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Montag, 13.08.2018

Panzermine neben Kleingartenidyll gesprengt

Bei Erdarbeiten auf einer Brache in Coschütz wurde am Freitag ein Sprengkörper gefunden. Er musste vor Ort gezündet werden.

Von Christoph Springer

Die Feuerwehr musste nach der Sprengung der Mine die Reste der fast 400 Sandsäcke einsammeln, mit denen die Druckwelle abgedämmt wurde. Sie lagen in Fetzen weit verstreut.
Die Feuerwehr musste nach der Sprengung der Mine die Reste der fast 400 Sandsäcke einsammeln, mit denen die Druckwelle abgedämmt wurde. Sie lagen in Fetzen weit verstreut.

© Roland Halkasch

Genau um 11.11 Uhr gab es am Sonnabend in Coschütz einen weit hörbaren Knall. Sprengmeister Daniel Großer-Scholz hatte den Startknopf seiner Zündanlage gedrückt. Neben der ehemaligen Halde nördlich der Potschappler Straße explodierte eine deutsche Panzermine aus dem Zweiten Weltkrieg. Mitarbeiter der Firma Heitkamp hatten sie am Freitagnachmittag gefunden.

Es handelte sich um eine sogenannte T-Mine 42, sagte der Sprengmeister nach seinem erfolgreichen Einsatz. „Sie hatte einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern und war zehn Zentimeter dick“, beschrieb er das Blechgehäuse mit der explosiven Ladung. Solche Sprengkörper sollten im Zweiten Weltkrieg russische T 34-Panzer außer Gefecht setzen. In Coschütz tauchte der Blindgänger am Freitagnachmittag gegen 15 Uhr an der Oberfläche der Halde auf, als dort Erde umgeschichtet wurde, um eine Böschung herzustellen. Die Arbeiten wurden eingestellt, die Polizei sperrte das Gelände ab. Weil es dämmerte, entschied der Kampfmittelbeseitigungsdienst, dass die Mine erst am Sonnabendvormittag gesprengt werden soll. Deshalb überwachte die Polizei nachts den Fundort.

Am Morgen um 8 Uhr begannen die Beamten mit den Evakuierungen. Das Gelände war von Bäumen umgeben, einige Parzellen des Kleingartenvereins Collmweg befanden sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Radius von 250 Metern um den Fundort mussten Menschen ihre Häuser und Gärten verlassen. Um wie viele es sich handelte, konnte die Polizei nicht sagen. Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) parkten einen Gelenkbus auf der Potschappler Straße, doch der blieb leer. Kein Evakuierter wollte in dem Bus warten. Peter W. stand in unmittelbarer Nähe. „Ich war bei Freunden und kann nicht nach Hause“, sagte der 35-Jährige. Fast eineinhalb Stunden harrte er vor einer Polizeiabsperrung auf der Potschappler Straße aus.

In dieser Zeit war die Berufsfeuerwehr damit beschäftigt, Sandsäcke auf die Mine zu packen, um die Druckwelle der Explosion zu dämmen. Fast 400 Säcke bedeckten schließlich den Sprengkörper. In der Mitte haben die Helfer ein Loch freigelassen, das mit Sand aufgefüllt wurde. „Hier verläuft eine Hochspannungsleitung, die nicht abgeschaltet werden konnte und in der Nähe sind Häuser“, erklärte Sprengmeister Großer-Scholz. „Wir mussten deshalb die Druckwelle in eine bestimmte Richtung lenken.“ Sie sollte senkrecht nach oben abgeleitet werden.

Als er um 11.11 Uhr die Zündung auslöste, wurde sofort deutlich, dass der Sprengmeister und sein Helfer Jörg Müller richtig entschieden hatten. Der Explosionsdruck entwich genau durch das Loch in der Sandsackbarriere. „Der Sand wurde bis in die Höhe der Stromleitung geschleudert“, beschrieb Großer-Scholz die Wucht der Druckwelle. Die Sandsäcke wurden zerfetzt, ihre Reste hingen danach in Bäumen und Büschen und lagen überall auf der Halde. Die Feuerwehr hatte die Aufgabe, die weißen Fetzen einzusammeln.

Gleichzeitig fuhren die ersten Gartenbesitzer an der Halde vorbei zu ihren Grundstücken. Der Sprengmeister hat zum Schluss noch nach Splittern des Blechgehäuses gesucht, aber nichts gefunden. So erinnerte nur noch ein etwa 1,30 Meter tiefe Krater daran, dass dort eine Mine in die Luft gegangen war. „Minen werden nie abtransportiert, die müssen immer gesprengt werden“, sagte Großer-Scholz.

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