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Mittwoch, 11.07.2018

Rein in die Innenstadt

Filialisten ziehen Leute ins Zentrum. Deshalb sind sie gerngesehene Geschäftsleute.

Von Birgit Ulbricht

Tom Quenstedt ist Wirtschaftsförderer von Großenhain. Eine belebte Innenstadt ist ihm ganz wichtig – als Aushängeschild für die Wohnstadt Großenhain, aber auch für ein florierendes Alltagsleben.
Tom Quenstedt ist Wirtschaftsförderer von Großenhain. Eine belebte Innenstadt ist ihm ganz wichtig – als Aushängeschild für die Wohnstadt Großenhain, aber auch für ein florierendes Alltagsleben.

© Kristin Richter

Großenhain. Als das Kunststoffkompetenz- zentrum PTFE am Flugplatz vor den Schulferien zum ersten Sommerfest einlud, war schnell klar – dieser Grundstücksverkauf vor gut drei Jahren war die letzte Unternehmensansiedlung in Großenhain. Seitdem hat es einen Grundstückstausch gegeben, Gespräche über Neuansiedlungen und vor allem über Dauerthemen wie Breitband. Verkauft worden sind keine weiteren Gewerbegrundstücke. Was läuft also?

Das Umfeld der Wirtschaftsförderung hat sich verändert, erst recht, seit der Freistaat den 230 Hektar großen Industriepark-Nord mit 150 Hektar bebaubarer Fläche, vorbereitet. Im September/Oktober soll der Bebauungsplan dem Großenhainer Stadtrat vorgelegt werden. Da ist also richtig Bewegung im Thema, auch wenn das hier vor Ort beim Bürger kaum wahrnehmbar ist – beim Freistaat arbeitet ein großer Planungsstab aus verschiedenen Fachgebieten am Großprojekt „Großenhain“.

Da nehmen sich die Themen von Wirtschaftsförderer Tom Quenstedt höchst lokal aus, allerdings nur auf den ersten Blick. Dauerfragen nach schnellen Internetanschlüssen, leer stehende Läden oder die Suche nach Erweiterungsfläche für bestehende Betriebe sind Alltagsthemen, die nahezu jede Stadt hat und die längst zu den ganz großen Sorgen der Kommunen gehören. Allen voran der Leerstand in den Innenstädten, dem sich Gemeinden und Städte mit unterschiedlichsten Mitteln entgegenstemmen. Ein Euro Laden-Miete pro Quadratmeter im ersten Jahr bei einer tollen Geschäftsidee – damit versucht es jetzt zum Beispiel Meißen.

Eine Idee, die vor Jahren schon einmal in Großenhain diskutiert wurde, wie Henner Ruscher von Sport-Ruscher bestätigt. Allerdings fand sich nicht die Resonanz, um die Idee umzusetzen. Ruscher sieht eher das Internetgeschäft als zwingendes Standbein der Großenhainer Geschäfte. „Wer in paar Jahren noch offline arbeitet, wird sich nicht halten“, lautet seine Prognose. Es sei denn, der Laden bedient ein ganz spezielles Interesse.

Ein Geschäft zu „meinem Laden“ zu machen, darin besteht die größte Herausforderung. Wenn erst der Generationswechsel ins Haus steht, ist es zu spät, damit erst zu beginnen. Der Wirtschaftsförderer könne dabei helfen, Geschäfte online besser an den Start zu bringen. Tom Quenstedt verspricht sich von einer Ein-Jahresaktion auch nicht so langfristige Effekte.

Er setzt lieber auf ein gleichbleibend einkaufsfreundliches Umfeld mit Parken in der Innenstadt und sogenannte Ankergeschäfte. Das sind Filialisten wie Ernstings Family, Thalia oder dm, die Leute in die Innenstadt ziehen und damit auch anderen Geschäften Laufkundschaft bringen. Die wolle man natürlich unbedingt in der Innenstadt halten. Ein offenes Ohr für Alltagssorgen zu haben, gerät da schnell zum Tagesgeschäft eines Wirtschaftsförderers. Das offene Ohr wird die Stadt auch demnächst bei ihren Bürgern haben.

Denn wenn sich die Stadt ein Leitbild gibt, werden nicht nur die Stadtplaner ein Wörtchen mitreden, sondern auch der Mann, die Frau auf der Straße. Wie sehen sie ihre Stadt? Was ist Großenhain für sie und was kann die Röderstadt gut? Wirtschaftsförderer Tom Quenstedt ist schon gespannt, ob sich die Antworten von Fachleuten und Einwohnern ähneln werden. Ein Wort dazu sagen sollen künftig auch regelmäßig Großenhainer Unternehmer – wenn auch in interner Runde am Stammtisch. Zuletzt ging es da um Fachkräftemangel, auch das ist ein Thema, über das man sich untereinander austauschen kann. Am liebsten wäre der Stadt aber, wenn mehr Firmen ein „Made in Großenhain“ nach außen tragen würden. Denn Mund-zu-Mund-Propaganda, das weiß die Stadt ganz genau, ist immer noch die beste Werbung im Ansiedlungsgeschäft.