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Montag, 11.06.2018

Prävention wirkt!

Zu diesem Schluss kommt das Gutachten zum 23. Deutschen Präventionstag. Daraus werden Forderungen an Politik, Wissenschaft und Fachpraxis abgeleitet.

Von Birgit Hilbig

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© Sebastian Burkhardt, Birgit Hilbig

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„Dass die Gewaltkriminalität in den letzten zehn Jahren deutschlandweit zurückgegangen ist“, sagt Professor Dirk Baier von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, „hat zweifellos mit den vielen engagierten Präventionsinitiativen zu tun.“ Zu diesem Schluss kommt Baier in seinem Gutachten zum 23. Deutschen Präventionstag, der unter dem Thema „Gewalt und Radikalität“ steht. Deshalb soll von dem Kongress in Dresden vor allem eine Botschaft ausgehen: Prävention wirkt und braucht noch mehr Aufmerksamkeit und Förderung. „Eine positive Tendenz darf nicht zum Aufhören verführen“, so der Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention weiter. „Denn zum einen kehrt sich der Trend sonst ganz leicht wieder um, und zum anderen müssen die Erfahrungen und Strukturen erhalten bleiben, um relativ neuen Phänomenen begegnen zu können.“ Solche seien aktuell beispielsweise das Reichsbürgertum und die islamistische Radikalisierung.

Werbung für Demokratie

Diese Phänomene zeigten, dass sich Teile der Bevölkerung immer mehr von der Demokratie distanzieren. „Gegensteuern kann man, indem man die Demokratiebildung und die Werbung für Demokratie intensiviert“, sagt Baier. „Und wie bei allen Formen der Prävention muss man auch schauen, welche Gruppen eine besondere Zuwendung brauchen – hier zum Beispiel junge Leute mit schlechten Bildungs- und Erfolgschancen.“ Das Gutachten zum diesjährigen Präventionstag mündet in die Dresdner Erklärung, die entsprechende Forderungen und Empfehlungen an Politik, Wissenschaft und Fachpraxis formuliert. So müssten Ursachen und Verläufe von Radikalisierungen stärker wissenschaftlich untersucht werden, um wirksame Präventionsmaßnahmen in der erforderlichen Bandbreite zu entwickeln. „Prävention von Gewalt und Radikalisierung muss sich verstärkt darum bemühen, Angehörige von sozial benachteiligten Randgruppen zu erreichen“, heißt es weiter. „Gesellschaftliche Integration und Partizipation einerseits und demokratische Bewusstseinsbildung andererseits müssen zentrale Ziele sein.“ Wie bei jeder Form der Prävention sei es auch hier unerlässlich, dass international und national alle Ebenen involviert sind – doch konkret umgesetzt werde Präventionsarbeit immer vor Ort. In der Kinder- und Jugendarbeit, vor allem aber an den Schulen, solle „Begegnung gefördert, der Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt erlernt und Demokratiebildung betrieben werden.“ Die Weiterentwicklung der Präventionsarbeit setze gemeinsame Anstrengungen aller Akteure aus Bund, Land und Kommunen, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Präventionspraxis voraus. Dazu gehöre auch, die Maßnahmen und Programme regelmäßig auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. „Wir freuen uns, dass es uns gelungen ist, die Dresdner Erklärung vor Kongressbeginn zu veröffentlichen“, sagte Erich Marks, Geschäftsführer des Deutschen Präventionstages, gestern vor der Presse. „Vor allem die Präventionsforschung braucht mehr Aufmerksamkeit, bessere Datengrundlagen und eine bessere finanzielle Ausstattung.“ Die Wissenschaftler wiederum müssten ihre Erkenntnisse so zusammenfassen, dass sie für die Politik nachvollziehbar und für die Praxis greifbar seien.


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