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Donnerstag, 08.11.2018

Schauspieler und Echte im OP-Saal

Tatort-Dreh in Radebeul und Meißen, zuvor Hollywood in Moritzburg – das Elbland wird eine immer beliebtere Kulisse.

Von Nina Schirmer und Peter Redlich

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Tatort-Dreh im Radebeuler OP-Saal – am letzten Wochenende traten hier Schauspieler und echte Ärzte auf, darunter der Ärztliche Direktor Dr. Philipp von Breitenbuch als Assistent.
Tatort-Dreh im Radebeuler OP-Saal – am letzten Wochenende traten hier Schauspieler und echte Ärzte auf, darunter der Ärztliche Direktor Dr. Philipp von Breitenbuch als Assistent.

© Arvid Müller

Auch die Ermittler waren in der Elblandklinik: Karin Hanczewski als Oberkommissarin Karin Gorniak und die Neue im Dresdner Revier Cornelia Gröschel.
Auch die Ermittler waren in der Elblandklinik: Karin Hanczewski als Oberkommissarin Karin Gorniak und die Neue im Dresdner Revier Cornelia Gröschel.

© Monika Skolimowska / dpa

Martin Brambach als Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel.
Martin Brambach als Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel.

© Bernd Settnik / dpa

Radebeul. Die Götter in Weiß waren diesmal nicht echt. Jedenfalls nicht alle. Der Arzt, der am OP-Tisch steht, ist ein Schauspieler. Aber sein Assistent ist echt. Dr. Philipp von Breitenbuch, Ärztlicher Direktor der Radebeuler Elblandklinik und Chefarzt der Chirurgie, war der Assistenzarzt. Der Kranke auf dem OP-Tisch wiederum ist ein Komparse. Der hat mittels einer Folie ein Stück Fleisch auf den Brustkorb präpariert bekommen, auf dem das Ende einer Brustoperation gefilmt wird.

Das ganze Szenario war am Sonnabend Teil des nächsten Dresden-Tatorts. Und eigentlich alles noch höchst geheim. Weder der Schauspieler, der den operierenden Arzt gemimt hat, noch Fotos von den Szenen dürfen vorab gezeigt werden. Dennoch hat die SZ einiges rausbekommen. Nämlich, dass  etwa ein Dutzend Ärzte und Schwestern der Radebeuler Elblandklinik als Kleindarsteller dabei war.

Sie hatten vorher eine Bewerbung mit Foto geschrieben und waren schließlich von der Produktionsfirma für den Dreh in Radebeul ausgesucht worden.

Wer am letzten Sonnabend vor allem von der Borstraße, der Einfahrt zur Notaufnahme, das Krankenhaus gesehen hat, dem ist aufgefallen, dass irgendwie etwas anders ist. Große Lastwagen mit Technik, Wagen mit den Kostümen und die Maskenbildnerei für den Tatort-Dreh standen dort, dazu Wachmänner, die freundlich aber bestimmt den Weg wiesen. Das war draußen zu sehen.

Drinnen wurden Szenen am Eingang, in einer Umkleide und an der Radiologie gefilmt. Sechs OP-Säle hat die Elblandklinik Radebeul. Einer ist für die Dreharbeiten gesperrt worden. Verwaltungsdirektor Michael Schmidt: „Samstags wird üblicherweise nicht operiert. Wir sind dann lediglich für Notfälle da. Und dafür gab es genügend freie Kapazität.“ Auch ordentlich desinfiziert wurde nach dem Besuch mit Kameras, Scheinwerfern und vielen Kabeln.

Philipp von Breitenbuch, der in der OP-Szene die Rollen zwischen sich und dem Schauspieler am OP-Tisch getauscht hat, sagt, dass er die Szene zweimal mit dem Filmteam geprobt hat, danach wurde aus verschiedenen Perspektiven gefilmt. Den gesamten Sonnabend wurde für diese Einstellungen im Dresden-Tatort im Radebeuler Krankenhaus gearbeitet. Alle Kleindarsteller, die aus der Klinik dabei waren, seien Freiwillige gewesen. Der Ärztlicher Direktor: „Für mich und wahrscheinlich auch meine Kollegen und Kolleginnen war das eine besondere und sehr interessante Erfahrung, die wir noch nicht kennengelernt hatten.“

Jetzt waren es Aufnahmen in der Radebeuler Elblandklinik, vor reichlich zwei Jahren gab es Dreharbeiten in den Gassen von Meißen und im dortigen Krankenhaus. Damals ging es um einen von der Brücke gestürzten Unternehmer, der auf der Intensivstation behandelt werden musste.

Auch Großenhain war schon Kulisse für Dreharbeiten, besonders der Flughafen. Mit Elmar Wepper als Gärtner Schorsch wurde dort der Streifen „Grüner wird’s nicht“ gedreht. Mit seinem roten Doppeldecker fliegt Schorsch – gedoubelt von Jan Meißner, Inhaber der Flugschule „Born-2-Fly“, – so lange Benzin im Tank ist, durch Deutschland.

Und erst vor wenigen Tagen war Moritzburg aus dem Häuschen, vor allem nachts. 300 Komparsen wurden hier neben dem Schlossparkplatz in Zelten untergebracht. Die große Party stieg direkt vor dem Schloss. Lichtzauber an der Schlossfassade durchzuckte die Nacht. Gedreht wurde drinnen im fürstlichen Speisesaal. Und es gab vor allem reichlich Geheimnistuerei um die neueste Auflage des Hollywood-Klassikers „Drei Engel für Charlie“.

Schauspielerinnen wie die neuen Stars Kristen Stewart, Naomi Scott oder Ella Balinska hätten manchem Moritzburger den Kopf verdrehen können – passierte aber nicht, so streng waren die Damen abgeschirmt. Da geht es in Dresden nicht selten bodenständiger zu. Martin Brambach als Leiter Peter Michael Schnabel, Karin Hanczewski als Oberkommissarin Karin Gorniak und der Neuen Cornelia Gröschel kann man schon mal begegnen oder beim Termin vor der Semperoper ein Foto schießen.

Bei den Dreharbeiten in Radebeul ließen sich die Ermittler allerdings auch nur intern im Krankenhaus blicken. Wer sie und die Mitwirkenden aus der Weinbergeheimat sehen will, muss bis zum späten nächsten Frühjahr warten. Dann wird der neue Dresden-Tatort unter dem Titel „Das Nest“ ausgestrahlt, heißt es vom MDR.