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Donnerstag, 14.06.2018

Proben, bis Dornröschen erwacht

Tschaikowskys Ballett von der schlafenden Schönen ist anspruchsvoll. Das Tanzstudio Freital zeigt es für Kinder.

Von Dorit Oehme

Antonia, Julia und Cara proben mit Cornelia Pritzl (v. l.) für das Ballett „Dornröschen“ im Freitaler Stadtkulturhaus.
Antonia, Julia und Cara proben mit Cornelia Pritzl (v. l.) für das Ballett „Dornröschen“ im Freitaler Stadtkulturhaus.

© Andreas Weihs

Freital. Viele Trinkflaschen liegen neben der Bühne. Diese Probe wird lang. Bisher haben die Vier- bis 17-Jährigen des Tanzstudios Freital in Gruppen für ihr Ballett „Dornröschen“ trainiert. Nun erleben sie auf der Hauptbühne des Freitaler Stadtkulturhauses, wie es zusammenwächst. Am 17. Juni feiert das Stück dort Premiere.

Antonia und die anderen guten Feen schweben im Prolog auf die Bühne. Kurz darauf müssen sie am Bildrand Präsenz zeigen. „Bleibt in Form. Ihr seid sichtbar“, ruft Cornelia Pritzl den Mädchen zu. Die Tanzlehrerin und Chefin des Vereins prüft mit Choreographin Julija Rusevica viele Details: Ob die Raumaufteilung passt, die Tänzerinnen synchron arbeiten und die Haltung stimmt. Dramaturgin Aurélie Lafaye verbindet die Einzeltänze zum Ganzen.

In der Pause sagt die 17-jährige Antonia: „Ich bin über meine beste Freundin dazu gekommen. Erst habe ich zugeschaut. Mit zwölf fing ich im Tanzstudio an.“ In der Freizeit zu tanzen, gefalle ihr. Doch Ballerina wolle sie nicht werden. Schon Vierjährige bekommen im Verein Tanzunterricht. Ab sechs Jahren beginnt die klassische Ballettausbildung. Ab der dritten Klasse gibt es auch Förderunterricht. „Am Rand werden schon mal Talente entdeckt, die dann an die Palucca-Schule gehen. Das passiert jedoch selten. Die meisten werden keine professionellen Tänzerinnen. In unserem Verein können sie aber Ballett leben“, sagt Cornelia Pritzl.

Mit zwei Schnupperstunden beginnt meist der Kontakt. „Meiner Tochter Enya war der Schulsport in der ersten Klasse nicht genug. Wir schauten, was geeignet wäre. Hier fing sie nach dem Probeangebot an“, sagt Anja El-Hachadi. „Ich freu mich. Bald kann ich auf Spitze tanzen“, verrät Enya. Dann fotografiert sie eine Szene mit dem Handy. „Sie soll für die Schule über einen wichtigen Tag berichten. Dazu nutzt sie diesen“, sagt ihre Mutter.

Auf der Bühne tanzt die angehende Tanzpädagogin Julija Rusevica als böse Fee „Carabosse“ mit ihrer Mäuseschar. Anja El-Hachadi bringt das schwarze Kleid und den Umhang. Die Mutter bringt sich kreativ ein. Sie benäht Kostümrohlinge mit Details und kümmert sich um den Bau von Requisiten. Mit anderen Eltern wird sie auch den Rosenvorhang und die Kulisse für den Schlosshof gestalten.

„Bei ‚Dornröschen‘ muss alles glänzen und glitzern“, sagt Cornelia Pritzl und lacht. Die 41-Jährige ist staatlich geprüfte Bühnentänzerin, sie trat auch in „Dornröschen“ auf. „Normalerweise dauert das Stück mindestens drei Stunden“, sagt sie. Das Tanzstudio zeige eine einstündige Fassung, die für Zuschauer ab vier Jahre geeignet sei. „Wir würden uns freuen, wenn viele Einzelbesucher und Gruppen kämen. Auch für Jugendliche ist es interessant“, wirbt die siebenfache Mutter.

Das Grimm-Märchen um das schlafende Dornröschen ist im Ballettstück ein wenig versteckt. Peter Tschaikowsky komponierte seine Musik zur Originalversion des Franzosen Charles Perraults. Zur Hochzeitsfeier sind sogar Rotkäppchen und der Wolf dabei. Doch vorher muss Dornröschen auch in Freital erwachen.

Ballett „Dornröschen“: 17. Juni, 17 Uhr, und 18. Juni, 9.30 Uhr, im Stadtkulturhaus Freital, Großer Saal. Eintritt: Kinder 4-15 Jahre: 7 Euro; ab 16 Jahren: 9 Euro. Gruppen ab 10 Personen: 4 Euro pro Besucher.