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Dienstag, 20.09.2016

Porzellan international

Bei der am Sonntag beendeten ersten Porzellan-Biennale haben Künstler das Weiße Gold jenseits von Tisch und Tafel gezeigt – mit viel Geschmack.

Von Udo Lemke

Hart an der physischen Grenze des Materials Porzellan: Die Gefäße des Schweizers Arnold Annen vereinen größte Leichtigkeit und Durchscheinbarkeit in sich.
Hart an der physischen Grenze des Materials Porzellan: Die Gefäße des Schweizers Arnold Annen vereinen größte Leichtigkeit und Durchscheinbarkeit in sich.

© Katalog

Meißen. Uwe Michel ist zufrieden. Besucher aus ganz Deutschland, aus Europa, aber auch aus Korea, Japan und den USA waren nach Meißen gekommen. Sicher nicht nur wegen der ersten Porzellan-Biennale, aber auch wegen ihr. Denn die Schau zeitgenössischer Porzellan-Kunst ist in der Fachpresse beachtet worden. „Es ist die Internationalität, die wir uns für die Albrechtsburg wünschen, wir wünschen uns, das in Meißen der Kosmos geöffnet wird“, erklärt der Leiter des staatlichen Schlossbetriebes.

Diese Internationalität zeigte sich nicht nur anhand der Besucher, sondern auch anhand der Aussteller. Denn die eingeladenen Künstler kamen nicht nur aus Meißen und Deutschland, sondern auch Italien, den Niederlanden, Polen, Russland, der Schweiz und der Ukraine. Dass sich Porzellankünstler auf aller zwei Jahre wiederkehrenden Ausstellungen präsentieren können, ist in Asien nichts Außergewöhnliches. Hierzulande ist es nicht selbstverständlich. Was lag näher, als dem zeitgenössischen Porzellan auf der Albrechtsburg ein Forum zu eröffnen? Hier, wo vor gut 300 Jahren die erste europäische Porzellan-Manufaktur zu Hause war.

Was die Biennale auf der Albrechtsburg ausgemacht hat, ist der Umgang mit dem Werkstoff Porzellan. Dabei ging es den 25 ausstellenden Künstlern weniger um die klassische Bestimmung des Weißen Goldes für Tisch und Tafel, als vielmehr um Porzellan als Medium künstlerischer Auseinandersetzung, ja, auch um experimentelle Wege ins 21. Jahrhundert. Es sei wohltuend gewesen, Werke zu sehen, deren Schöpfer nicht in Ehrfurcht vor dem Material erstarrt seien, sondern frisch und frei damit umgehen, erklärt Uwe Michel.

Er nennt als Beispiel die Russin Lidia Valenta, die klassische Vasenformen nimmt und sie mit modernen Mustern verfremdet, etwa einem QR-Handy-Code, oder Vorhängeschlösser an die Vasenhenkel anbringt. Der Italiener Paolo Porelli schafft menschliche und menschenähnliche Figuren, ohne sie zu glasieren oder zu bemalen, sodass der Rohstoff des Porzellans sichtbar bleibt und zugleich nichts von ursprünglichen menschlichen Bewegungs- und Verhaltensformen ablenkt. Die Ukrainerin Janina Myronova bringt dreidimensionales Porzellan und zweidimensionale Zeichnung zusammen, etwa, wenn sie die Köpfe von Figuren modelliert, die Körper aber zeichnet.

Zufrieden ist Uwe Michel auch mit dem Besuch der Biennale. Zwar klingt 2 600 Besucher nicht viel im Vergleich zu Bier- und anderen Ausstellungen, wo es bei zehntausend Eintritten losgeht. Aber für eine Schau zeitgenössischer Kunst sei das richtig gut. Zudem sei das Gros der Besucher von der Leichtigkeit der Schau angetan gewesen. Das kann der Autor dieser Zeilen bestätigen: Es hat einfach Spaß gemacht, die witzigen Handschriften, die ungewöhnlichen Formenexperimente und erstaunlichen Materialerkundungen zu sehen. Davon gern mehr!

Das wird kommen, erklärt Burgherr Uwe Michel. Gemeinsam mit dem Verein zur Förderung zeitgenössischer Porzellankunst wird es 2018 die zweite Porzellan-Biennale in Meißen geben. Die Suche nach weiteren Partnern dafür läuft bereits. Dann soll wiederum wirken, was Vereinschef Olaf Fieber als Faszination des Werkstoffs Porzellan bezeichnet.

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