• Einstellungen
Donnerstag, 12.07.2018

Schön gefährlich

Trotz Badeverbotsschildern: Die Baggerseen des Kieswerks Ottendorf ziehen im Sommer täglich Hunderte Menschen an.

Von Rainer Könen

Bild 1 von 2

Seit vielen Jahren ist die Kiesgrube des Ottendorfer Kieswerkes für zahlreiche Badelustige aus der gesamten Region ein beliebter Anziehungspunkt. Allerdings ist dort das Baden strikt untersagt. Doch daran halten sich viele nicht, sehr zum Leidwesen von Behörden und Verantwortlichen des Kieswerkes.
Seit vielen Jahren ist die Kiesgrube des Ottendorfer Kieswerkes für zahlreiche Badelustige aus der gesamten Region ein beliebter Anziehungspunkt. Allerdings ist dort das Baden strikt untersagt. Doch daran halten sich viele nicht, sehr zum Leidwesen von Behörden und Verantwortlichen des Kieswerkes.

© René Plaul

Verbotsschilder werden in der Kiesgrube ignoriert.
Verbotsschilder werden in der Kiesgrube ignoriert.

© Matthias Schumann

Ottendorf-Okrilla. Das Kieswerk in Ottendorf-Okrilla kennen viele in der Region. Weil man hier, in den Baggerseen, auch ganz toll baden gehen kann. „An manchen Tagen kommen bestimmt so an die tausend Menschen, um zu baden“, erzählt Petra Haubold. Die kaufmännische Leiterin des Ottendorfer Kieswerkes kann auf der einen Seite nachvollziehen, dass es viele, zumal aus dem Dresdner Raum, an herrlichen Sommertagen hierher zieht. „Hat ja auch was von Urlaubsfeeling“, meint sie. Das kristallklare Wasser lade ja sicher zum Baden ein, aber letztendlich sei es verboten, so Petra Haubold weiter. Also weisen auch in diesem Jahr wieder Verbotsschilder auf die große Gefahr des unerlaubten Badens hin, es wird natürlich auch darauf hingewiesen, dass Eltern für ihre Kinder haften.

Doch die Wirkung dieser Schilder ist, um es mal vorsichtig zu beschreiben, nicht von besonderer Nachhaltigkeit. Oder kurz gesagt: Davon lassen sich die Badegäste einfach nicht beeindrucken. Und auch nicht vom Parkverbot auf der Kieswerkstraße. Dort wird im Sommer munter geparkt, haben die Knöllchen, die in Höhe von 15 Euro an, diese Falschparker verteilt werden, nicht gerade abschreckende Wirkung.

Dabei wirkt die Landschaft rings um die Baggerseen nicht unbedingt besonders einladend. Es gibt kaum schattige Plätze, überall Sandhügel, Maschinen, Förderbänder. Und dennoch zieht es alljährlich zahlreiche Menschen im Sommer an diesen Ort. Seit mehreren Generationen ist das schon so. Der Wunsch, sich in dem kristallklaren Wasser abzukühlen, er ist offensichtlich zu einer Art Gewohnheitsrecht geworden. Da werden die Schilder „Betreten verboten“ einfach ignoriert, gibt es hin und wieder schon mal verbale Auseinandersetzungen mit dem dort kontrollierenden Wachschutzpersonal, behindern die geparkten Autos den Verkehr auf der Kieswerkstraße.

Tragische Badeunfälle


Und das alles, obwohl die Verantwortlichen des Werkes und die Behörden immer wieder vor den unberechenbaren Gefahren des Badens in den tiefen Seen warnen. Tote hat es dort auch schon gegeben, etwa im vergangenen Jahr, als ein älterer Mann dort ertrank. Das sei doch schlimm, meint Petra Haubold. Tragisch seien solche Badeunfälle, aber es zeige auch, wie unbelehrbar die Menschen seien.

Der wöchentliche Badebetrieb sorgt aber nicht nur wegen der zugeparkten Kieswerkstraße für Verärgerung bei den Verantwortlichen, sondern auch „die Beschädigungen“ an den Anlagen, so die kaufmännische Leiterin weiter. Die seien nach manchen Wochenenden mit Graffiti versehen. Das gehe nun überhaupt nicht. Klar, Baggerseen wie die des Ottendorfer Kieswerks, üben natürlich für Schwimmer eine größere Faszination als ein Freibad aus. Vor allem wegen der Ausmaße. „Im Freibad hat man eine 50-Meter-Bahn, und hier kann man bestimmt so an die 200 Meter schwimmen“, so Petra Haubold. Das hat sicher seinen Reiz. Und kostenlos sei dieses nicht statthafte Badevergnügen ja obendrein, so Haubold weiter, auch wenn viele immer wieder mit einem Knöllchen abgemahnt werden. Aber auch darüber regten sich nur wenige auf. Es komme schon vor, dass sich Mitfahrer die 15 Euro Strafe teilen. Dennoch, bei allem Verständnis für diesen kostenfreien Badeaufenthalt am Baggersee, der irgendwie was von Sommerferienatmosphäre verströmt, „das Baden ist hier schlicht und ergreifend verboten“, so die kaufmännische Leiterin weiter, die auch gespannt ist, wie sich die Umleitungsstrecke auf den nicht legalen Badebetrieb auswirken wird.

Denn wenn in Ottendorf die B 97 im Bereich der Hirschkurve vom 23. Juli bis Mitte November 2018 gesperrt sein wird, wird es eine „Umleitung über die Werkstraße“ geben. Diese wird in den nächsten Tagen noch etwas ausgebessert, um den Belastungen des Durchgangsverkehres gewachsen zu sein. Nicht auszuschließen, dass der ein oder andere an einem besonders heißen Sommertag abbiegen wird, um sich abzukühlen in einem der am Kieswerk gelegenen Baggerseen. Trotz Badeverbots.