 85-jährigen Opfers überprüfte, dabei Lebenszeichen feststellte und von einem weiteren Mordversuch Abstand nahm. Aus diesem Grund rückte die Schwurgerichtskammer vom Vorwurf des versuchten Mordes ab und verurteilte die Zittauerin zu einer Freiheitsstrafe von 72 Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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