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Donnerstag, 08.11.2018

Probleme mit Temposchildern am Waldschlößchen

An der Neustädter Tunnelzufahrt gibt es Zeichen, die schnell übersehen werden. Das ärgert Fahrer und füllt die Stadtkasse.

Von Peter Hilbert

Direkt vor der Waldschlößchenbrücke: Kraftfahrer auf der Einfädelspur müssen im Rückspiegel nicht nur den Verkehr aus dem Haupttunnel beachten, sondern binnen Sekunden auch sehen, wie schnell sie fahren dürfen.
Direkt vor der Waldschlößchenbrücke: Kraftfahrer auf der Einfädelspur müssen im Rückspiegel nicht nur den Verkehr aus dem Haupttunnel beachten, sondern binnen Sekunden auch sehen, wie schnell sie fahren dürfen.

© Rene Meinig

Andreas Reuther freut sich, dass es die Waldschlößchenbrücke gibt, und fährt oft darüber. Wenn er von seinem Wohngebiet am Weißen Hirsch über die Bautzner Straße dorthin kommt, muss er den Nebentunnel nutzen, um zur Johannstädter Elbseite zu fahren.

Doch dort gibt es eine Tücke. Auf der Einfädelspur zur Brücke müsse er den von hinten kommenden Verkehr aus dem Haupttunnel beachten. Und schon auf der Hälfte dieses Fahrstreifens stehen die Temposchilder, die anzeigen, ob 50 oder 30 Stundenkilometer gefahren werden dürfen. „Da habe ich gerade mal zwei Sekunden, um alles zu erfassen. Das ist viel zu wenig“, schildert der 71-Jährige die Situation.

Das Tempo-30-Limit gilt zum Schutz der Fledermäuse in den Nächten zwischen April und Oktober. Das war vor dem Bau der Waldschlößchenbrücke vom Oberverwaltungsgericht Bautzen festgelegt worden. Seit der Brückeneröffnung im August 2013 sind schon rund 100 000 Kraftfahrer geblitzt worden. Davon fuhr mit fast 77 000 der größte Teil aus dem Neustädter Tunnel in Richtung Altstadt. Durchs Blitzen konnte die Stadt bereits etwa 3,3 Millionen Euro Verwarnungs- und Bußgelder einnehmen.

Kraftfahrer Reuther sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen den nur kurz erkennbaren Temposchildern und den hohen Blitzereinnahmen und fordert eine Veränderung. „Die Wechselverkehrszeichen dürfen erst hinter dem Ende der Einordnungsspur stehen. Erst ab dort hat man die Möglichkeit, konzentrierter nach vorn zu schauen“, sagt er.

Doch Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz sieht keine Möglichkeit dafür. Die Erkennbarkeit dieser Verkehrszeichen sei mehrmals, auch zu unterschiedlichen Tageszeiten geprüft worden. „Es wurde festgestellt, dass der Standort zwar nicht optimal, jedoch verkehrsrechtlich eindeutig und vor dem Einordnen auf die Brückenfahrbahn erkennbar ist“, erklärt er. Um die Schilderbrücke zu versetzen, müsste der Auslegermast mit dem erforderlichen Fundament und der Verkabelung auf dem Brückenbauwerk untergebracht werden. Baulich bestehe aber dafür keine Möglichkeit.

Doch Reuther will nicht klein beigeben. Die hohen Blitzereinnahmen von Kraftfahrern aus Richtung Tunnel sieht er nicht als Zufall. Er drängt weiter auf die Veränderung, damit Kraftfahrer eine Chance haben, und hat schon an den OB geschrieben.

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