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Donnerstag, 13.09.2018

Schwieriger Prozess gegen Autodiebe

Ein Angeklagter schweigt, der andere bestreitet die Tatvorwürfe. Reichen Zeugenaussagen und Indizien für eine Verurteilung?

Von Jana Ulbrich

Der Hauptangeklagte Mariusz J. wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.
Der Hauptangeklagte Mariusz J. wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt.

© Lausitznews

Bautzen. Es wird wohl ein langer und mühsamer Prozess werden gegen Mariusz J. und Edward F. aus dem polnischen Piensk. Ellenlang ist allein schon die Anklageschrift, die Staatsanwalt Christopher Gerhardi am ersten Prozesstag vor dem Bautzener Landgericht vorträgt: 24 einzelne Fälle hat er aufgelistet – Autodiebstähle und Autoaufbrüche in Dresden und der gesamten Oberlausitz. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Mariusz J. sie maßgeblich begangen hat. Edward F. soll in drei Fällen einer der Komplizen gewesen sein.

Die Bande hatte sich vor allem auf Pkw der Marke Mazda spezialisiert. Die Täter sollen arbeitsteilig vorgegangen sein, hätten die Fahrzeuge gezielt ausgespäht, um sie später mit einem Nachschlüssel zu knacken und nach Polen zu bringen, so der Staatsanwalt. Die Diebstähle, unter anderem in Kamenz, Hoyerswerda, Bautzen, Löbau und Görlitz, wurden zwischen Februar und Juni 2014 begangen, zum Teil sogar am helllichten Tag und meistens auch gleich mehrere in einem Diebeszug. Die Täter sollen immer mindestens zu dritt gewesen sein. Die weiteren Komplizen konnten aber nicht ermittelt werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten schweren Bandendiebstahl vor. Aber die Beweislage ist schwierig. Der 41-jährige Hauptangeklagte J. schweigt, der 50-jährige Mittäter F. bestreitet, an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Die Anklage muss sich deshalb auf Zeugenaussagen und Indizien stützen.

Es gibt DNA-Spuren

Im Fall von Edward F. ist das einzige Beweismittel ein Blitzerfoto: In der Nacht vom 24. zum 25. Februar waren F. und J. in einem Renault mit Görlitzer Kennzeichen geblitzt worden, wenige Stunden zuvor war der Renault im Zusammenhang mit Mazda-Diebstählen in Kamenz und Hoyerswerda aufgefallen. F. bestreitet jedoch vehement, der Mann auf dem Foto zu sein. Wird eine anthropologische Gutachterin, die das Gericht angefordert hat, ihn eindeutig identifizieren können?

Im Fall des Hauptangeklagten wiegen die Beweise schwerer: Kriminaltechniker konnten ihm die Taten anhand von zahlreichen DNA-Spuren und Fingerabdrücken zuordnen. Das reicht aber noch nicht aus, um zweifelsfrei zu beweisen, dass J. auch derjenige ist, der die Fahrzeuge aufgebrochen und gestohlen hat, und nicht nur der Hehler oder Kurier.

Dabei war eine Polizeistreife den Mazda-Dieben schon einmal nahe auf den Fersen. Die Streife hatte sich eine nächtliche Verfolgungsjagd mit dem Fahrer eines Mazda 6 geliefert, der kurz zuvor in einem Kamenzer Autohaus gestohlen worden war. Die Streife fand den Wagen schließlich festgefahren auf einer Wiese bei Radibor. Vom Fahrer fehlte da schon jede Spur. Und auch im Falle eines versuchten Baggerdiebstahls in Rothenburg, bei dem Nachbarn aufmerksam wurden, war der mutmaßliche Täter Mariusz J. über alle Berge, ehe die Polizei eintreffen konnte.

Die Große Strafkammer des Landgerichts hat sich auf einen Mammutprozess eingerichtet, in dem zahlreiche Zeugen gehört werden müssen, Geschädigte, Polizisten, Kriminaltechniker, Gutachter. Fünf Verhandlungstage sind angesetzt. Ein Urteil wird voraussichtlich erst Ende des Monats fallen – wenn sich die Parteien nicht doch noch auf Wege verständigen, das Verfahren zu verkürzen. Ulf Israel, der Verteidiger des Hauptangeklagten, hat angekündigt, mit seinem Mandanten zu beraten. Mariusz J. ist bereits mehrfach vorbestraft, zweimal in Deutschland, 16-mal in Polen, auch wegen Diebstahls. Für das Verfahren in Bautzen ist er von Polen nach Deutschland überstellt worden. Auch, weil er noch eine Haftstrafe in Polen abzusitzen hatte, kann die schon vier Jahre zurückliegende Diebstahlserie in der Oberlausitz erst jetzt eine Aufarbeitung vor Gericht finden.

Fortsetzung der Hauptverhandlung am 18. September, 9 Uhr, Landgericht Bautzen, Lessingstraße 7, Saal 222.