• Einstellungen
Freitag, 13.07.2018

Schlossgiebel wartet auf Rettung

Seit einem halben Jahr klafft ein großes Loch an der Südfassade. Das soll sich ändern – aber die Reparatur könnte knifflig werden.

Von Eric Weser

Einst reichte die markante Giebelfassade bis zur Dachspitze. Am 18. Januar brach durch Sturm Friederike ein mehrere Quadratmeter großes Stück Wand ab und fiel zu Boden.
Einst reichte die markante Giebelfassade bis zur Dachspitze. Am 18. Januar brach durch Sturm Friederike ein mehrere Quadratmeter großes Stück Wand ab und fiel zu Boden.

© Eric Weser

Strehla. Viele Schäden, die Sturmtief Friederike am 18. Januar in der Region hinterlassen hatte, sind inzwischen beseitigt. Auch am Strehlaer Schloss. An den Gebäuden hatten Dachdecker in den vergangenen Monaten bereits etliche Schadstellen in Ordnung gebracht. Die größte ist allerdings noch da: das abgebrochene Stück Giebel an der alten Wohnburg in südlicher Richtung. Ein Schaden, der selbst in einigen Kilometern Entfernung noch erkennbar ist.

Dass die Schutzhülle des leer stehenden Schlossbaus auch sechs Monate nach dem Orkan weiterhin defekt da steht, erstaunt nicht nur manchen Strehlaer. Auch der ein oder andere Besucher fragt sich, warum das so ist. Und ob es nicht besser wäre, wenn der österreichische Geschäftsmann und Schlosseigentümer Georg Thaler das Loch in dem Denkmal wenigstens provisorisch schließen ließe. Zum um Beispiel mit einer Plane.

Grundsätzlich sei das möglich, heißt es auf Nachfrage von der Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Meißen. Allerdings sei die Plane in dieser luftigen Höhe nicht sehr haltbar. Außerdem müsse so eine Abdeckung am Gebäude befestigt werden, was wiederum einen Eingriff in intakte Dachbereiche bedeuten würde. Darüber hinaus sei eine Folie im Sommer nicht lichtbeständig. Alles Gründe, den jetzigen Zustand zu dulden. Vorerst zumindest. Denn auch die Denkmalschützer wollen verhindern, dass das Loch zum Dauerzustand wird. Ziel sei, dass der Giebel wieder an Ort und Stelle kommt, betont die Behörde. – Doch das ist eine knifflige Angelegenheit. Allein die Inspektion der Schadstelle in geschätzten 20 Meter Höhe ist heikel. Die Befahrung mit einer Hebebühne sei zwar geplant gewesen, aber abgebrochen worden, sagt Bauplaner Detlev Goldbach. Der Ingenieur aus Strehla kümmert sich im Auftrag von Schlossherr Georg Thaler um die Sturmschadensbeseitigung.

Das Problem am Giebel sei, dass weitere Teile davon zum Hof hin kippen könnten. Deshalb sei es auch schwierig, ein Gerüst von außen an die Wand zu stellen. Die Gefahr, dass es umfällt, sei durchaus gegeben. Deshalb sei vorstellbar, dass für Reparaturarbeiten ein Gerüst im Gebäude errichtet wird, so Detlev Goldbach.

Wie die Reparatur des Schlossgiebels letztlich abläuft, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden. Dann stimmen Planer und Denkmalbehörde ein entsprechendes Konzept ab. Die Wunschlösung beider Seiten: Der herabgestürzte Giebel wird wieder hergestellt. Sollte das nicht möglich sein, ist eine Notsicherung mittels einer Plattenverkleidung denkbar. Notfalls aber auch eine Plane.

Einig sind sich alle Seiten, dass die Zeit für eine Reparatur drängt. Bauplaner Detlev Goldbach will das Loch im Schlossgiebel möglichst im Herbst geschlossen wissen. Das passt zu den Wünschen der Denkmalschützer: Die drängen nach eigenem Bekunden darauf, dass vorm Winter etwas an dem Giebel passiert.

Neben Planungs- und Denkmalschutzbelangen dürfte für die Reparatur allerdings auch das Thema Geld eine gewichtige Rolle spielen. Ersetzen soll den Sturmschaden die Versicherung. Die hat Hoffnungen auf eine großzügige Regulierung des auf eine mittlere fünfstellige Summe geschätzten Schadens aber offenbar schon gedämpft. – Mit wie viel Geld das Loch im Schlossgiebel letztlich gestopft wird, dürfte Freunden des Denkmals egal sein. Hauptsache, es wird überhaupt zugemacht.

Desktopversion des Artikels