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Dienstag, 07.08.2018

Rekordwerte beim Wasserverbrauch

Der Mega-Sommer dreht in Meißen und dem Umland einen langjährigen Trend um.

Von Peter Anderson, Peter Redlich, Sven Görner und Britta Veltzke

Brunnen als Alternative Bäche nicht trocken pumpen

Brauchen auch dringend und jeden Tag Wasser – die Beete in öffentlichen Parks wie hier in der Stadt Radebeul.
Brauchen auch dringend und jeden Tag Wasser – die Beete in öffentlichen Parks wie hier in der Stadt Radebeul.

© Norbert Millauer

Es sind Nachrichten und Bilder, die nachdenklich machen: Ausgetrocknete Flüsse, Bäche in denen nur noch Pfützen stehen, sinkende Grundwasserspiegel. Reicht das Wasser? Was verbrauchen wir eigentlich in diesen Hitzetagen?

In den letzten 20 Jahren ist deutschlandweit der Wasserverbrauch von knapp 150 Liter pro Kopf und Tag deutlich auf fast 120 Liter zurückgegangen. Das wird sich in diesem Jahr ändern. Nach Angaben der Meißner Stadtwerke (MSW) sind seit Mai an mehreren Tagen rekordverdächtige Wasserverbräuche erreicht worden. Über die drei Monate Mai, Juni und Juli verteilt liegen die Mengen um rund ein Fünftel über den Werten des Vorjahres. Die täglichen Füllstände der Hochbehälter sind nach Angaben des Unternehmens normal. Vom Trinkwasserlieferanten, der Brockwitz-Rödern GmbH, gebe es keine Hinweise über bestehende oder zu erwartende Engpässe.

Die MSW versorgen derzeit rund 4 750 Trinkwasserkunden. Den Ursprung des Wassers bilden die Talsperren Lehnmühle und Klingenberg im Erzgebirge beziehungsweise. Erzgebirgsvorland. Hier kommt es eigentlich her, bevor es im Wasserwerk Dresden-Coschütz aufbereitet wird.

Brunnen als Alternative

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Im Garten wird häufig Trinkwasser aus der Leitung zum Wässern der Pflanzen verwendet. Doch statt des Trinkwassers kann auch das Grundwasser genutzt werden – gefördert aus dem eigenen Brunnen im Garten.

Der Bau eines Brunnens ist ein verfahrensfreies Bauvorhaben. Das bedeutet, dass der Brunnenbau nicht bei den Bauaufsichtsbehörden beantragt werden muss. Allerdings müssen Interessenten die Brunnenbohrung bei der Unteren Wasserbehörde im Landratsamt sowie beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie spätestens zwei Wochen vor Beginn der Arbeiten anzeigen. Sobald die Registrierung der Anzeige bestätigt wird, darf die Bohrung beginnen. Für die anschließende Nutzung des Grundwassers ist eine separate Genehmigung nötig.

Das LfULG bietet zudem im Internet eine interaktive Karte der Grundwassermessstellen. Über diese können Bürger Informationen zu Grundwasserständen anfordern, um die Verhältnisse zum Grundwasserstand bei der Planung eines Brunnens einzubeziehen. Über die interaktive Karte „Grundwasserdynamik“ lassen sich weitere relevante Daten kostenfrei abrufen.

Quelle: https://amt24.sachsen.de

Bäche nicht trocken pumpen

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Die kritischen mittleren Niedrigwasserstände werden derzeit oftmals unterschritten. Kleinstgewässer sind bereits trocken. Fische und andere Wassertiere, auch Pflanzen, sind belastet. Die Selbstreinigungskraft der Gewässer ist stark gemindert, dadurch wachsen vermehrt Algen. Wasserentnahmen mit Pumpen und Ausleitungen an Stauvorrichtungen verstärken die Gefahr der Zerstörung der Gewässerbiozönose.

Die Wasserbehörde fordert daher alle Nutzer von Grundstücken an Gewässern sowie Kleingärtner und Kleingartenvereine auf, mit Wasser äußerst sorgsam umzugehen. Auf keinen Fall darf der Bach durch das Wasserentnehmen austrocknen.

Mit wasserrechtlichem Bescheid zugelassene Wasserentnahmen aus Oberflächengewässern sind einzuschränken oder wenn möglich zu unterlassen. Die Untere Wasserbehörde behält sich vor, Einstellungen bzw. Regelungen im Einzelfall zu verfügen.

Wasserentnahmen, die ohne Erlaubnis im Rahmen des Anliegergebrauchs gemäß §26WHG ausgeübt werden konnten, gelten bei den derzeitigen Verhältnissen mit geringem Abfluss als unzulässig.

Quelle: Landratsamt Meißen

Ähnlich wie in Meißen drehen sich auch in Coswig die Zeiger in den Wasseruhren der Wasser Abwasser Betriebsgesellschaft Coswig mbH (WAB) besonders schnell. Schon im Mai haben knapp 22 000 Coswiger mehr Wasser gebraucht als im Vorjahr – 90 178 Kubikmeter, 2017 waren es 83 329. Die Kurve ist im Juni in ähnlichen Tempo, im Juli allerdings drastisch angestiegen. Wurden im Juli des Vorjahres 71 643 Kubikmeter gezapft, sind es dieses Jahr 102 010 Kubikmeter.

Sicher, im Sommer steigt das Bedürfnis zu Duschen, die Blumen zu gießen immer an. Aber das Verhältnis vom üblichen Jahresverbrauch zum wirklichen in diesem Sommer, mit einer Steigerung um ein Drittel, ist ungewöhnlich.

Gut, dass die WAB-Leute in den letzten Jahren mit neuen Rohrleitungen die Wasserverluste, die zu DDR-Zeiten bis zu einem Drittel ausmachten, auf fünf Prozent gedrückt haben. Auf einem vergleichbaren Niveau bewegt sich Radebeul. Hier sind es nur noch vier Prozent Verluste, sagt Olaf Terno, Geschäftsführer der Wasserversorgung und Stadtentwässerung Radebeul GmbH (WSR GmbH). Übrigens: Zu Wasserverlusten wird auch das Löschwasser der Feuerwehren aus den Hydranten gezählt. Dafür kommt dann die Stadt auf.

Terno hat, wie sein Kollege Jörg Morgenstern in Coswig, die aktuellen Zahlen auf dem Tisch: Rund ein Fünftel mehr verbrauchen die Radebeuler im Vergleich zum Sommer 2017. Im Schnitt fließen aus den Wasserhähnen im Jahr pro Einwohner 38 Kubikmeter, das sind 3,16 Kubikmeter im Monat. Die Endabrechnung für 2018, die im Frühjahr nächsten Jahres gestellt wird, ist demzufolge eine ordentlich höhere.

Von einem neuen Phänomen im Zusammenhang mit der Hitze berichtet unter anderem der Geschäftsführer der Wasserversorgung Riesa-Großenhain Heiko Bollmann. Seinen Angaben zufolge kann der durch Trockenheit verhärtete Boden Schwingungen nicht so gut abfedern. Sein Unternehmen hatte jetzt einige Rohrbrüche. Dabei spiele zudem Korrosion eine Rolle. Trockenheits-Rohrbrüchen waren zuvor bereits aus Leipzig gemeldet worden.

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