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Montag, 22.10.2018

Ruhiger Ton, klare Ansagen

Von Sven Geisler

Thomas Barth hat in der Krise der Eislöwen den Trainer gestützt – aus gutem Grund.Foto: kairospress
Thomas Barth hat in der Krise der Eislöwen den Trainer gestützt – aus gutem Grund.Foto: kairospress

© kairospress

Auf seinen Namen wird er öfter angesprochen. „Klar kenne ich ihn“, sagt Thomas Barth über den gleichnamigen Radfahrer, der in den 1980er-Jahren die DDR-Mannschaft als Kapitän bei der Friedensfahrt angeführt hat. „Ich war schon als Kind sehr sportinteressiert, habe das natürlich verfolgt“, erzählt der jüngere Barth, der als Geschäftsführer Sport bei den Eislöwen das Sagen hat. „Er hatte nicht die herausragenden Einzelerfolge, war aber ein Teamplayer. Wenn man darin eine gewisse Parallelität sehen will …“

Zusammenhalt gehört zu den Werten, die Barth und Trainer Jochen Molling formuliert haben, schon als sie Übungsleiter im Nachwuchs waren. Als Barth mit fünf Jahren zum Verein kam, durfte in Dresden kein Eishockey gespielt werden, also begann er als Eisschnellläufer. „Es war recht langweilig, nur im Kreis zu laufen“, sagt er, „außerdem war ich nicht der allerbeste Eisschnellläufer.“ Also hat er nach der Wende die Chance er- und zum Schläger gegriffen.

Sein Vater Reiner spielte einst in Jonsdorf Eishockey, bevor die Familie nach Dresden zog. „Damals waren wir in allen Altersklassen zusammen vielleicht 20 Kinder, heute spielen im Verein etwa 350“, erzählt Barth, der mit 16 seine ersten Einsätze bei den Männern in der Sachsenliga hatte. Als die Eislöwen 1996 in die Oberliga aufstiegen, ging es für ihn nicht weiter, nur zwei Jahre später kehrte er als Zivildienstleistender zurück, betreute Kinder.

Barth begann ein Jura-Studium, stieg um auf Sportmanagement, machte seinen ersten Trainerschein und absolvierte sein Praktikum bei den Eislöwen. Anfang 2010 fragte ihn Präsident Peter Micksch, ob er fest anfangen wolle. „Damals waren wir ein gut organisierter Breitensportverein mit gutem Zusammenhalt“, erinnert sich Barth. „Seitdem haben wir versucht, uns professioneller aufzustellen.“ Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Alle Jugendteams spielen mittlerweile in ihrer höchstmöglichen Liga, der Etat für den Nachwuchs ist von 100 000 auf 600 000 Euro gestiegen.

Die Ausbildung von Talenten ist für Barth jedoch kein Selbstzweck, sie sollen eine Perspektive haben im Profi-Team, um „eine regionale Verwurzelung und Identität zu schaffen“, wie er sagt. „Wir haben leider den Nachteil, dass es in Dresden 20 Jahre lang kein Eishockey geben durfte. Was in Weißwasser gang und gäbe ist, weil es dort nie einen Bruch gab, beginnt bei uns jetzt zu greifen.“ Ein gutes Beispiel ist Arne Uplegger. Der 20 Jahre alte Verteidiger, der vor gut zwei Jahren aus Weißwasser kam, gehört zu den positiven Überraschungen der Eislöwen.

Seit April ist Barth verantwortlich für die sportliche Entwicklung. „Das war eine Bauchentscheidung. Wenn ich länger darüber nachgedacht hätte, hätten sich sicher einige Argumente dagegen gefunden“, meint er und grinst dabei. Er möchte das nicht als Aufstieg sehen, sondern als Umstieg. „Mir hat die Arbeit im Nachwuchs auch sehr viel Spaß gemacht. Ich sehe die Chance darin, die Dinge, die wir dort angeschoben haben, im letzten Schritt durchzusetzen.“ Die Werte also, auf die er sich in der Krise berufen hat.

Der zwischenzeitliche Sturz auf den letzten Tabellenplatz war für Barth die erste öffentliche Bewährungsprobe als Sportgeschäftsführer. Er musste sich einer Trainerdiskussion stellen, die er nicht führen wollte. Für ihn stand Molling nie zur Debatte. „Wenn ich feststelle, dass das Problem nicht in der Organisation und beim Trainer liegt, sondern bei den Spielern, weil sie nicht als Team auftreten, muss ich bei ihnen ansetzen“, erklärt er seine damalige Standpauke. Er hätte ein Exempel statuieren können, entschied sich aber, an Ehre und Gewissen der Profis zu appellieren. Schließlich kann er nicht selbst aufs Eis gehen, auch wenn er das wöchentlich noch zwei-, dreimal hobbymäßig macht.

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