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Mittwoch, 16.05.2018 Gerichtsbericht

Rentner als Vandale überführt

Mehrere Wagen soll der Freitaler am Weißeritzpark beschädigt haben. Er bestreitet das. Doch ein Gutachter widerspricht ihm.

Von Stephan Klingbeil

Freital. Immer am Dienstag und Donnerstag geht der 77-jährige Freitaler schwimmen. Nach einer Ruhepause daheim fährt der Mann mit dem Rad zurück und kauft im Weißeritzpark ein. Diese Routine wurde dem Rentner offenbar zum Verhängnis. Denn seine fixen Sporttage passten genau zu den Zeiten, in denen auf dem Parkplatz des Centers der Lack von Autos zerkratzt wurde. Am Amtsgericht Dippoldiswalde wurde nun dem bisher nicht vorbestraften Deutschen der Prozess gemacht. Der Vorwurf: mehrfache Sachbeschädigung.

Der frühere Bauschlosser soll zwischen September 2015 und März 2016 an mehreren Tagen auf dem Parkplatz des Einkaufs-Centers den Lack von vier Autos zerkratzt haben. Die Anklage geht davon aus, dass der Mann jeweils zu seinem Fahrrad wollte, das er an einem der Einkaufswagenständer abgestellt hatte. Dann soll er die Autos daneben zerkratzt haben. Angeblich hätten sie dort nicht stehen dürfen. Die Schadenshöhe: über 7 000 Euro.

Bis zum Schluss bestritt der Angeklagte die Vorwürfe. Nur ein einziges Mal habe er womöglich eines der Fahrzeuge touchiert. Das war am 24. März 2016 gewesen – der Tag, an dem ihn Zeugen auf frischer Tat ertappt hätten. Und es war ein Donnerstag. Nur an Donnerstagen und Dienstagen sollen sich die nun angeklagten Taten ereignet haben.

Nur diese letzte Sachbeschädigung, als ein Opel Astra beschädigt wurde, geht womöglich auf sein Konto, beteuerte der Rentner. „Wenn überhaupt, war das aber ein Versehen.“ Er sei einkaufen gewesen, nahm Sekt im Beutel mit auf seinem Fahrrad. Darin hätte sich eine scharfe Kante befunden, oder ein kaputter Reißverschluss. Die hätten unter Umständen den Opel beschädigt. Das Gericht glaubt die Version aber nicht.

Es stützt sich dabei auf ein Gutachten, das angefertigt werden musste, weil der Prozess festgefahren war. Demnach sind Kratzer an drei der vier Autos mit voller Absicht entstanden, durch Krafteinwirkung mit einem spitzen Gegenstand wie einem Schlüssel. Auch fanden sich am Opel Kratzer, die von einem Einkaufswagen stammten. Vom Einkaufswagen des Rentners?

Der „modus operandi“, die Art, wie die Kratzer entstanden, sprach laut Anklage jedenfalls eine klare Sprache. Neben den Indizien beruft sich das Gericht dann auch auf einen Zeugen, der am 24. März 2016 nur auf den Mann aufmerksam wurde, da sein eigener Toyota zwei Tage zuvor an derselben Stelle zerkratzt worden war. Ebenfalls an dem Ort habe sich das Rad des Rentners befunden. Alles nur Zufall?

Nein, meint das Gericht. Es sei vielmehr nachgewiesen, dass der Angeklagte für drei der vier Kratzaktionen verantwortlich war. Es verurteilt ihn daher zu einer Geldstrafe von 3 000 Euro.