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Dienstag, 13.02.2018

Rösch mit falschen Handschuhen

Dem belgischen Biathleten aus Altenberg passiert kurz vor dem Start ein Malheur.

Geschafft – ist Michael Rösch im Ziel, und das auf Platz 23.
Geschafft – ist Michael Rösch im Ziel, und das auf Platz 23.

© dpa

Noch zwei Minuten bis zum Start – und plötzlich sind die Handschuhe weg, bei eisigem Wind und zweistelligen Minusgraden. Von so einem Albtraum würde vermutlich jeder Biathlet schweißgebadet aufwachen. Für Michael Rösch, den Belgier aus Altenberg, ist das gerade kein Traum. Er rennt hektisch umher, wühlt noch mal im Rucksack, sie sind einfach nicht zu finden. Doch bei den Temperaturen ist es undenkbar, ohne Handschuhe zu starten. Ein polnischer Betreuer kann Rösch in der letzten Minute helfen. „Eigentlich wärmt mein Physio bis kurz vor dem Start meine Renn-Handschuhe in seiner Hose, aber er hatte sie auf einmal nicht mehr, wahrscheinlich verloren“, erzählt der 34-Jährige im Ziel.

Umso erstaunlicher ist, was Rösch in der Verfolgung ausgerechnet am Schießstand abliefert. Nach 15 Schuss ist er der einzige unter den 60 Athleten, der bei schwierigen Bedingungen ohne Fehler auskommt. „Ich habe mir irgendwie über andere Dinge einen Kopf gemacht. Das war vielleicht gut“, sagt er.

Die Handschuhe des Polen passten natürlich nicht richtig. „Und sie haben einen Schlitz im Zeigefinger. Dabei schieße ich nie mit offener Handschuhkuppe“, meint Rösch. Nur im zweiten Stehendanschlag verfehlt er knapp das Ziel. Macht am Ende einen Fehler – das haben außer ihm nur die drei Erstplatzierten geschafft. Trotzdem reicht es für Rösch nur für Platz 23, eine Verbesserung um 15 Ränge im Vergleich zum Sprint. Im Ziel beträgt sein Rückstand gut drei Minuten auf Olympiasieger Martin Fourcade. „Ich fühle mich wie ein Sack Kartoffeln. Läuferisch reicht es dieses Jahr nur für 7,5 Kilometer, also für die Staffel“, sagt Rösch wie man ihn kennt – nie um einen Spruch verlegen.

Trotz des Malheurs und der fehlenden Laufform genießt er seine zweiten Spiele. Der Mannschafts-Olympiasieg von Turin liegt zwölf Jahre zurück. Damals war er noch Deutscher, nach einem Zwist mit dem Verband versuchte er sein Glück im Ausland. Seit vier Jahren ist er Belgier und Pyeongchang das Ziel eines langen Weges. „Das alles hier zeigt, dass es sich gelohnt hat“, betont er. Und Rösch flachst schon über seinen nächsten Auftritt, das Einzel über 15 Kilometer. Seine Chancen? „Mal schauen. Biathlon ist wie eine Frau. Man weiß nie, was passiert.“ (SZ/mw)

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