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Donnerstag, 09.08.2018 Kommentar

Realismus statt Ignoranz

Ein Kommentar von SZ-Redakteurin Andrea Schawe über die Situation in Sachsens Schulen.

Andrea Schawe
Andrea Schawe

© Thomas Schlorke

Der Tiefpunkt ist erreicht. Der viel bemühte Satz, dass zu Schulbeginn vor jeder Klasse ein Lehrer stehen wird, gilt nicht mehr. Zum ersten Mal ganz offiziell: Es fehlen 230 Lehrer, um den Bedarf zu decken. Nun liegt es am Landesamt, möglichst flexibel zu organisieren, dass an so wenigen Schulen wie möglich Unterricht ausfällt. Mit den „Hypotheken der Vergangenheit umgehen“, nennt das Kultusminister Christian Piwarz.

Und die sind riesig. Jahrelang hat Sachsens CDU eine Bildungspolitik betrieben, die völlig an der Realität vorbeiging. Schon als es absehbar war, dass mehr Lehrer gebraucht werden, wollte das in der CDU niemand hören. Reagiert haben weder die Kultusminister Matthias Rößler noch Steffen Flath. Selbst Roland Wöllers konsequenter Rücktritt brachte in der CDU kein Umdenken. Als Brunhild Kurth die Not endlich erkannte, scheiterte sie immer wieder im Kampf mit einen Finanzminister, der stur wichtige Investitionen blockierte. Erst Frank Haubitz – der unbequeme und unkonventionelle Parteilose – konnte die CDU wachrütteln.

Mit Christian Piwarz scheint im Kultusministerium nun mehr Realismus eingezogen zu sein. Es bleibt abzuwarten, ob er das durchhält. Von einem „abgesicherten Schuljahr“ spricht heute jedenfalls keiner mehr. Stattdessen macht Piwarz klar, dass Sachsen sich bewegen muss, wenn es sein Bildungssystem retten will. Die Verbeamtung kann erst in Zukunft Wirkung zeigen. Die bessere Bezahlung der Grundschullehrer zahlt sich aber schon aus.

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