• Einstellungen
Dienstag, 13.03.2018

Pleiten, Pech und Pannen beim Kittlitzer Depot

Die Kosten für das neue Feuerwehr-Gerätehaus verdoppeln sich beinahe. Das ist nicht bloß Schicksal.

Von Markus van Appeldorn

Das Gerätehaus der Feuerwehr Kittlitz ist Teil eines historischen Bau-Ensembles. Der Neubau am Schloss Kittlitz war nicht möglich, weil der Stadt Löbau Nutzungsrechte für ein Privatgrundstück fehlten. Für über eine Millionen Euro wird der Bau nun erneut ausgeschrieben.
Das Gerätehaus der Feuerwehr Kittlitz ist Teil eines historischen Bau-Ensembles. Der Neubau am Schloss Kittlitz war nicht möglich, weil der Stadt Löbau Nutzungsrechte für ein Privatgrundstück fehlten. Für über eine Millionen Euro wird der Bau nun erneut ausgeschrieben.

© Rafael Sampredo

Kittlitz. Einen dicken Brocken hatte der Löbauer Stadtrat da bei seiner jüngsten Sitzung auf dem Tisch. Eine Mehrausgabe von 415 000 Euro für den Neubau des Feuerwehrhauses in Kittlitz war da zu genehmigen. Zur Erklärung der Überschreitung hatte Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) den damit beauftragten Löbauer Architekten Volker Augustin zur Sitzung eingeladen. Bei dessen Bericht tat sich eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen in der bisherigen Bauplanung des Feuerwehrhauses auf.

Als ursprünglicher Planungsansatz habe man 2015 das neue Feuerwehrgerätehaus im Löbauer Ortsteil Ebersdorf herangezogen, sagte der Architekt. Das sei für 565 000 Euro errichtet worden. Weil am Standort Kittlitz ein dritter Stellplatz für ein Fahrzeug des Katastrophenschutzes nötig sei, habe man dafür weitere 92 000 Euro eingerechnet. Über die Summe von 657 000 Euro sei dann der Fördermittel-Antrag gestellt worden.

Doch dann liefen die Kosten schnell aus dem Ruder. „Nach Abstimmungen mit den Kameraden der Feuerwehr und dem Landkreis ergab sich ein größerer Raumbedarf“, sagte Volker Augustin. Die Wehr in Kittlitz habe nämlich 30 Kameraden und nicht wie in Ebersdorf nur 20. Eine moderne Kleiderdusche brauche zusätzlich Raum. Statt der geplanten 370 Quadratmeter Fläche seien daher schon 450 Quadratmeter nötig, erläuterte der Architekt.

Zudem machte der Denkmalschutz für den Standort am Schloss Kittlitz Auflagen zu Form und Gestaltung des Daches. Dazu wäre noch ein „erheblicher Baugrund-Austausch“ nötig geworden“, so Volker Augustin. All dies ließ die Kosten schon auf 790 000 Euro steigen.

Doch diese Zahl war ohnehin schnell Makulatur. Denn während der Planung stellte man fest, dass die Zufahrt zum geplanten Feuerwehrhaus über ein Privatgrundstück verlaufen würde. „Der Standort war nicht bebaubar, weil die Stadt das Überfahrtsrecht über das Privatgrundstück nicht bekam“, referierte der Architekt. Damit waren zwar auch die Mehrausgaben für den Denkmalschutz vom Tisch – als Kostenbremse erwies sich dieser Umstand aber nicht. Als Ersatz fand die Stadt ein Grundstück, das am Schlossplatz und der Nieskyer Straße gelegen ist. „Das verursachte einen komplett neuen Bauantrag und eine neue Baugrunduntersuchung“, sagte Augustin. Man habe sich zu einer beidseitigen Erschließung des Grundstücks entschlossen. Das heißt, dass die Feuerwehrkameraden im Alarmfall zu der einen Seite ans Feuerwehrhaus heranfahren und zur anderen Seite ausrücken. Diese praktische Lösung trieb die veranschlagten Kosten auf 870 000 Euro.

Der richtige Preishammer kam aber erst dann. „Seit 2016/17 verläuft die Baupreisentwicklung explosionsartig“, sagte Architekt Augustin im Stadtrat. „Beim Bauhauptlos hatten wir nach der Ausschreibung eine Kostenüberschreitung von 27 Prozent.“ Das könne man nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) nicht durchgehen lassen. Für das Gewerk „Fenster und Türen“ habe es erst gar kein Angebot gegeben und für die Elektroinstallation nur eines.

„Daraufhin wurde die Öffentliche Ausschreibung aufgehoben“, sagte Volker Augustin. Unter dem Aspekt der Baupreisentwicklung habe man erst herausfinden wollen, wo man landen würde. Diese Landung hat der Architekt nun beziffert: „Wir müssen mit einer Investitionssumme von bis 1,1 Millionen Euro rechnen“, sagte er. Daraus ergibt sich der Mehrbedarf.

Oberbürgermeister Buchholz informierte, dass man deswegen nicht mit einer höheren Förderung rechnen könne. „Nach der Richtlinie gibt es 180 000 Euro pro Stellplatz.“ Eine höhere Förderung müsse der Landtag genehmigen. Zwar würde die Förderrichtlinie im nächsten Jahr geändert, es sei aber nicht damit zu rechnen, dass der Fördersatz erhöht werde, sagte Buchholz. Auch anzunehmen, dass die Baukosten auf dem Markt kurzfristig sinken könnten, hielt er für spekulativ.

Die 415 000 Euro könne die Stadt aus ihren liquiden Mitteln aufbringen. Buchholz schlug vor, den Neubau auf dieser Kostenplanung neu auszuschreiben. Vertreter aller Stadtratsfraktionen betonten in Wortmeldungen die Wichtigkeit der Feuerwehr. Die Kostenüberschreitung sei gleichwohl hart und auch wenn sich die Stadt das leisten könne, seien liquide Mittel irgendwann aufgebraucht. Der Stadtrat genehmigte die Mehrausgabe daraufhin einstimmig.

Desktopversion des Artikels