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Donnerstag, 12.07.2018

Personalnot im Knast

Zwar ist das Zeithainer Gefängnis nicht mehr überbelegt, hat aber nach wie vor zu wenig Mitarbeiter. Eine Kampagne soll helfen.

Ein Justizvollzugsbeamter verschließt eine Zelle in einem Hafthaus.
Ein Justizvollzugsbeamter verschließt eine Zelle in einem Hafthaus.

© Symbolbild/dpa

Glaubitz. Die Auslastung der Justizvollzugsanstalt Zeithain (JVA) ist nach wie vor hoch: 351 der 395 Haftplätze sind aktuell belegt, heißt es vom sächsischen Justizministerium. Im offenen Vollzug ist die Lage dabei allerdings wesentlich entspannter als im geschlossenen. Dramatisch sei die Situation demnach nicht mit Zeiten der Überbelegung, als sogar Zusatzbetten in den Zellen aufgestellt werden mussten, nicht zu vergleichen. Dramatisch ist allerdings die Personalnot.

In den Gefängnissen, Zeithain, Bautzen, Dresden, Görlitz, Leipzig, Waldheim und Regis-Breitingen wird der nötige Personalschlüssel derzeit nicht erreicht, heißt es im Rahmen einer Kleinen Anfrage an das Ministerium durch die Landtagsfraktion der AfD. Ganz konkret müssten in der Zeithainer JVA bei der aktuellen Auslastung 133 Mitarbeiter im allgemeinen Vollzugsdienst tätig sein sowie insgesamt 165 Mitarbeiter, wozu neben dem Vollzugsdienst unter anderem auch der Verwaltungs- und Sozialdienst zählt. Tatsächlich sind es derzeit aber insgesamt 152 Mitarbeiter, 115 davon im allgemeinen Vollzugsdienst. Mehr als jeden zweiten Tag im vergangenen Jahr war das Gefängnis unterbesetzt, heißt es vom Ministerium. Die Folgen sind für Mitarbeiter wie Gefangene spürbar.

So mussten nicht nur einige Fortbildungen aufgrund des Personalmangels gestrichen werden und wurden Tausende Überstunden angesammelt, auch sind die Krankentage der Mitarbeiter zum Teil deutlich gestiegen. In Zeithain wurden 2008 durchschnittlich noch 19 Krankentage gezählt, 2013 waren es schon knapp 26 und im vergangenen Jahr sogar mehr als 29 Tage pro Mitarbeiter. Und damit zählt die Zeithainer JVA neben der Bautzner und Waldheimer sogar zu jenen in Sachsen, wo die Mitarbeiter am wenigsten krank sind – der sachsenweite Schnitt lag 2017 bei knapp 36 Tagen.

Zudem führt die dauerhafte Unterbesetzung zu Einschränkungen für die Häftlinge. So mussten im Zeithainer Gefängnis an 33 Tagen im vergangenen Jahr der Tagesablauf geändert und der Aufschluss verkürzt werden. Eine systematische Erfassung gibt es laut Ministerium zwar nicht – in Zwickau soll es 2017 aber sogar an 62 Tagen zu Einschränkungen im regulären Tagesablauf gegeben haben.

Ein Mittel gegen die Personalnot ist die im Vorjahr gestartete Werbekampagne „Job mit J? – Justizvollzugsbeamte“. Damit sollen die Bewerberzahlen langfristig gesteigert werden, zudem soll die Kampagne auch auf andere Berufsbilder in der Justiz ausgedehnt werden. Ob sie bereits Früchte trägt, ist allerdings unbekannt. (SZ)