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Dienstag, 09.10.2018

Roller-Derby-Team ist deutscher Meister

Erst vor sechs Jahren gründeten sich die Dresden Pioneers. Nun sind sie das beste Rollschuh-Team der 1. Bundesliga.

Von Alexander Hiller

Dresdens Spielerinnen können ausgelassen jubeln - sie sind jetzt Deutscher Meister.
Dresdens Spielerinnen können ausgelassen jubeln - sie sind jetzt Deutscher Meister.

© Archivfoto: Robert Michael

Das kann man eine rasante Entwicklung nennen. 2012 gründete sich beim SV Motor Mickten das Roller-Derby-Team der Dresden Pioneers. Sechs Jahre später ist die Frauenmannschaft auf Rollschuhen an der nationalen Spitze angelangt. Am Wochenende sicherten sich die Pioneers mit einem knappen 173:172-Sieg bei den Harbor Girls aus Hamburg den deutschen Meistertitel – natürlich erstmals in der Vereinsgeschichte. Und das vorzeitig.

Am 10. November steht für die Dresdnerinnen das letzte Saisonspiel in der 1. Bundesliga an. Eigentlich auswärts. Aber weil den Kontrahentinnen von Bear City Roller Derby aus Berlin für jenen Tag keine adäquate Halle zur Verfügung steht, wird das Duell im Dresdner MoMi-Center am Pestalozziplatz ausgetragen.

„Das ist für uns ein außergewöhnlicher Erfolg, auf den wir lange hingearbeitet haben“, sagt Silvana Sieborn, Kapitänin der Mannschaft, die auf dem Feld als „Coffin Cutie“ agiert. Weltweit legt sich jede Spielerin einen einzigartigen und damit unverwechselbaren Alias-Namen zu. „Wir möchten das Jahr noch erfolgreich zu Ende spielen, deshalb legen wir unseren Fokus jetzt noch nicht aufs Feiern“, verspricht sie. „Wir haben viel Blut, Schweiß und Tränen investiert. Und jetzt können wir mit diesem Titel sagen, dass hier inzwischen guter Roller-Derby-Sport geboten wird“, sagt die 26-Jährige, die mittlerweile auch in der deutschen Nationalmannschaft spielt.

Der erste deutsche Meistertitel für die Abteilung des SV Motor Mickten hat vorerst noch keine Auswirkungen auf mögliche internationale Starts in europäischen Wettbewerben. Dafür ist die Szene auf dem Kontinent einfach noch zu klein und zu wenig organisiert. Allerdings existiert eine Weltrangliste – natürlich dominiert von Teams aus Nordamerika. Der Vollkontaktsport wurde in den USA erfunden. Die Dresden Pioneers nehmen in der Weltrangliste derzeit Rang 188 ein. Tendenz steigend. „Für uns hat auch im kommenden Jahr die Bundesliga die oberste Priorität“, sagt Silvana Sieborn. „Aber wir werden uns Gedanken machen, wie wir uns weiterentwickeln wollen“, betont sie.

Der erste deutsche Meistertitel könnte dieser Entwicklung Rückenwind geben. „Wir hoffen, dass wir dadurch in der Außenwirksamkeit noch besser wahrgenommen werden, das Zuschauerinteresse und die Neugier bei potenziellem Nachwuchs steigt. Natürlich bleibt Roller Derby eine Randsportart, das wissen wir“, sagt Silvana Sieborn. Nichtsdestotrotz wollen die Pioneers am 10. November noch einmal groß mit ihren Fans feiern. Knapp 200 kommen inzwischen zu den Heimpartien.