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Dienstag, 07.08.2018

Schlüsseldienst-Chefs verurteilt

Überflüssige Arbeiten, viel zu hohe Rechnungen: Ein Schlüsseldienst zockte systematisch seine Kunden ab. Auch dafür schickten die Richter die beiden Chefs für Jahre ins Gefängnis.

Von Elke Silberer

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© dpa

Türe zu, Schlüssel steckt innen. In dieser misslichen Lage riefen die Betroffenen – dem Rat von Verbraucherschützern folgend – örtliche Schlüsseldienste an. Dachten sie. Sie landeten aber über eine Rufumleitung im Call-Center der „Deutschen Schlüsseldienstzentrale“ im niederrheinischen Geldern und wurden reihenweise abgezockt, wie die Richter am Landgericht Kleve am Dienstag feststellten. Die Anklage hatte 1 000 Opfer bundesweit aufgeführt, die meisten leben in Nordrhein-Westfalen.

Monteure ohne Fachkenntnis

Die Richter verurteilten die 58 und 39 Jahre alten Geschäftsführer zu mehreren Jahren Haft, beide wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Steuerhinterziehung und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt. Der 58-jährige Drahtzieher, der wegen der Betrugsmasche schon einmal Jahre im Gefängnis gesessen hatte, wurde zu sechseinhalb Jahren verurteilt, sein Komplize zu drei Jahren und neun Monaten. Die Anwälte beider Angeklagten hatten Freispruch gefordert. Revision ist möglich.

Beide Chefs hatten laut Gericht im Internet und in Branchenverzeichnissen mit Schlüsseldiensten „bis ins kleinste Kaff“ mit Fake-Adressen geworben. Tatsächlich landeten die Kunden über eine Umleitung unbemerkt in Geldern. Von dort schickte die „Deutsche Schlüsseldienstzentrale“ die Monteure in den Regionen los. Diese waren laut Richter in der Regel keine Fachleute: „Das waren Pizza-Auslieferer und Arbeitslose, die keine Ahnung hatten. Das, was die am besten konnten, war die Preisgestaltung“, sagte der Vorsitzende Richter Christian Henckel. Und sie hätten die Anweisung gehabt, bei ihrem Einsatz möglichst viel kaputtzumachen.

Für Türöffnungen stellten die Monteure nicht selten mehrere Hundert Euro in Rechnung. In einem Fall, bei dem auch noch ein neuer Zylinder dazukam, musste der Kunde über 800 Euro zahlen. Wer nicht bezahlen wollte, dem hätten die Schlüsseldienstler mit der Polizei gedroht nach dem Motto: „Das ist Handwerker-Betrug“, sagte Richter Henckel.

Sobald ein Monteur das Geld hatte, musste er sofort in der Zentrale anrufen. Die Monteure seien zum großen Teil keinesfalls – wie von den Angeklagten behauptet – selbstständig gewesen, sondern Teil der Unternehmensstruktur. Betrogen haben die beiden Chefs laut Gericht nicht nur die Kunden, sondern auch den Staat: um sechs Millionen Euro Umsatzsteuer und Lohnnebenkosten für die Monteure in Höhe von zehn Millionen Euro.

Die Verteidigung des 58-jährigen verurteilten Drahtziehers kündigte Revision an. Dessen ungeachtet droht diesem früheren Manager ein weiteres Verfahren wegen Anstiftung zum Mord: Er soll einen Knastbruder kurz vor dessen Entlassung beauftragt haben, die beiden Staatsanwälte in dem jetzt abgeschlossenen Betrugsverfahren zu töten, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Gerhard Neifer sagte. Der Mitgefangene hatte sich den Behörden anvertraut.

Die Verbraucherzentralen haben Ende vorigen Jahres eine Liste durchschnittlicher Preise für Türnotöffnungen im Internet veröffentlicht. Die Preise, denen eine Befragung von rund 600 seriösen Schlüsseldiensten zugrunde liegt, sollen Orientierung für gerechtfertigte Preise geben. Kunden sollten jeden Posten der Rechnung prüfen, raten die Verbraucherschützer. „Sofortzuschläge“, „Bereitstellungszuschläge“ oder „Spezialwerkzeugkosten“ sind nicht erlaubt. Zulässig sind Zuschläge nur außerhalb der üblichen Arbeitszeiten. (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Black Forrest

    Wenn man sich mit dem Thema Türverriegelung und ihrer Funktion ein wenig auseinandersetzt, kommt man drauf wie man im Falle einer zugefallenen Tür diese auch als Laie! wieder geöffnet bekommt ohne teure Schlüsselprofis und Spezialwerkzeug. Bzw. wenn man mal einem "Profi" zugesehen hat, weiß man auch wie es geht. Ein Austausch des Zylinders muss nicht mal erfolgen wenn die Tür mit dem Schlüssel abgeschlossen ist und er unauffindbar ist, hier hat der Profi ein Gerät oder das aus den Krimis bekannte Handwerkzeug zur Hand. Stichwort bei Google: Look picking. Schön das jetzt diesen unseriösen Gepflogenheiten endlich ein Ende gesetzt wird. Sollte jemand in so einem Fall auf Hilfe angewiesen sein und ein Abzocker vor der Türe stehen. Nix unterschreiben, Arbeit nur auf Rechnung und später nur das ortsübliche (max.100Euro) bezahlen. Sollen die doch die Polizei holen, die wird sicherlich nicht auf der Seite der Handwerker sein...

  2. Richtig So!

    Solche Leute gehören solange weggeschlossen, bis sie den Schaden, den sie verursacht haben, abgearbeitet haben. Eine Frage bleibt allerdings offen. Wieso werden nicht auch die "Monteure" angeklagt und eingesperrt? Schliesslich hat das System nur mit denen funktioniert. Diejenigen waren es, die die Kunden zur Zahlung der überhöhten Rechnungen genötigt, wenn nicht gar erpresst haben. Auch interessant: Welchen Ruf muss sich die Deutsche Polizei "erarbeitet" haben, dass sich die Leute mit der Drohung, die Polizei zu rufen, erpressen lassen??! Bei mir dürfte der Schlüsselfuzzie gerne die Polizei rufen. Da können die gleich die Anzeige wegen Nötigung und Erpressung aufnehmen. Die "normalen" Preise für Dienstleistungen kennt man ja.

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