• Einstellungen
Freitag, 20.07.2018

Reitsport der Extraklasse im Görlitzer Rosenhof

Von Frank Thümmler

Die 16-jährige Svenja Arndt wird bei ihrem Görlitzer Heimturnier am Start sein.Foto: H.-E. Friedrich
Die 16-jährige Svenja Arndt wird bei ihrem Görlitzer Heimturnier am Start sein.Foto: H.-E. Friedrich

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Dieses Wochenende auf dem Görlitzer Rosenhof steht ganz im Zeichen der Görlitzer Springtage und dem zugehörigen Hoffest, das vor allem Familien anlocken soll. Rein sportlich haben die Görlitzer nach dem Paukenschlag im vergangenen Jahr, als sie aus einem kleinen Springturnier auf einen Schlag das sportlich hochwertigste der Oberlausitz machten, tatsächlich noch einen draufgesetzt. Wie damals versprochen. „Wir haben unser Turnier um einen Tag ausgeweitet, hatten schon am Donnerstag die ersten Prüfungen. Und wir bieten eine S**-Prüfung mehr, neben dem Großen Preis am Sonntag eine weitere am Sonnabendnachmittag“, erklärt Johannes Daume, Geschäftsführer des Rosenhofes. An allen vier Tagen bis Sonntag gibt es außerdem eine S*-Prüfung. So viele hochklassige Prüfungen locken natürlich viele gute Reiter an. Die Starterfelder auch in den höchst anspruchsvollen Felder werden riesig, eine Platzierung zu erringen noch einmal deutlich schwieriger als zum Beispiel beim hochklassigen Pfingstturnier in Horka.

Insgesamt starten an die 300 Reiter am Wochenende in Görlitz. Sogar zwei Hamburger Derbysieger sind darunter – Thomas Kleis und Andre Thieme. Das deutsche Springderby in Hamburg gilt als schwerste Springprüfung der Welt. Mit seinen besonderen Hindernissen wie etwa dem Großen Wall, Pulvermanns Grab oder den Holsteiner Wegesprüngen ist der seit 1920 unveränderte Parcours einer der längsten und schwierigsten im Springreiten. Thomas Kleis gewann 2009. Damals blieb er auf seiner Stute Carassina als einer von nur zwei Reitern im Umlauf fehlerfrei und erreichte das Stechen. Dort unterliefen seinem verbliebenen Kontrahenten viele Fehler, der Mecklenburger ritt den Überraschungssieg souverän nach Hause. Der Mecklenburger André Thieme gewann sogar dreimal in Hamburg: 2007, 2008 und 2011, jeweils auf Nacorde. In der USA gewann Thieme zwei mit jeweils einer Million Dollar dotierte Springen. Wie lockt man solche Reiter nach Görlitz? „Wir haben im vergangenen Jahr eine gute Grundlage gelegt. Unsere Anlage ist toll, und in diesem Jahr haben wir sie noch einmal verbessert, die Drainage überarbeitet, den Sand erneuert. Das spricht sich unter den Reitern herum. Thomas Kleis war ja schon 2017 da. Und wir vom Rosenhof putzen förmlich Klinken, nehmen auch Kontakt zu Reitern auf, werben für unser Turnier“, erklärt Daume. Geld kann dabei nicht das Argument sein.

Zwar werden auch in Görlitz einige Tausend Euro ausgeschüttet (der Große Preis am Sonntag zum Beispiel ist mit fast 5 000 Euro dotiert), aber das sind Reiter wie Thieme und Kleist auch von anderen Turnieren gewohnt, wo meist noch deutlich mehr Preisgeld winkt. Laut Daume spielt auch die Atmosphäre auf dem Rosenhof mit den tollen Partys (am Freitag Shisha-Abend, am Sonnabend Reiterparty) eine wichtige Rolle.

Der Fokus liegt aber natürlich trotzdem auf dem Sport. Und dass die Hamburger Derbysieger auch in Görlitz ganz vorn sein werden, ist keineswegs sicher. Erstens ist gerade der Reitsport unberechenbar – schnell fällt doch mal eine Stange oder wird das Risiko eines schnellen Rittes eines Konkurrenten belohnt – und zweitens ist die Konkurrenz auch diesmal groß. Auch Vorjahressieger Max-Hilmar Borchert, der damals als erster Reiter im Stechen des Großen Preises mit einem superschnellen und fehlerfreien Ritt die Konkurrenz schockte, wird wieder dabei sein. „Ich habe ihn zwar nur auf seinem Mähdrescher sitzend erreicht, er hat aber doch noch kurzfristig zugesagt“, freut sich Daume. Und auch die besten regionalen Reiter werden versuchen, in die Entscheidungen einzugreifen. Der Rothenburger Philipp Schober wird genauso an den Start gehen wie sein Schützling Marvin Jüngel und das Görlitzer Talent Svenja Arndt. Mindestens diese drei werden auch in den schweren Prüfungen starten, andere vielleicht in den zahlreichen „leichteren“ Springen.

Zeitplan: https://www.rosenhof-goerlitz.eu/