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Freitag, 18.05.2018 Aus dem Gerichtssaal

Pfeffersprayattacke auf dem Parkplatz

Ein rabiater Rentner ist auf Streit aus. Er beleidigt und verletzt einen Mann ohne erkennbaren Grund. Der Radebeuler fühlt sich im Recht.

Von Jürgen Müller

Mit einem Spray, ähnlich diesem, hat der angeklagte Rentner auf einen Mann gesprüht, offenbar ohne Anlass. Er war wohl auf Streit aus. Das wird für ihn nun teuer.
Mit einem Spray, ähnlich diesem, hat der angeklagte Rentner auf einen Mann gesprüht, offenbar ohne Anlass. Er war wohl auf Streit aus. Das wird für ihn nun teuer.

© Boris Roessler/dpa

Meißen. Rechthaberisch, rücksichtslos, uneinsichtig, anmaßend- so könnte man den Mann bezeichnen, der da auf der Anklagebank des Amtsgerichtes Meißen sitzt. Die Verhandlung hätte sich der Radebeuler ersparen können. Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte der 71-Jährige einen Strafbefehl erhalten, sollte 2 000 Euro zahlen. Damit wäre er sehr gut bedient, denn normalerweise gibt es für eine solche Tat eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten aufwärts. Das Gericht sah die Tat aber als einen „minderschweren Fall“.

Doch auch diese Strafe will der Rentner nicht akzeptieren. Er legt Einspruch ein, fühlt sich im Recht, dreht den Spieß einfach um. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Oktober vorigen Jahres auf einem Supermarkt-Parkplatz in Meißen einen 46-jährigen Lommatzscher mit Pfefferspray in den Nacken gesprüht zu haben. Das gibt der Radebeuler zwar zu, relativiert aber gleich. Er habe nicht gewusst, dass das Tierabwehrspray nur gegen Tiere eingesetzt werden dürfe. Und überhaupt, er sei angegriffen worden. Als er den Markt verlassen wollte, habe er von dem Mann einen harten Schlag mit einem Gegenstand gegen den Arm bekommen. „Ich habe ihn angebrüllt, was er sich einbildet, einen Schwerbehinderten zu schlagen“, sagt er. Daraufhin habe ihn der Mann gegen die Brust geschlagen. Er habe die Personalien feststellen wollen, um ihn anzuzeigen. Doch der Mann sei in sein Cabrio gestiegen, und habe losfahren wollen. Da habe er ihm das Spray in den Nacken gesprüht. „Ich bin zuerst angegriffen worden“, behauptet er frech.

Davon kann keine Rede sein. Der Geschädigte wollte Verpackungen aus Pappe in dem Markt entsorgen. Weil er nicht durch den ganzen Markt laufen wollte, ist er durch den Ausgang in den Markt gelangt. Weil sich diese Tür nur von innen öffnen lässt, wartete er, bis ein Kunde herauskam. Das war der Angeklagte. „Er war auf Streit aus, wollte mich nicht hereinlassen, versuchte mich rauszustoßen, hat mich angebrüllt“, sagt er. Er musste auf Arbeit, wollte keinen Streit, sagt der Zeuge. Als er aus dem Markt herauskommt, steht der Rentner am Auto des Zeugen, das Pfefferspray schon griffbereit in der Hand. „Er stand da mit dem Spray und hat gezittert. Dann hat er mich als Affe beschimpft. Als ich losfahren wollte, hat er mich besprüht.“

Das hat auch die Marktleiterin gesehen, die ebenfalls als Zeugin aussagt. Sie ist auf den Parkplatz gerannt, sah auch, wie der Angeklagte zu seinem Auto ging, mit hohem Tempo angefahren kam und den Geschädigten anfahren wollte. Er habe einen „Schlenker“ in Richtung des Mannes gemacht, sagt sie. Nur mit einem Sprung zur Seite habe der Mann verhindern können, dass er von dem Rentner angefahren wurde, sagt sie.

Der Lommatzscher ist noch immer fassungslos: „Der wollte mich umfahren“, sagt er. Nein, er habe den Mann nicht geschlagen, und auch nach seinen Papieren habe der ihn nie gefragt, sagt er.

Das Pfefferspray, das angeblich 15 Jahre alt ist, hat dennoch seine Wirkung. Der Geschädigte hat starke Schmerzen im Nacken, geht vorsichtshalber zum Arzt. Der verordnet kalte Umschläge. Für diesen Tag ist der Mann krankgeschrieben. Als der Verteidiger merkt, wohin sich die Verhandlung entwickelt, zieht er den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. So bleibt es bei den 2 000 Euro Geldstrafe. Bei einem Urteil wäre es mit Sicherheit mehr geworden.