• Einstellungen
Donnerstag, 17.05.2018

Schafe im Weinberg

Schloss Wackerbarth setzt an der Seußlitzer Heinrichsburg auf eine traditionelle Methode. Eine Premiere.

Von Antje Steglich

Weinbergleiter Till Neumeister (links) und Hobbyschäfer Sebastian Hänsel glauben an den Erfolg des Pilotprojektes: Seit Montag grasen Schafe auf der Lage Seußlitzer Heinrichsburg. Schloss Wackerbarth dürfte damit das erste Weingut der Region sein, das Vierbeiner zwischen seinen Reben einsetzt.
Weinbergleiter Till Neumeister (links) und Hobbyschäfer Sebastian Hänsel glauben an den Erfolg des Pilotprojektes: Seit Montag grasen Schafe auf der Lage Seußlitzer Heinrichsburg. Schloss Wackerbarth dürfte damit das erste Weingut der Region sein, das Vierbeiner zwischen seinen Reben einsetzt.

© Lutz Weidler

Diesbar-Seußlitz. Die Sonne scheint warm auf den Weinberg Seußlitzer Heinrichsburg herunter, das saftige Gras und der Löwenzahn stehen hoch zwischen den Reben – die Ostfriesen-Schwarzköpfe und Suffolks fühlen sich anscheinend sofort wohl. Laufen ohne Scheu zwischen den Rebstöcken hindurch und zupfen kräftig am grünen Gras. Ein drei Monate altes Lämmchen trinkt noch kurz bei der Mutter, bevor es sich im Schatten einer Rebe bequem macht und wegdöst – alles unter den wachsamen Blick von Hütehund Luna. Seit Montag ist die ein Hektar große Fläche, auf der Schloss Wackerbarth die Rebsorte Müller-Thurgau anbaut, die neue Heimat von neun Schafen und fünf Lämmern. Mit dem Pilotprojekt will das Staatsweingut die ökologische und nachhaltige Bewirtschaftung des Weinberges fortsetzen und besinnt sich damit auf eine traditionelle Methode.

„Ich habe eine ganze Weile in Neuseeland gelebt, da sind Schafe auf allen Flächen“, sagt Weinbergsleiter Till Neumeister, „jetzt sieht man es auch immer mehr in Europa, dass man sich auf die alten Methoden rück besinnt.“ Für den 33-Jährigen hat die Bewirtschaftung durch Schafe durchaus ein paar entscheidende Vorteile im Vergleich zum Traktor: So werde das Gras permanent kurz gehalten, was das Mikroklima im Boden verbessere und für eine bessere Durchlüftung sorge. Zudem werde die Pilzinfektions-Gefahr verringert und der Boden durch die Hufe insgesamt weniger verdichtet – aber doch genug, um zum Beispiel Mäuselöcher zu verschließen. Und nicht zuletzt bringen die Tiere ja auch noch ihren eigenen, natürlichen Dünger mit, sagt Till Neumeister lachend. Sorgen, dass die Vierbeiner auch den guten Wein anknabbern, macht sich der Weinbergleiter aber nicht: „Das ist wie beim Menschen: Die Schafe essen vom Tisch und nicht vom Schrank.“ Finden die Tiere also genug zum Fressen am Boden, werden sie nicht nach oben schauen.

Für die ein Hektar große Fläche wird die kleine Herde wahrscheinlich sechs bis acht Wochen brauchen, schätzt Sebastian Hänsel. Danach wechseln sie auf die mehr als drei Hektar große Nachbarfläche, auf der die Rebsorte Bacchus wächst. Der Hobbyschäfer aus Golk – der hauptberuflich im Tiefbau arbeitet – wird dabei täglich nach den Tieren schauen. Vor allem aus Sicherheitsgründen und um die Zäune zu prüfen. Der Wolf treibt auch den 36-Jährigen um. Und er hofft, dass der doppelte Zaun und der Untergrabschutz das Raubtier von seiner Herde fernhalten werden. Ansonsten bräuchten die Tiere eigentlich nicht viel, sagt Sebastian Hänsel. Am Anfang nur ein bisschen Heu, weil das junge Gras extrem eiweißhaltig ist und Durchfall verursachen könne. Und im Sommer kriegen die Tiere dann noch zusätzliches Wasser, so der junge Familienvater. Der ist übrigens genau wie Weinbergleiter Neumeister schon jetzt überzeugt, dass das Pilotprojekt erfolgreich sein und in den nächsten Jahren noch ausgeweitet wird – „eine bessere Grünpflege gibt es nicht.“

In dieser Saison will Schloss Wackerbarth den Einsatz der Schafe aber erst einmal auf den beiden Flächen testen und im Herbst dann weiter planen, sagt Sprecher Martin Junge. „Ein gesunder Weinberg steht für uns im Mittelpunkt und nicht die Kosten.“ Und das könne man am Ende eventuell sogar schmecken. Till Neumeister: „Aus einem gesunden Weinberg kommen auch gute Trauben. Und je weniger Mittel eingesetzt werden, umso mehr kommt im Keller die Aromenvielfalt der Sorten zum Vorschein.“