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Freitag, 15.06.2018

Plötzlich Wirt

Eigentlich waren Lana und Christian nur auf der Suche nach einem Häuschen. Jetzt leiten sie den Gasthof Uttewalde.

Von Nancy Riegel

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Christian Dähn und Svetlana Ignat vor ihrem neuen Zuhause und Arbeitsplatz, dem Gasthof im Lohmener Ortsteil Uttewalde.
Christian Dähn und Svetlana Ignat vor ihrem neuen Zuhause und Arbeitsplatz, dem Gasthof im Lohmener Ortsteil Uttewalde.

© Daniel Schäfer

Im Hinterhof haben sie einen gemütlichen Sitzbereich eingerichtet.
Im Hinterhof haben sie einen gemütlichen Sitzbereich eingerichtet.

© Daniel Schäfer

Der Gastraum ist erst einmal so geblieben. Perspektivisch soll dieser, wie auch andere Räume, modernisiert werden.
Der Gastraum ist erst einmal so geblieben. Perspektivisch soll dieser, wie auch andere Räume, modernisiert werden.

© Daniel Schäfer

Uttewalde. Wie es eben manchmal so kommt. An dem einen Tag ist man noch stellvertretender Küchenchef in einem noblen Restaurant in London. Schwuppdiwupp, ist man Gasthof- und Pensionsbesitzer im Lohmener Ortsteil Uttewalde. 8,8 Millionen Einwohner versus 100 Seelen. Dauerbeschallung versus Grillenzirpen. Metropole versus bäuerliches Waldhufendorf. Christian Dähn und Svetlana Ignat wollen es genau so.

Naja, vielleicht nicht ganz. „Eigentlich haben wir online nur nach einem Haus im Grünen gesucht und sind dabei auf den Gasthof in Uttewalde gestoßen“, erzählt die 29-jährige Svetlana, Lana genannt. Im Dezember 2017 hatte der bisherige Besitzer Gunter Puckler den Betrieb eingestellt und ging in den Ruhestand. Zwei Monate später übernahm das junge Paar das Grundstück samt Gasthof, Pension und großem Garten. In einer Einliegerwohnung sind sie selbst untergekommen. „Wir waren zuvor nie hier gewesen, wir sind nicht so die großen Wanderer“, sagt Christian leicht entschuldigend.

Dafür war der gebürtige Ohorner schon an vielen anderen Orten der Welt. In Dresden lernte er, in der Schweiz fror er, bekam, zurück in Dresden, Heiratsanträge für sein göttliches Tiramisu, genoss eine Stelle in Bayern, flog ins Land der Kängurus und Surfer, Australien. Der Kochlöffel blieb zunächst im Rucksack. Echte, ehrliche Arbeit wollte er verrichten, pflückte Mandarinen, grub Ananasse aus, verkaufte reflektierende Hausnummern. Und merkte bald, dass er mit dem Kochen doch am besten fährt. Er hätte sogar dortbleiben können, am anderen Ende der Welt, denn er bekam eine Förderpatenschaft angeboten. Doch so nett die Leute Down Under sind; die deutsche Pünktlichkeit vermisste er zu sehr.

Wo die Hummeln summen

Also: zurück nach Dresden. Aber nicht für lange, es geht weiter nach London. Hier müssen wir Stopp machen, denn hier tritt eine wichtige Person in Christians Leben, Freundin und Geschäftspartnerin Lana. Die hübsche Moldawierin spricht vier Sprachen und arbeitete an der Rezeption, während Christian die Messer in der Küche wetzte. Die Liebe war entflammt und London irgendwie doch zu weit weg von zu Hause, also ging es gemeinsam nach Dresden. Nach einer Anstellung im Restaurant eines Freundes hatte Christian als Mietkoch gut zu tun. „Der Personalmangel in der Gastro ist in der Region krass. Ich war ziemlich gefragt, ob als Urlaubsvertretung oder für private Veranstaltungen.“

Karte

Und jetzt? Durchatmen? Keine Chance. Der Stress ist den beiden ins Gesicht geschrieben. Ganz ohne Werbung hat das Paar in den vergangenen Wochen bereits einige Pensionsgäste bewirtet und natürlich haben auch schon die ersten Nachbarn vorbeigeschaut. Christians Kochrepertoire liest sich wie das Restaurant-Angebot auf einem noblen Kreuzfahrtschiff – mediterran, australisch, japanisch, schweizerisch – doch im beschaulichen Uttewalde sollte es schon etwas bodenständiger sein. Schnitzel steht auf der Karte, na klar, aber auch Forelle mit Mandelbutter, Ofensüßkartoffel, Spareribs und Tiramisu.

Genau, das, wofür ihn schon mehrfach jemand vom Hochzeitsmarkt wegschnappen wollte. Die Preise hält der Koch bewusst niedrig, Hauptgerichte gibt es ab sechs Euro, genossen werden kann das Essen auf der Terrasse, wo die Hummeln summen, oder im urigen Gastraum. „Hier gibt es noch einiges zu tun“, sagt Lana. Wie auch die 19 Pensionszimmer im Hauptgebäude und Nebengelass sei der Gastraum sauber und ordentlich, aber in die Jahre gekommen. Gleiches gilt für Saal und die Sanitäranlagen. Im Garten könnten Ziegen oder Hühner Platz finden, überlegt die 29-Jährige. „Schade, dass die Wiese nicht genutzt wird.“

An Motivation, zu renovieren, scheitert es nicht. Aber an Zeit. Die beiden schmeißen den Laden komplett alleine, gönnen sich kaum Freizeit. Melden sich größere Tischgesellschaften an, schwenkt Christian von á la carte auf Buffet um. „Dann muss niemand lange auf sein Essen warten und ich kann mich austoben.“ Er hofft, dass die Besucher Verständnis haben, auch dafür, dass Lana manchmal nicht sofort alles am Telefon versteht. Erst seit anderthalb Jahren lernt sie Deutsch, und das mit dem Sächsisch ist halt so ’ne Sache.

Grundstraße 6, Lohmen, Ortsteil Uttewalde. Geöffnet ist täglich ab mittags, Mittwoch ist Ruhetag. Reservierungen unter Tel. 035024 70237

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