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Mittwoch, 13.06.2018

Radsportler setzen auf Präzision

Von Steffen Gerhardt

Andreas Görnitz (links) führt die Firma Saxonar in Nieder Seifersdorf. Mitgründer und Geschäftspartner Marco Rockstroh vertreibt die Fahrrad-Leistungsmesser unter dem Namen power2max. Sie werden in das Fahrrad-Tretlager eingesetzt. Foto: André Schulze
Andreas Görnitz (links) führt die Firma Saxonar in Nieder Seifersdorf. Mitgründer und Geschäftspartner Marco Rockstroh vertreibt die Fahrrad-Leistungsmesser unter dem Namen power 2 max. Sie werden in das Fahrrad-Tretlager eingesetzt. Foto: André Schulze

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Marco Rockstroh hat sein Rennrad immer dabei, auch wenn es in seinem Auto verstaut ist. „Ich bin ein leidenschaftlicher Radsportler“, sagt der 52-jährige Unternehmer. Er bringt es auf zehn- bis zwölftausend Kilometer im Jahr. So viel legt mancher Autofahrer motorisiert zurück. „Ich fahre aus Berufsgründen Fahrrad“, sagt er heute. Denn Marco Rockstroh ist für den Vertrieb eines Produktes verantwortlich, das seit zehn Jahren in Nieder Seifersdorf von Hand hergestellt wird: ein Leistungsmesser für Radsportler. Dieser misst in Watt an der Verbindung zwischen Kettenblatt und Tretkurbel die Kraft, mit der der Radsportler in die Pedale tritt. Unter dem Markennamen „power 2 max“ wird das Gerät weltweit vertrieben. Das übernimmt Marco Rockstroh mit seiner in Zossen ansässigen Firma.

Dritte Generation des Gerätes

Für die Produktion dieses Messgerätes ist Andreas Görnitz zuständig. Als Geschäftsführer der Firma Saxonar hat er den Hut auf für die Entwicklung und Produktion. Am 6.  Juni vor zehn Jahren erfolgte der Eintrag der Firma. Inzwischen beschäftigt sie 23 Mitarbeiter, die die Geräte entwickeln und fertigen. Saxonar ist mit der dritten Generation ihres Leistungsmessers am Markt. „Das Neue ist, dass sich das Messgerät über eine App steuern lässt und man es individuell auf seine Bedürfnisse anpassen kann“, erklärt Andreas Görnitz. Das ist für den Kunden auch eine Frage des Geldes. Je mehr Funktionen der Radsportler nutzt, umso teurer wird es für ihn.

Dass sich mit einem Artikel über Jahre gutes Geld verdienen lässt, das zeichnete sich vor zehn Jahren so noch nicht ab. „Wir hatten das richtige Produkt zur richtigen Zeit“, sagt Marco Rockstroh rückblickend. „Und wir haben es stetig weiterentwickelt.“ Denn mit einem Kampfpreis haben die Nieder Seifersdorfer den Markt aufgemischt. Kostete ein Leistungsmesser zwischen 1 000 und 2 000 Euro, so boten die Nieder Seifersdorfer ihn für knapp 700 Euro an. Ob sich die Firma damit halten wird, war nicht nur eine Frage der Kunden, sondern auch der beiden Geschäftsführer.

Inzwischen haben auch andere Hersteller erkannt, dass für Leistungsmesser im Radsport ein enormer Bedarf da ist und produzieren ebenfalls ihre eigenen Systeme. Was zur Folge hat, dass der Preis für den power 2 max auf unter 500 Euro gefallen ist – für das Grundgerät. „Auffangen können wir den Preisfall nur über die Stückzahl“, sagt Görnitz. Wie viele dieser Geräte im Jahr Nieder Seifersdorf verlassen, darüber schweigen beide Unternehmer. „Von anderen Firmen wissen wir es auch nicht“, sagt Rockstroh. Aber er rechnet vor: In Deutschland gibt es schätzungsweise rund 200 000 ambitionierte Radsportler. „Ein Zehntel dürfte sich inzwischen so ein Leistungsmessgerät zugelegt haben. Der Markt bietet also noch große Chancen“, ist Marco Rockstroh überzeugt. Diese will Saxonar weiter für sich nutzen. Der Vertrieb erfolgt über Fachhändler beziehungsweise über das Internet mit dem eigenen Online-Shop. Hinzu kommt, dass einige Angestellte im Homeoffice arbeiten, also am Computer zu Hause.

Dabei kommt Andreas Görnitz auf die Probleme zu sprechen, die sein Unternehmen hat. „Der Online-Handel funktioniert nur mit einem starken Breitband. Das ist in Nieder Seifersdorf nicht immer gegeben“, so der Geschäftsführer. Erst jüngst war durch einen Stromausfall auch seine Firma offline. Zwar sorgt ein privater Anbieter aus Hagenwerder dafür, dass das Internet in Nieder Seifersdorf genutzt werden kann. Aber Andreas Görnitz vermisst eine dauerhafte Lösung mit Glasfaserkabel. „Manches asiatische Land ist da schon weiter als wir in Deutschland“, ist seine Erfahrung.

Keine Zehn-Jahres-Prognose

Um am Markt weiterhin mitreden zu können und einfach zu bedienende, aber präzise und zuverlässige Fahrrad-Leistungsmesser anbieten zu können, muss auch in deren Entwicklung investiert werden. Andreas Görnitz spricht dabei von Fachkräften, die gesucht werden. „Ein Ingenieurabschluss ist uns wichtig, ebenso das Beherrschen der englischen Sprache“, betont der Firmenchef. Hinzu kommt, dass in der Firma sehr komplexe Entwicklungswerkzeuge vorhanden sind, die einer besonderen Schulung bedürfen. „In der Regel dauert die Einarbeitungszeit ein Jahr bei uns.“ Deshalb setzt Andreas Görnitz auf einen festen Mitarbeiterstamm. „In den zehn Jahren hatten wir bisher kaum Fluktuation, und wenn, waren es persönliche Gründe, die zum Ausscheiden führten.“

Ob Saxonar personell weiter wachsen wird, hängt vom Marktgeschehen ab. Eine Prognose, wo sie in zehn Jahren stehen, wollen beide Unternehmer nicht abgeben. „Das haben wir auch vor zehn Jahren nicht gemacht, als wir beide begannen, unser Produkt in den Markt zu bringen“, sagt Marco Rockstroh. Auch wenn sie die jährliche Stückzahl in den letzten acht Jahren verzehnfacht haben, wissen beide, dass „die See rauer geworden ist“. An Deck bleibt man nur, wenn sich die Nieder Seifersdorfer innovativ und mit Qualität dem Weltmarkt stellen. Aber jetzt haben sie erst einmal einen Grund zum Feiern: das Zehnjährige von Saxonar. Das wurde am letzten Freitag, dem 8. Juni, bei einer nicht öffentlichen Betriebsfeier gewürdigt.

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