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Freitag, 15.06.2018

Schillerndes Copitz

Nach ihrer Sanierung bieten sich Wohnblöcke in Pirna-Copitz für eine Deutschstunde an.

Von Mareike Huisinga

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Besonders eindrucksvoll sind „Die Kraniche des Ibykus“ am Klettring 24 gelungen.
Besonders eindrucksvoll sind „Die Kraniche des Ibykus“ am Klettring 24 gelungen.

© Daniel Schäfer

Die Giebelwand Robert-Klett-Ring 28 zeigt eine Szene aus „Der Taucher“.
Die Giebelwand Robert-Klett-Ring 28 zeigt eine Szene aus „Der Taucher“.

© Daniel Schäfer

Wilhelm Tell mit Sohnemann prangen am Klettring 25.
Wilhelm Tell mit Sohnemann prangen am Klettring 25.

© Daniel Schäfer

Am Robert-Klett-Ring 13 sucht Ritter Delorges den Handschuh in der Arena.
Am Robert-Klett-Ring 13 sucht Ritter Delorges den Handschuh in der Arena.

© Daniel Schäfer

Pirna. Wird er es schaffen? Wagemutig springt Ritter Delorges in die Arena, um zwischen furchterregenden Raubkatzen den Handschuh seiner geliebten Kunigunde aufzuheben. Diese Szene aus der berühmten Ballade „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller ist seit Kurzem an der Giebelseite des Hauses Robert-Klett-Ring 13 in Pirna zu bewundern.

Bei der Sanierung des Wohngebietes Copitz-West setzt die Wohnungsgenossenschaft Sächsische Schweiz (WGS) ganz auf den berühmten Schriftsteller. Das Areal mit den rund 660 Wohnungen erhält den Namen Schillerquartier. „Schiller hat einen Bezug zu Sachsen, er lebte längere Zeit in Dresden. Und da im Norden die Schillerstraße an unsere Häuserzeilen grenzt, haben wir uns für den griffigen Namen Schillerquartier entschieden“, sagt Matthias Staude, Vorstandsmitglied der Wohnungsgenossenschaft. Ziel sei es, für die Bewohner in dem Gebiet eine Identität zu schaffen und die Architektur der Plattenbauten aufzuwerten, erläutert Staude.

Neu gestaltet werden die Blöcke Schillerstraße 67 bis 81, Robert-Klett-Ring 10 bis 30 und Walter-Richter-Straße 2 bis 46. Die Häuser erhalten eine moderne Farbgebung, wobei die Töne gelb, rot und orange dominieren. Das wichtigste Gestaltungselement sind allerdings die markanten Giebelseiten der Wohnblöcke. Bezug nehmend auf bekannte Werke von Friedrich Schiller werden die Giebel besonders herausgehoben. Thematisiert werden Wilhelm Tell, Der Taucher, Der Handschuh und Die Kraniche des Ibykus. Die Fassadengestalter bringen an den Außenwänden eine Zusammenfassung, Auszüge und gemalte Szenen der jeweiligen Balladen bzw. Werke an. „Es geht uns darum, dass man die Häuserzeilen quasi wie ein Buch lesen kann“, erläutert Matthias Staude und lädt alle Wissbegierigen zu einem literarischen Spaziergang nach Copitz ein. Die Entwürfe stammen von der Architektin Nicole Bellée, die für die beauftragte Ingenieurgemeinschaft Cossebaude arbeitet.

Nicht nur die Fassaden der Wohnblöcke werden erneuert. Außerdem ist eine Sanierung der Betonbalkone nach Bedarf vorgesehen sowie die Renovierung der Treppenhäuser. Farblich wird sich die Gestaltung der Außenfassade in den Treppenhäusern widerspiegeln.

Höhere Miete für einige Bewohner


Die Arbeiten, die bereits 2017 begonnen haben, liegen im Zeitplan, versichert das WGS-Vorstandsmitglied. Die Gesamtmaßnahme soll 2022 abgeschlossen werden. Staude rechnet mit Investitionskosten von 7,5 Millionen Euro. Die Summe wird aus Eigenmitteln der Wohnungsgenossenschaft finanziert. Mit Mieterhöhungen müssen lediglich die Bewohner der Schillerstraße 67 bis 81 rechnen, da hier Fahrstühle eingebaut werden. Auch die Mieter am Robert-Klett-Ring 10 bis 13 werden künftig wegen der Balkonerneuerung eine geringfügig höhere Miete zahlen. In diesem Abschnitt wird die Modernisierungsumlage auf 50 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche gekappt, erläutert Staude.

Im Vorfeld habe der Vorstand die Mieter über die Aufwertung und Instandhaltungsmaßnahmen der Fünfgeschosser informiert. Sie seien einverstanden, betont Staude. Bereits Ende der 90er-Jahre sanierten Fachleute sämtliche Quartiere von innen.

Mit fast 2 000 Wohnungen und ebenso vielen eingetragenen Genossenschaftsmitgliedern ist die Wohnungsgenossenschaft Sächsische Schweiz nach eigenen Angaben in Pirna der zweitgrößte Vermieter.