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Mittwoch, 14.03.2018

Pläne für S-Bahn über Radeberg bis Bautzen

Ziel ist ein Halbstunden-Takt zur Hauptverkehrszeit. Auch bei der Elektrifizierung der Strecke soll es jetzt vorangehen.

Von Sebastian Kositz

Derzeit rollen auf der Bahnstrecke nach Bautzen noch die eher trägen Dieseltriebwagen. Auf einer elektrifizierten Verbindung könnten künftig modernere und schnellere Züge fahren. Zugleich sieht ein Vertreter der Bahn sogar Chancen für Fernverkehrszüge.
Derzeit rollen auf der Bahnstrecke nach Bautzen noch die eher trägen Dieseltriebwagen. Auf einer elektrifizierten Verbindung könnten künftig modernere und schnellere Züge fahren. Zugleich sieht ein Vertreter der Bahn sogar Chancen für Fernverkehrszüge.

© Uwe Soeder

Radeberg / Bautzen. Schon seit vielen Jahren warten die Menschen in der Oberlausitz auf eine bessere Bahnanbindung – nur passiert ist bislang nichts. Noch immer fährt die Region in trägen Dieseltriebwagen hinterher, rangierte die Elektrifizierung der Strecke nach Görlitz beim Bund bisher auf dem Abstellgleis. Doch hinter den Kulissen der ländlichen Eisenbahnidylle ist plötzlich einiges in Bewegung geraten. Politiker und Bahnvertreter zeigen sich in Sachen Elektrifizierung zuversichtlich. Außerdem gibt es in Dresden jetzt Überlegungen, für eine Ausdehnung des S-Bahnnetzes in Richtung Lausitz.

Die Forderung für den Ausbau der Strecke zwischen Dresden und Görlitz liegt lange auf dem Tisch. Elektrische Züge können schneller fahren, die Fahrzeiten zwischen den Städten und Gemeinden in der Oberlausitz und der Landeshauptstadt deutlich verkürzen. Der Bund, zuständig für die Infrastruktur der Bahn, hat die Elektrifizierung der Strecke zwar schon länger mit in die Vorhabenliste aufgenommen. Das Vorhaben dümpelt dort jedoch in einer eher unteren Schublade herum. Aber genau das kann sich ändern, wie Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs (SPD) überzeugt ist.

Hilft der neue Koalitionsvertrag?

Bei einer Veranstaltung in Bautzen verwies der Vertreter des Wirtschaftsministeriums jüngst auf den neuen Koalitionsvertrag. Darin ist ein millionenschweres Programm zur Elektrifizierung von Bahnstrecken festgezurrt worden. Der Freistaat habe immer wieder für den Ausbau der Strecke in der Oberlausitz geworben. „Ich denke, dass das jetzt angekommen ist und wir endlich eine Lösung für die Strecke hinbekommen“, erklärt Stefan Brangs.

Eine Überzeugung, die längst nicht nur in der Politik geteilt wird. Bei der Deutschen Bahn herrscht ebenfalls Optimismus – und das keineswegs nur wegen der Signale aus dem Koalitionsvertrag. Denn die Verbindung zwischen der polnischen Grenze und Dresden gewinnt für die Bahn gegenwärtig stark an Bedeutung. Ende des Jahres wird im Norden des Kreises die neue Gütertrasse zwischen Horka und Hoyerswerda in Betrieb genommen. Bis zu 180 Züge am Tag könnten auf dem Teilstück der wichtigen Verbindung zwischen den Nordseehäfen und Südosteuropa einmal hin- und herfahren. „Wir benötigen dann dringend eine Alternative, wenn es eine Störung auf der Strecke zwischen Horka und Hoyerswerda gibt“, erklärt Ulrich Mölke von DB Netz.

Auch Fernzüge wieder denkbar

Doch nicht nur im Güterverkehr könnte die Strecke eine Rolle spielen. Denkbar ist, so erklärt Ulrich Mölke, dass auf längere Sicht sogar wieder Fernzüge durch die Oberlausitz rollen. Mit dem geplanten Neubau der Strecke Dresden-Prag würde sich die Fahrzeit dort auf eine Stunde verkürzen – und nach Worten von Ulrich Mölke zugleich eine rasche Verbindung von der Moldau nach Wroclaw durch die Oberlausitz ermöglichen: „Ich sehe durchaus Chancen für den schnellen Personenverkehr.“ Mit Inbetriebnahme der neuen Strecke nach Prag wird jedoch nicht vor 2035 gerechnet.

Deutlich schneller sollte die Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Görlitz erfolgen. Ungeachtet des mangelnden Interesses in Berlin haben Freistaat und Bahn deshalb längst die Vorplanungen für die Elektrifizierung angeschoben. Weil der Bund sich zierte, hatte 2012 die damals noch schwarz-gelbe Landesregierung Geld freigeschaufelt, um auf eigene Faust die Planungen voranzutreiben. Diese haben inzwischen begonnen und sind laut Ulrich Mölke der wichtigste Schritt im Vorfeld des Projektes. Und: Sollte der Bund tatsächlich für die Strecke nach Görlitz die Signale auf Grün schalten, könnten künftige Planer auf die Arbeit zugreifen und viel Zeit sparen.

Die Zukunft der Bahnstrecken in der Oberlausitz im Blick haben indes auch die Verantwortlichen des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO). Dort gibt es laut Wirtschaftsministerium inzwischen ein Projekt mit dem Arbeitstitel „S-Bahn Elbe-Lausitz“. Das steckt noch in den Kinderschuhen – sehe aber die Suche nach Konzepten vor, auf den Strecken nach Königsbrück, Kamenz und Bautzen in Hauptverkehrszeiten einen Halbstundentakt einzuführen. VVO-Sprecher Christian Schlemper bestätigt die laufenden Untersuchungen, für konkrete Ergebnisse sei es jedoch noch zu früh. Eine Elektrifizierung der Bahnstrecke würde der Verkehrsverbund durchaus begrüßen. „Eine Elektrifizierung bedeutet mehr Möglichkeiten bei der Fahrzeugwahl. Im Gegensatz zum Markt für Dieseltriebwagen gibt es eine große Auswahl attraktiver zeitgemäßer elektrischer Triebwagen, die auf der Strecke eingesetzt werden könnten“, erklärt Christian Schlemper.