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Freitag, 09.11.2018

Radeberger Schneiderin kleidet Schoko-Prinzessin ein

Ines Günnel hat in ihrem Atelier ein ungewöhnliches Kostüm angefertigt. Am Wochenende ist es erstmalig offiziell zu sehen.

Von Thomas Drendel

Michelle Klinkenberg (li.), Konditor-Azubi im 3. Lehrjahr hat sich in eine Schokoladen-Prinnzessin verwandelt. Das Kleid hat Maßschneidermeisterin Ines Günnel aus Radeberg angefertigt.
Michelle Klinkenberg (li.), Konditor-Azubi im 3. Lehrjahr hat sich in eine Schokoladen-Prinnzessin verwandelt. Das Kleid hat Maßschneidermeisterin Ines Günnel aus Radeberg angefertigt.

© Sebastian Kahnert/dpa

Radeberg. Das berühmte Schokoladenmädchen auf dem Gemälde von Jean-Étienne Liotard in der Dresdner Gemäldegalerie kennt jeder: Die junge Frau trägt einen Rock mit Schürze, hellbraunes Oberteil und rosa Haube. Jetzt bekommt das weltberühmte Kleid einen Nachfolger: Modern, schick und aus ganz ungewöhnlichem Stoff. Angefertigt hat es die Radeberger Schneidermeisterin Ines Günnel.

„Ja, das war schon ein besonderer Auftrag vom Entwurf her und auch der Stoff war nicht ganz alltäglich“, sagt sie. Der Rock ist genaugenommen eine Hose. „Die ist aber so weit geschnitten, dass sie wie ein Rock aussieht.“ Das Oberteil besteht aus einer Corsage mit einem riesigen kunstvoll gefalteten Kragen. Für besondere Aufmerksamkeit dürfte der Gürtel sorgen. Der scheint aus Schokolade zu bestehen: dunkelbraun und leicht glänzend fließt die süße Leckerei quasi von den Hüften des Schokoladenmädchens.

„Der Entwurf stammt ja von zwei Design-Studenten der Fachhochschule Dresden. Wir haben ihn bei uns im Atelier umgesetzt. Auf das Material, das ja zu großen Teilen aus Kunststoff besteht, mussten wir uns erst einmal einstellen. Als wir dann wussten, wie er zu nähen ist, klappte das sehr gut.“ Herausgekommen ist ein Kostüm, das an eine Märchenprinzessin erinnert. Tragen wird das maßgeschneiderte Kleidungsstück Michelle Klinkenberg. Sie ist angehende Konditorin im dritten Lehrjahr und das „Gesicht“ des ersten Schokoladen-Festivals, das am Wochenende im Dresdner Zwinger stattfindet. „Sie wird ähnlich wie das Stollenmädchen oder die Weinkönigin für ihre Produkte für die Schokoladenstadt Dresden werben“, sagt Ines Günnel. Denn das sei etwas in Vergessenheit geraten.

In Dresden wurde schließlich die Vollmilchschokolade erfunden. Auch die erste Schokoladenfabrik Deutschlands stand in der Stadt. Gottfried Heinrich Christoph Jordan und August Friedrich Timaeus gründeten 1823 die „Chocolade- und Cichorienfabrik Jordan Timaeus“. Das ist dann aber nicht der einzige Termin, bei dem Radeberger Schneiderkunst bewundert werden kann. „Das Schokoladenmädchen wird beispielsweise beim Semperopern-Ball und der Grünen Woche, also der internationalen Agrar-Ausstellung in Berlin dabei sein.“