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Dienstag, 12.06.2018

Schumanns Kräuterwelt

Die früheren Wirtsleute vom Dresdner Luisenhof sind in Pulsnitz angekommen und glücklich. Im Sommer wird wieder investiert.

Von Reiner Hanke

Armin Schumann und seine Frau Anja sind vom Dresdner Luisenhof nach Pulsnitz gekommen, um hier mit ihrem Restaurant „Schumann’s Genusswerkstatt“ neu zu starten. Sie sagen: „Wir sind hier gut angekommen.“
Armin Schumann und seine Frau Anja sind vom Dresdner Luisenhof nach Pulsnitz gekommen, um hier mit ihrem Restaurant „Schumann’s Genusswerkstatt“ neu zu starten. Sie sagen: „Wir sind hier gut angekommen.“

© Matthias Schumann

Pulsnitz. Armin Schumann hat den Gartenschlauch ausgerollt: „Wer ernten will, muss gießen“, sagt der Wirt von „Schumann’s Genusswerkstatt“ in Pulsnitz. Da gibt es jede Menge im Gemüse- und Kräutergarten am Restaurant. Genügend Wasser vorausgesetzt. Denn es ist ungewöhnlich warm für diesen Frühlingstag.

„Vom Luisenhof in die Kleinstadt“ schrieb die SZ im September 2016 kurz vor der Eröffnung des Restaurants. Damals wagte er mit seiner Frau Anja den Neustart in Pulsnitz und kaufte das Restaurant an der Großröhrsdorfer Straße. „Das war schon ein Risiko“, sagt er. „Als Neuer wirst du ja doch ein bisschen beäugt.“ Heute sind sich Schumanns sicher: „Wir sind wirklich gut in Pulsnitz angekommen und aufgenommen worden.“ Er sehe sich mit seinem Restaurant auch nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung des gastronomischen Angebots. Die Gäste kommen vor allem aus Pulsnitz und Umgebung. Darüber freue er sich sehr. Einige seiner Stammgäste aus Dresden sehe er auch ab und zu. Gerade auch zu besonderen Anlässen, zu den Grillabenden oder zum Gänsebraten, seiner Spezialität – schon im Luisenhof. Sage und schreibe 1 320 habe er im vorigen November und Dezember in die Röhre geschoben, sagt Schumann schon ein bisschen stolz. „Es ist ein toller Mix an Gästen und hat meine Erwartungen weit übertroffen.“ Deshalb wachse auch die Belegschaft, und die Wirtsleute haben vor anzubauen. Mit zehn Mitarbeitern hatte er geplant. Inzwischen seien es 13 und er werde erneut um zwei Leute aufstocken, schätzt der Chef ein. Und ein Kochazubi soll noch hinzukommen. Er sei trotz des Fachkräftemangels zuversichtlich: „Man muss die jungen Leute nur richtig heranführen.“ Bei ihm lerne der Kochlehrling, was Frische bedeutet und wie die Produkte verarbeitet werden – einen Gärtnerkurs inklusive. Auf den Tisch kommen vorwiegend regionale Produkte.

Er habe inzwischen etliche Kontakte in der Region geknüpft, zu Bäckern und den Pfefferküchlern. Ein Fleischer aus der Region für seine Bratwurst mit Kräutern der Provence fehle ihm noch. Der Spargel komme zum Beispiel aus Gersdorf, die Eier für die Holländische Soße aus Friedersdorf. Und vieles eben auch aus dem eigenen Garten – mit 15 Sorten Tomaten zum Beispiel. Der Wirt schwärmt von der „Schwarzen von der Krim“ – zuckersüß – von Rucola und Feldsalat aus den Hochbeeten. Da wächst der Senf, ein Beet weiter eine kräftige Minze. Die Kohlrabi sind jetzt erntereif und finden sich wie sämtliches Gemüse, die Kräuter und das Obst auf der Karte wieder. Pikant schmeckt die Knoblauchrauke und liefert Bitterstoffe. Die Wasabikresse treibt dem Redakteur glatt die Tränen in die Augen beim Spaziergang durch die Kräuterwelt von Armin Schumann. Waldmeister verfeinert eine Bowle, die Beeren kommen in Marmeladen und selbst die Schalen der Rhabarberstengel „sind einfach zu schade, um sie wegzutun“. Mit ihrem Aroma fließt ein Likör in Gläser. Und die Blüten vom lilafarbenen Basilikum werden zum Blickfang auf Desserts. Auch die Kaninchen haben sich bestens entwickelt. Kein Wunder, denn Nachbarskinder bringen immer mal wieder Brot vorbei. Grünes gibt’s aus dem Garten. Hobby und Beruf gehen bei den beiden Gastronomen fließend ineinander über. „Der Garten ist quasi die zweite Schicht“, sagt Armin Schumann. Die Ideen des Kochs kennen offenbar keine Grenzen. „Und die Gäste aus Pulsnitz und Umgebung experimentieren zum Glück so gern wie ich“, freut sich Schumann.

Am Anfang hätten Anja und Armin Schumann nicht gedacht, dass die Genusswerkstatt so viele Genießer findet. Die Lage am Schlosspark idyllisch. Aber das Wichtigste sei: „Wir sind keine Pächter mehr, sondern unsere eigenen Herren.“ Eigentum schaffe Planungssicherheit, sagt Armin Schumann. Und Pläne gibt es noch einige. Eben, weil es so viel zu kochen gibt. Dafür braucht es jetzt auch mehr Platz für Töpfe und Pfannen. Die Küche wird im Sommer erweitert für die tägliche Produktion, für zusätzliche Kühl- und Großgeräte. Deshalb sieht es in den Ausläufern des Gemüsegartens neben der im Vorjahr neu gebauten Terrasse derzeit etwas wild aus. Dort rollt bald der Bagger aufs Gelände. Später soll in dem Bereich auch ein Holzbackofen für frisches Brot und eine Outdoorküche entstehen. Insgesamt soll sich aber an den 200 Plätzen (mit Terrasse) nichts ändern. Auch die Fassade vorn soll noch frische Farbe bekommen. Eine halbe Million Euro haben Schumanns seit der Übernahme ungefähr investiert, 2018 schon mit inklusive. In den nächsten Jahren wolle er sich den Parkplatz und die Wege am früheren Haupteingang vornehmen.

Das sind klare Ziele. Früher als Mieter habe er einen ganzen Rucksack mit Sorgen mit sich herumgeschleppt, wie es weitergeht. Der ist im Luisenhof geblieben. Mit dem haben beide abgeschlossen. Vielleicht kommen jetzt nicht mehr ganz so viele Promis ins Restaurant wie damals im Balkon der Landeshauptstadt gewohnt. Er trauere dem nicht nach. Seine Frau und er seien glücklich „im herrlichen Pulsnitz“. So habe er nach den Querelen um die Pacht im Luisenhof den Umzug aufs Land nicht bereut. Seinem Nachfolger wünsche er ein glückliches Händchen, es sei schließlich ein Restaurant, das zu Dresden gehöre, mit einer besonderen Aura. Besonders ist auch die Genusswerkstatt, aber auf ganz andere Art. Der Wirt legt den Gartenschlauch aus der Hand und wirft sich die frische weiße Kochjacke über.

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