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Donnerstag, 12.07.2018

Sächsischer Raumfahrt-Lieferant wächst mit Geld aus der Schweiz

Von Georg Moeritz

Silvio Müller und Arvid Bergander arbeiten im Reinraum in Coswig an Klappen für einen Satelliten zur Umweltbeobachtung.Foto: Ronald Bonß
Silvio Müller und Arvid Bergander arbeiten im Reinraum in Coswig an Klappen für einen Satelliten zur Umweltbeobachtung.Foto: Ronald Bonß

© ronaldbonss.com

Coswig. So feiert ein Raumfahrt-Unternehmen: Nach einem Countdown zum Mitzählen stiegen am Mittwoch in Coswig-Neusörnewitz blaue Ballons in Form der Buchstaben Ruag Space in die Höhe. Der Chef des Schweizer Staatskonzerns Ruag, Urs Breitmeier aus Bern, machte noch das A los, das sich vorm Festzelt verhakt hatte.

Dabei ist der Standort Coswig mit 37 Beschäftigten einer der kleinsten Außenposten des Schweizer Rüstungs- und Raumfahrtkonzerns mit 9  000 Beschäftigten. Doch seit Mittwoch heißt die ehemalige HTS Hoch Technologie Systeme in Sachsen nach ihrem neuen Besitzer Ruag Space Germany GmbH. Die HTS-Internetseiten sind schon abgeschaltet. Der neue Geschäftsführer Patrick Houghton (45) mit Schweizer Akzent soll den ehemaligen Mitbesitzer Wolfgang Göhler (63) ablösen. In den nächsten Jahren sollen bis zu 20 neue Arbeitsplätze dazukommen, bei guter Geschäftslage soll der Betrieb „mittelfristig“ auf 100 Beschäftigte wachsen.

Vor anderthalb Jahren haben die Schweizer das sächsische Unternehmen gekauft, an dem sie zuvor mit einem Viertel beteiligt waren. Er besteht aus einem Bürogebäude und einer Produktionshalle, in die zwei kleine Reinräume eingebaut sind. Hinter den Glasscheiben arbeiten zum Beispiel Silvio Müller und Arvid Bergander am Mechanismus eines Flugmodells für Satelliten zur Umweltbeobachtung. Kunde ist der Bremer Raumfahrtkonzern OHB. Abteilungsleiter Tilo Schmidt beschäftigt sich mit einem Winkelsensor für einen Antennenausrichtmechanismus – eine Entwicklung im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur Esa. Ruag Space soll Mechanismen für die erste faltbare Großantenne aus europäischer Produktion entwickeln. Alles wird im Vakuum getestet, auch bei Hitze und Kälte.

Konzernchef Breitmeier sagte, in Sachsen hoffe er, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. In Zürich oder München sei das nicht mehr möglich. Allerdings hielt ihm der deutsche Raumfahrt-Experte Walther Pelzer entgegen, in Sachsen suchten auch andere nach Fachkräften. Pelzer ist Vorstandsmitglied des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Das baut in Dresden seit vorigem Jahr ein Institut für Softwaremethoden mit 70 Mitarbeitern auf.

Der staatliche Schweizer Ruag-Konzern beliefert vor allem Schweizer Armee und Bundeswehr, auch mit Munition aus einer Fabrik in Fürth. Die Raumfahrtsparte sei aber getrennt von der Rüstungssparte, sagte eine Sprecherin. 44 Prozent des Konzernumsatzes kommen vom Militär.

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