• Einstellungen
Freitag, 18.05.2018

Schul-Massaker in Texas

Wieder sterben Menschen in einer US-High-School: Nur rund ein Vierteljahr nach den Aufsehen erregenden Todesschüssen von Florida werden gibt es Tote in Texas.

Bild 1 von 3

Eine trauernde Frau wischt sich Tränen aus dem Gesicht bei einem öffentlichen Gebet nachdem ein 17-Jähriger Schüler am Freitag in einer High School zehn Menschen.
Eine trauernde Frau wischt sich Tränen aus dem Gesicht bei einem öffentlichen Gebet nachdem ein 17-Jähriger Schüler am Freitag in einer High School zehn Menschen.

© Stuart Villanueva / dpa

Dieses Videostandbild zeigt Rettungskräfte und Polizisten nach Schüssen vor einer High School in Texas.
Dieses Videostandbild zeigt Rettungskräfte und Polizisten nach Schüssen vor einer High School in Texas.

© -/KTRK-TV ABC13/AP/dpa

Trauernde warten auf den Beginn eines öffentlichen Gebets
Trauernde warten auf den Beginn eines öffentlichen Gebets

© David J. Phillip / AP / dpa

Houston. Nach dem jüngsten Schulmassaker in den USA weht die Flagge über dem Weißen Haus auf halbmast, der Präsident verspricht entschlossenes Handeln - und doch wird die einflussreiche Waffenlobby wohl dafür sorgen, dass sich wieder nichts ändert. Ein 17-Jähriger Schüler tötete am Freitag in einer High School im Ort Santa Fe im Bundesstaat Texas zehn Menschen, darunter neun Schüler, wie Gouverneur Greg Abbott sagte. Weitere zehn wurden zum Teil schwer verletzt, darunter zwei Polizisten.

Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und wegen Mordes angeklagt, wie Abbott weiter sagte. Er erschien noch am Abend in Handschellen erstmals vor Gericht. Er hielt seinen Kopf nach unten gebeugt - offenbar, um nicht in die Kameras zu blicken.

Der junge Mann hantierte während des Angriffs mit zwei Schusswaffen, die seinem Vater gehörten, darunter ein Revolver. Er habe die Absicht gehabt, Selbstmord zu begehen, sagte Abbott. Experten der Polizei fanden in der Schule und in der Nähe Sprengsätze - ein Molotow-Cocktail und eine mit CO2 gefüllte Gerätschaft. Sie waren ersten Informationen zufolge jedoch wohl nicht voll funktionsfähig. Eine weitere Person von Interesse sei in Gewahrsam, sagte Sheriff Ed Gonzalez.

Im Internet tauchten Bilder auf, die den mutmaßlichen Schützen mit einem schwarzen T-Shirt und der Aufschrift „Born to Kill“ zeigen. „Das war vielleicht das einzige Warnsignal überhaupt“, sagte Abbott. Mitschüler beschrieben den jungen Mann als Eigenbrötler, der oft in einem schwarzen Trenchcoat unterwegs war.

Am Freitagmorgen tönte plötzlich der Alarm durchs Schulhaus in Santa Fe. Alle mussten raus. „Ich bin nur gerannt, ich habe nichts gesehen“, sagte ein Mädchen. Andere berichteten, wie ein Schütze in ihr Klassenzimmer trat und das Feuer eröffnete. „Eine Mitschülerin wurde ins Bein getroffen“, sagte ein Schüler.

Vor drei Monaten erst waren bei dem Schulmassaker von Parkland in Florida 17 Menschen ums Leben gekommen. Einer Auswertung der „Washington Post“ zufolge sind damit in diesem Jahr bereits mehr Menschen in Schulen getötet worden als US-Soldaten im Einsatz. US-Präsident Donald Trump sagte im Weißen Haus angesichts der „absolut schrecklichen“ Tat, es müsse künftig sichergestellt werden, dass Schusswaffen nicht in die Hände derer gerieten, die eine Bedrohung darstellten. „Meine Regierung ist entschlossen, alles zu tun, unsere Schüler zu schützen, die Schulen sicher zu machen.“ Dies sei ein sehr trauriger Tag für Amerika, sagte er weiter. Bis Dienstagabend sollen alle Flaggen auf halbmast gesetzt werden.

Nach dem Schulmassaker von Parkland hatte es landesweit Massenproteste von Schülern für eine Verschärfung der Waffengesetze gegeben. Auch ein Teil der Schüler der Santa-Fe-High-School hatte protestiert. Trump versprach, sich für schärfere Waffengesetze einzusetzen. Weniger Wochen später sicherte er jedoch der mächtigen Waffenlobby erneut seine Unterstützung zu.

„Eure Rechte aus dem zweiten Verfassungszusatz stehen unter Beschuss, aber sie werden niemals unter Beschuss stehen, solange ich Euer Präsident bin“, hatte Trump auf der Jahresversammlung der Waffenlobby NRA (National Rifle Association) erklärt. Der Verfassungszusatz verankert nach konservativer Lesart ein Recht auf Waffenbesitz. Auch viele Abgeordnete und Senatoren unterstützen die finanzkräftige NRA.

Die Organisation der Schüler von Parkland in Florida erklärte sich solidarisch mit ihren Mitschülern in Texas und forderte die Politik zum Handeln auf. Obwohl dies der 22. Schusswaffengebrauch dieses Jahres in einer Schule sei, dürfe es „nicht unter den Teppich gekehrt und vergessen werden“, erklärten die Schüler. „Wenn nichts unternommen wird, werden weiter Tragödien wie diese passieren.“ (dpa)

Desktopversion des Artikels