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Samstag, 14.07.2018

Plan gegen die Altersarmut

Von Basil Wegener

© - keine Angabe im huGO-Archivsys

Profitieren dürften jede vierte Rentnerin, Frührentner wegen Krankheit sowie Geringverdiener. Kosten in Milliardenhöhe müssen die Beitrags- und Steuerzahler tragen. Die Stabilisierung des Rentenniveaus soll ein Zeichen setzen. Das sieht nach bisherigen Ankündigungen das Rentenpaket von Arbeitsminister Hubertus Heil vor. Details will der SPD-Politiker am Freitag in Berlin vorstellen. Ein Überblick:

Gibt es Altersarmut in Deutschland?

Ja. „Wenn man im Alter arm ist, hat man weniger Chancen als in jüngeren Jahren, da wieder herauszukommen“, sagt der Berliner Wirtschaftsforscher Bruno Kaltenborn, der den Bereich für das Forschungsnetzwerk der Deutschen Rentenversicherung untersucht hat. „Aber wenn man sieht, wer auf Grundsicherung angewiesen ist, ist Armut im Alter jetzt und in absehbarer Zeit nicht das Kernproblem.“ In der Generation 65 plus sind 3,1 Prozent der Menschen auf Grundsicherung angewiesen. Bei den Kindern unter 15 Jahren sind es 15, bei den Erwerbstätigen 8 Prozent.

Steigt Altersarmut künftig massiv an?

Davor warnen Gewerkschaften und Sozialverbände. Ohne Umsteuern bei der Rente droht laut Verdi-Chef Frank Bsirske Altersarmut bis „weit in die Mitte der Gesellschaft“. Kaltenborn dagegen hat errechnet: „Wahrscheinlich ist eher die Variante einer konstanten Entwicklung als die eines Anstiegs.“ Der Anteil der Grundsicherungsbezieher dürfte bis 2030 bei den Senioren unter oder um 5 Prozent bleiben – also unter dem derzeitigen Bevölkerungsschnitt.

Warum dürfte Altersarmut nicht stärker zunehmen?

Einen von mehreren Gründen sehen die Experten im Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – und damit auch der Rentenanwartschaften – bei den Frauen. Deshalb würden künftig voraussichtlich mehr Frauen als früher im Alter über die Armutsschwelle kommen.

Was sind die Rentenziele der Koalition?

Stabilität bei der Rente, Honorierung von Lebensleistung und Bekämpfung von Altersarmut – so heißt es im Koalitionsvertrag. Anfang 2019 soll das erste Rentenpaket, das Heil nun präsentieren will, in Kraft treten: mit Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentner, der Mütterrente II, Entlastung von Geringverdienern bei Sozialbeiträgen und einer Stabilisierung von Rentenniveau und Beitragssatz bis 2025. Eine Grundrente für langjährig Versicherte und weitere Weichenstellungen für die Zeit nach 2025 sollen folgen. Denn die Gesellschaft wird älter. Auf weniger Einzahler kommen mehr Empfänger – die zudem im Schnitt länger leben werden.

Wer profitiert von der Mütterrente II?

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung 24 Prozent der heutigen Rentnerinnen. Mütter sollen ein drittes Jahr Kindererziehungszeit für jedes vor 1992 geborene Kind erhalten. Insgesamt würde das Nettoeinkommen der begünstigten Rentnerhaushalte um knapp vier Prozent steigen, bei Rentnerinnen mit wenig Einkommen um bis zu sechs Prozent. Allerdings dürften nur kinderreiche Frauen in rentennahen Jahrgängen profitieren – dabei auch Frauen mit hohen Renten oder reichen Partnern. Eine systematische Armutsvorbeugung gibt es dabei nicht.

Wie werten Experten die Pläne für Erwerbsminderung?

Positiv. „Menschen mit einer geringen Erwerbsminderungsrente sind sehr häufig auf Grundsicherung angewiesen“, sagt Kaltenborn. So bezogen diese Menschen, die wegen Krankheit in Frührente müssen, 2016 zu 14,7 Prozent Grundsicherung – Altersrentner nur zu 2,6 Prozent. Künftig sollen Betroffene, anders als heute, so behandelt werden, wie wenn sie bis zum aktuellen Rentenalter gearbeitet hätten.

Was bringt die Stabilisierung des Rentenniveaus?

Wenn ein Absinken dieses Verhältnisses von Rente zu Durchschnittslohn verhindert werden kann, dann kommt das allen Rentnern zugute - je nach ihrer Rente prozentual unterschiedlich. Das Niveau soll bis 2025 auf heutigem Stand von 48 Prozent gesichert werden. Allerdings soll es laut offiziellen Prognosen auch ohne Reform bis 2024 bei 48 Prozent bleiben und erst dann absinken. Das ist keine Stellschraube gegen die Altersarmut.

Was ist für Geringverdiener geplant – und wie könnte das wirken?

Die Einkommensgrenze, ab der volle Sozialbeiträge gezahlt werden müssen, soll von 850 auf 1 300 Euro steigen. Damit werden die Renten-Anwartschaften der Betroffenen bei reduzierten Beiträgen aufgewertet – aber bei einem unverändert hohen Rententopf nur zulasten der heutigen Beitragszahler mit höheren Verdiensten. Auch Mittelverdiener müssten Verbesserungen für Geringverdiener finanzieren. Profitieren würden allerdings auch Geringverdiener, die etwa Teilzeit machen, aber bereits in einem wohlhabenden Haushalt leben. (dpa)

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